Kloster Namen Jesu
Schwester Martha Walker hat 60 Jahre lang Gott und der Gemeinschaft gedient

Morgen Sonntag feiert die Solothurnerin Schwester Martha Walker im Kloster Namen Jesu Diamantene Profess – sie ist seit 60 Jahren im Kloster. Das Klosterleben hat sich in dieser Zeit ganz schön geändert.

Silvia Rietz
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1931 als Nelly Walker in Solothurn geboren, hat Schwester Martha ihre Heimatstadt nie verlassen und lebt – als einzige Solothurnerin – im Frauenkloster Namen Jesu. Und dies seit 60 Jahren. Petticoats und Minijupes waren nie ein Thema. Genauso wenig Tanzen, Flirten, Verlieben und andere Vergnügen, die zum Jungsein gehören. «Was man nicht kennt, kann man auch nicht vermissen», konstatiert sie, und Schalk blitzt auf. Im Klostereintritt sieht sie denn auch nichts Radikales. Das Absolute dieses Entscheides hat sie so nie wahrgenommen. Folglich ist der Ruf, ihr Leben Gott zu weihen und in einer Ordensgemeinschaft zu verbringen, nicht an ein spezielles Ereignis gekoppelt. «Er war schon immer da», erklärt sie schlicht.

Schon die Klosterschule besucht

Als Erstklässlerin der Klosterschule erhaschte sie einen Blick in den Schwesternchor. «Ich dachte, dort muss das Paradies sein», erinnert sie sich. Der Unterricht im Kloster Namen Jesu eröffnete dem Mädchen eine neue Welt. Ihr Vater war Chauffeur bei der Landi und kutschierte am Wochenende eine «reiche Herrschaft» durchs Land. Schwester Martha: «Damit besserte er das karge Familienbudget auf und zog vier Kinder gross. Der begabte Mechaniker wartete das fremde Auto und den Lastwagen selber und konnte in der Krisenzeit die Stelle behalten.»

Die Walkers seien halt immer «gschaffige Leute» gewesen. Vom Vater habe sie die robuste Natur und das Arbeiten geerbt. «Ich kenne und kannte nie etwas anderes – und möchte nichts anderes», stellt sie nüchtern fest. Beneidenswert rüstig wirkt die 81-Jährige von früh bis spät. Hält den Klostergarten in Schuss, hilft bei der Pflege der Loreto-Kapelle und packt an, wo Hände gebraucht werden. «Heute als ‹Gartenschwester›, früher in der Landwirtschaft, in der Wäscherei und in anderen Bereichen.» Auch bei den Töchtern des heiligen Franziskus gilt ja die Maxime «Bete und arbeite.» Für Schwester Martha ist das Arbeiten ihr persönlicher Gottesdienst und der Beitrag an die Gemeinschaft.

Anfangs strenge Klausur

Daran hat sich in 60 Jahren nichts geändert. Gewandelt hat sich hingegen das Klosterleben. 1952 gehörte der Konvent zu den geschlossenen Klöstern. Schwester Martha hat während 20 Jahren keinen Schritt nach draussen gesetzt. Heute leben die Schwestern zwar noch immer in Klausur, aber sie dürfen für Besorgungen das Kloster verlassen, ebenso an Freitagen und während der Ferien. Freiheiten, welche die Synode von 1972 mit sich brachte.

«All dies kannte ich bis zu meinem 40. Lebensjahr nicht. Von Politik und der Welt haben wir praktisch nichts mitbekommen.» Heute sind die Schwestern aufgeschlossene Frauen am Puls der Zeit. Kürzlich wurde Schwester Martha von Schülern gefragt, ob sie eine richtige Nonne sei und noch immer zölibatär lebe. «Ja, da staunt ihr», habe sie geantwortet, «und ich bin noch immer ganz normal.» Sie ist kein Mensch, der frömmelt. Vielmehr strahlt sie Gottvertrauen, Vitalität und Zuversicht aus.

Dankeschön für Gesundheit

Anfang der 70er-Jahre renovierten die Schwestern die Kirche. Natürlich war es Schwester Martha, die das «Pflaster» anrührte, Holzbalken ablaugte und Bänke auffrischte. «Als wir den Tabernakel versetzten, kam zufällig der Denkmalpfleger vorbei und wollte unseren Effort stoppen. Doch wir haben uns durchgesetzt. Schliesslich muss ein Gotteshaus nicht kunsthistorisch perfekt, sondern für die Gläubigen stimmig sein», lacht sie. In der Klosterkirche feiert sie morgen Sonntag die Diamantene Profess mit einem öffentlichen Festgottesdienst (10.45 Uhr). «Eigentlich ist es nicht mein Fest, obschon ich mich unbändig darauf freue, sondern eine Dankesfeier, weil Gott mich gerufen und mir bis ins Alter Gesundheit und Tatkraft geschenkt hat. Dass ich beten, arbeiten und für andere da sein darf.»