Industriebrache
Schwarzbubenland fühlt sich vom Kanton vernachlässigt

Das ehemalige Swissmetal-Areal in Dornach kommt im jüngsten Projekt der Solothurner Wirtschaftsförderung gar nicht vor. Nun fordern Politiker, dass sich der Solothurner Regierungsrat für den Erhalt des Areals als Industriestandort einsetzt.

Benjamin Wieland
Merken
Drucken
Teilen
Zankapfel Widen-Areal: Dornach erhofft sich von der Neunutzung bis zu 1500 neue Bewohner, ein Kantonsrat will das Gelände als Industriestandort erhalten – der Kanton äussert sich nicht zur Zukunft des Geländes. zvg

Zankapfel Widen-Areal: Dornach erhofft sich von der Neunutzung bis zu 1500 neue Bewohner, ein Kantonsrat will das Gelände als Industriestandort erhalten – der Kanton äussert sich nicht zur Zukunft des Geländes. zvg

Das Areal der ehemaligen Swissmetal in Dornach ist die grösste Industriebrache des Kantons Solothurn. Trotzdem spielt das sogenannte Widen-Areal beim jüngsten Projekt der kantonalen Wirtschaftsförderung keine Rolle: Vergangene Woche gab der Solothurner Regierungsrat bekannt, welche Standorte er künftig stärker fördern will – die drei Orte, die in einer Absichtserklärung genannt werden, liegen aber alle südlich des Jura; Dornach kommt im Papier nicht vor.

«Es scheint der Verwaltung und dem Regierungsrat schlicht egal zu sein, wie sich die Region Dorneck/Thierstein wirtschaftlich entwickelt», schreiben die SVP Schwarzbubenland und die SVP Solothurn in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Unterschrieben ist sie auch von Christian Imark, dem Chef der SVP-Fraktion im Solothurner Kantonsrat. Für Imark ist es unverständlich, dass der Regierungsrat das Areal in der Grösse von rund 18 Fussballfeldern nicht berücksichtigt. «Ich werde das Gefühl nicht los, dass wir nicht ganz ernst genommen werden», sagt er auf Anfrage. «Die Interessen der Schwarzbuben werden einmal mehr links liegen gelassen.»

Basel die Stirn bieten

Der zuständige Regierungsrat Roland Fürst lässt die Vorwürfe nicht gelten. Das Schwarzbubenland komme bei der erwähnten Absichtserklärung deshalb nicht vor, weil es sich um ein Projekt des Vereins Hauptstadtregion Schweiz handle. In diesem haben sich 2010 die Kantone Solothurn, Bern, Freiburg, Wallis und Freiburg zusammengeschlossen, um den Wirtschaftsräumen Basel, Zürich und Genf/Lausanne Paroli zu bieten. «Es ist also nicht der Fall», beteuert Fürst, «dass die Bezirke Dorneck und Thierstein tiefer eingeschätzt würden als andere Regionen». Sie würden aber zur Metropolregion Basel gehören, so Fürst.

Christian Imark ist aber auch mit den vorliegenden Plänen der Gemeinde Dornach für das Widen-Areal nicht zufrieden. Der Gemeinderat will auf dem Gelände entlang der Birs vor allem Wohnungen realisieren. Er erhofft sich daraus bis zu 1500 neue Bewohner. Das Teilleitbild wird an der nächsten Gemeindeversammlung vom 25. Juni behandelt. Bereits im Juni 2013 verlangte Imark per Vorstoss im Kantonsrat, dass das Areal als Industriestandort gesichert und der Wohnanteil reduziert werde.

Baoshida hat andere Pläne

Dornachs Gemeindepräsident Christian Schlatter bezeichnet Imarks Forderungen nach mehr Arbeitsplätzen als «bewusste politische Provokation», hinter der wohl «keine fundierten Kenntnisse der Situation vor Ort» stecken würden. Die Gemeinde stehe in Kontakt mit allen kantonalen Behörden, auch mit dem Amt für Wirtschaft. Eine Mischnutzung mit einem deutlichen Akzent im Bereich Arbeiten sei der gemeinsame Nenner, auf den sich sämtliche Akteure geeinigt hätten. Dazu gehöre auch Baoshida – jener Konzern, der Anfang 2013 die konkursite Swissmetal übernommen hat und auf dem Gelände bis heute Kupfer verarbeitet.

Ganz einverstanden mit den Plänen der Gemeinde ist aber auch die Baoshida-Swissmetal AG nicht. Laut «Basler Zeitung» hat sie vom Generalplaner Losinger Marazzi ein Konzept erarbeiten lassen. In diesem ist von 250 Wohnungen die Rede – das ergäbe viel weniger neue Bewohner, als sich die Gemeinde erhofft.