Lüterkofen-Ichertswil
Schulverband informiert rund 110 Eltern über neue Unterrichtszeiten

Im Foyer der Mehrzweckhalle in Lüterkofen informierte der Vorstand des Schulverbandes über Änderungen im neuen Schuljahr. Einige der anwesenden Eltern waren mit den neuen Unterrichtszeiten nicht zufrieden. Etwas daran ändern konnten sie aber nicht.

Urs Byland
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Im Foyer der Mehrzweckhalle Lüterkofen informierte der Vorstand des Schulverbands Bucheggberg zum neuen Schuljahr 14/15.

Im Foyer der Mehrzweckhalle Lüterkofen informierte der Vorstand des Schulverbands Bucheggberg zum neuen Schuljahr 14/15.

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Es kommt der Quadratur eines Kreises gleich, Transport und Unterricht im Schulverband Bucheggberg zu koordinieren. Zu viele Dinge müssen beachtet werden, zu viele Jacken angezogen werden.

Gerüchte, Halbwahrheiten und viele Emotionen haben über 110 Eltern von Schulkindern am Dienstagabend nach Lüterkofen ins Foyer der Mehrzweckhalle geführt. Dort wollte der Vorstand des Schulverbandes über die Änderungen im neuen Schuljahr informieren. Wohlgemerkt, ohne dass auch nur ein Stundenplan fürs kommende Schuljahr bereits vorhanden wäre.

Schulpräsidentin Verena Meyer informierte sicherlich mit bestem Wissen und Gewissen. Nur, wie soll man für eine Strategie werben? Die Schule lässt sich mit Fussball vergleichen.

Jeder weiss es besser. Die Strategie der Eltern eines Viereinhalbjährigen in Schnottwil entspricht kaum der Strategie von Eltern eines Vierjährigen am Schulstandort in Lüterkofen. Und schon gar nicht der Strategie von Eltern eines Oberstufenschülers.

Und wie stehts um den öffentlichen Verkehr (eigene Schulbusse sind nicht finanzierbar), die Anschlüsse (wer erhält Vorrang), das Platzangebot im öffentlichen Bus, die Sicherheit, die prall gefüllte Stundentafel, den Mittagstisch zu Hause am Elterntisch, und, und, und? Und dass da auch noch ein Kind ist, dessen Wohl an erster Stelle sein soll, glauben Eltern den Schulbehörden fast nicht mehr und umgekehrt.

Wer also am Dienstagabend das Gefühl hatte, an den Unterrichtszeiten im nächsten Jahr noch etwas ändern zu können, der sah sich getäuscht. Da ist ein Tanker unterwegs, der nur sehr langsam den Kurs ändern kann. Schulverbandspräsidentin Verena Meyer entschuldigte die kurzfristige Einladung zum Infoanlass damit, dass der Vorstand zuerst in allfälligen Einzelgesprächen die Umstellung erklären wollte.

«Wir wurden aber überrollt. Deshalb haben wir den Infoanlass organisiert.» Mario Petiti vom kantonalen Volksschulamt wies im Laufe des Abends darauf hin, wie aussergewöhnlich dieser Anlass ist. «Strategie oder schulorganisatorische Massnahmen sind Sache der Schulleitung oder des Vorstands. Eltern haben dazu nichts zu sagen. Die heutige Information hier ist eine grosse Ausnahme, das gibt es sonst nicht.»

Umso heftiger sprachen an diesem Abend einige Eltern. Spürbar war ab und zu aber auch eine Wut darüber, dass die Schule nicht mehr im eigenen Dorf steht.

Meinungen gehen auseinander

Am Ursprung der Unruhe im Schulverband stehen einige wichtige Punkte. Bei einzelnen Bussen in Lüterkofen liegen die Ankunftszeit bei der Schule und der Unterrichtsbeginn nur wenige Minuten auseinander. Eltern haben sich beim Kanton beschwert, ihre Kinder verlieren bis zu einer Lektion wöchentlich, und sie haben Recht bekommen.

10 Minuten müssen es künftig sein. Verena Meyer versuchte die Folgen anschaulich zu erklären: «Man kann nicht an einer Ecke des Kissens zerren und denken, alles bleibt gleich.» Alleine dieser Umstand führt dazu, dass der Mittagstisch im trauten Heim mancherorts gefährdet ist.

«Wie soll dieser möglich werden, wenn die Kinder erst um 12.45 Uhr heimkommen», so eine Mutter. Und ein erboster Vater sagte: «Sie haben vergessen, die Schule den Gegebenheiten hier im Bucheggberg anzupassen.»

Und er doppelt gleich nach: «Ein Mittagstisch in der Schule passt auch nicht in den Bucheggberg.» Andere Eltern wiederum könnten sich sehr gut einen obligatorischen Mittagstisch vorstellen. Dieser würde etliche Transport- und Schulprobleme entschärfen, wie auch der Vorstand weiss.

Ein weiterer Punkt sind die Jüngsten. Die Altersgrenze wurde vom Kanton um drei Monate verschoben. Schon Viereinhalbjährige werden in den Kindergarten eingeschult. Als nicht zumutbar beurteilen einige Eltern sowie der Vorstand auf Empfehlung des Kantons einen Unterricht von vier Stunden am Morgen für diese Kleinsten.

«Es kann nicht sein, dass mein vierjähriges Kind bereits um 7.30 Uhr auf den Bus muss», so eine besorgte Mutter. Der Vorstand hat auf Empfehlung der Schulleitungen beschlossen, die Blockzeiten am Morgen zu staffeln.

Die Kindergartenkinder gehen eine halbe Stunde später in die Schule. Dies hat wiederum zu Kritik von Eltern mit mehreren Kindern geführt. - Und zu einem Betreuungsproblem. Gehen alle gleichzeitig mit dem Bus in die Schule funktioniert das Götti/Gotte-System.

Die älteren Kinder schauen für die jüngeren. Mit der Staffelung der Schulanfangszeiten ist dies nicht möglich. Der Vorstand hat sich nach langen Diskussionen auf ein kostengünstiges Modell mit freiwilligen Begleitpersonen geeinigt und auf ein Inserat hin solche gefunden.

Diese Begleitpersonen sollen bis zu den Herbstferien, viele Eltern hoffen darüber hinaus, die Kindergartenkinder frühmorgens im Bus betreuen. Am Nachmittag und Abend funktioniert das Götti/Gotte-System.

Und ebenfalls wichtiger Punkt sind die zusätzlichen Lektionen (Englisch, Französisch, Medienunterricht) in der Stundentafel. Um den Drittklässlern nicht nur einen freien Nachmittag zu ermöglichen, werden grosse Blockzeiten von 7.55 bis 11.55 Uhr nötig.

Die Verantwortlichen mussten sich an diesem Abend etliche böse Stimmen anhören - und auch distanzierte wie: «Wir reden hier über Wohlstandsprobleme.» Klar ist, dass die vom Vorstand gewählte Lösung vielen Eltern nicht passt.

Eine andere Lösung gibt es nicht auf die Schnelle und ob überhaupt, steht in den Sternen. Anregungen der Eltern wurden entgegengenommen, können aber erst in ein, bis zwei Jahren umgesetzt werden. Alle warten nun gespannt auf ihre Stundenpläne, die auf bald nach den Frühlingsferien versprochen wurden. Auch dies ist aussergewöhnlich.