Schultheaterwoche
Schultheaterwoche will keine Schauspieler entdecken sondern Erlebnisse schaffen

Die Schultheaterwoche auf Schloss Waldegg gibt es seit zwanzig Jahren. Seit vergangenen Montag spielten Schüler aus dem ganzen Kanton Solothurn vor Schülern. Ein Augenschein.

Fränzi Rütti-Saner
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Werner Panzer (r.), Initiant der Schultheaterwoche, im Gespräch mit Regierungsrat Klaus Fischer. Hanspeter Bärtschi

Werner Panzer (r.), Initiant der Schultheaterwoche, im Gespräch mit Regierungsrat Klaus Fischer. Hanspeter Bärtschi

Auf dem Vorplatz des Schlosses Waldegg steht ein Zirkuszelt. Gerade ist darin eine Schultheater-Aufführung zu Ende gegangen. Jetzt bleiben 15 Minuten bis zur nächsten Produktion. Werner Panzer, der Initiant und langährige Leiter der Schultheaterwoche, kümmert sich noch um Details, rückt Stühle im Innern des Zeltes zurecht. Dann ertönt die Kuhglocke – das Zeichen, dass es mit der nächsten Vorstellung weitergeht.

«Wisst ihr, wo Büren liegt?»

Panzer steht wie ein Dompteur auf der Bühne und kündigt die nächste Produktion an. Es ist die Oberstufe der Gesamtschule Büren, die ihr selbst geschriebenes und inszeniertes Stück «Das Mitglied» präsentieren will. «Wisst ihr, wo Büren liegt?», fragt Panzer in die Runde. Die Halbwüchsigen in der hintersten Reihe machen dumme Sprüche. «Büren liegt bei Basel. Diese Schüler haben also einen langen Weg hinter sich», gibt Panzer selbst die Antwort.

Liliane kommt auf die Bühne und erzählt, worum es in ihrem Musical geht. «Ein Mädchen aus der Schweiz muss mit ihrer Mutter nach Berlin ziehen. Dort gefällt es ihr gar nicht. Wir sehen sie bei ihrem ersten Schultag. Damit sie in der angesagten Jugend-Gang mit dabei sein kann, sollte sie eine Lehrerin umbringen.»

Spass haben und Applaus bekommen

Die Story stammt aus der Feder einer ehemaligen Bürener Schülerin, die Musik vom Musiklehrer Andreas Saner, und Texte zu ihrem Musical haben die Schüler selbst geschrieben. Ein Spiel, in dem die Stärken und Schwächen der einzelnen Protagonisten schnell zum Vorschein kommen. Darum geht es hier aber bei diesem Bühnenauftritt nicht.

Es geht um Spielfreude, Kreativität, lernen, mit Aufregung und Nervosität umzugehen, zusammen etwas Aussergewöhnliches leisten, in eine andere Rolle schlüpfen, Spass haben und Applaus von Gleichaltrigen zu bekommen.

Vieles hat sich verändert

«Um solche Erlebnisse geht es bei der Schultheaterwoche», sagt Werner Panzer nach der Vorstellung zusammen mit seiner Nachfolgerin und Co-Leiterin Martina Mercatali. «Dieses Jahr haben sich vorwiegend Oberstufen-Klassen angemeldet», sagt Panzer. Befragt, was sich in den zwanzig Jahren seit Bestehen der Schultheaterwoche verändert habe, sagt er: «Vieles. Vorab schon mal die Strukturen der Schulen. Ein Lehrer kann nicht mehr alleine beschliessen, mit einer Klasse ein Theater zu inszenieren.» Bis zu sechs Lehrpersonen müssen heute einverstanden sein, ein Theaterprojekt zu stemmen.

Auch haben die Lehrer heute viel weniger Raum für Kreatives. Die Lehrpläne sind vollbepackt. Es gibt Druck: Förderungsdruck, Elterndruck. «Dabei ist ein Theaterprojekt gelebter Unterricht», sagt Martina Mercatali. «Sehr oft kommen Lehrer nach den Aufführungen zu uns und sagen: Ich habe jetzt eine andere Klasse.» Dabei gibt es doch heute Theaterpädagogen – auch an Schulen. Braucht es da die Schultheaterwoche noch? Dazu sagt Panzer. «Theaterpädagogen sind Profis und so arbeiten sie auch. Bei uns sollen aber alle Platz haben.

Blühende Wiese statt englischer Rasen

Die Schultheaterwoche ist niederschwellig. Zum Vergleich: Ich will keinen englischen Rasen, ich will eine wild blühende Wiese.» Und Mercatali ergänzt: «Wir wollen keine Schauspieler entdecken, sondern Erlebnisse schaffen. Wir gehen in die Breite, nicht in die Tiefe.» Und sie ergänzt: «Das Beste wäre, darstellendes Spiel wäre im Unterricht verankert. So würde in der Klasse verbesserter Teamgeist entwickelt – davon träumt doch jeder Lehrer.»

Zum Jubiläum wurde am Samstagabend bei einem Festakt mit Reden ein Video mit Ausschnitten aus Schultheater-Szenen gezeigt.

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