Es handelt sich um einen beispiellosen «Kraftakt», den Bauverwalter Ewald Kaiser, Gemeindeverwalterin Katalin Kulcsar sowie die Mitglieder von Finanzkommission (Fiko) und Gemeinderat geleistet haben. Sah die Finanzierung des Schulhaustausch- und Ausbau-Projektes «Rochade» vor Tagen fast unmöglich aus, so liessen jetzt die neuen Unterlagen zur Verzichtplanung im Investitionsbereich deutliche Hoffnung entstehen. Die Mehrzahl der kommunalen Vorhaben im Tiefbaubereich innerhalb der kommenden fünf Jahre wurde gemäss Vorschlag des Bauverwalters aufgeschoben.

Er zeigte sich vom guten Zustand der Gerlafinger Infrastruktur überzeugt. Im Voranschlag enthalten bleibt aber der geplante Ersatz des Kommunalfahrzeugs mit Jahrgang 1998 nebst Mäher. Gesucht wird hier nach günstigen Occasionsangeboten. Mit diesem «Streichkonzert» konnten allein für 2015 1,6 Mio. Franken eingespart werden.

Mit Verkauf von Liegenschaften

Zudem hatte Kaiser für das Bauprojekt einen gemeinsam mit Baukommissionspräsident Bruno Rätz überarbeiteten Entwurf vorgelegt, der die Bausumme von zuvor 8 Mio. auf 6,543 Mio. Franken drückte. Dies allerdings unter einigen vertretbaren Abstrichen wie Verschiebung Ausbau Musikzimmer, der Abtrennung der Sanitätshilfsstelle, beides im Untergeschoss Kirchacker, und der konsequenten Anwendung des Sparziels von 10 Prozent bei allen Kostenfaktoren.

Eingebracht in die Finanzierung sind der nur noch in diesem Jahr gültige Investitionsbeitrag aus dem Kantonalen Finanzausgleich über 524 000 Franken und die mit rund 843 000 Franken bewerteten Verkäufe des Hauswirtschaftsschulhauses an die Stiftung «Am Bach» und demnächst auch des Schulpavillons Gländ an andere Interessierte.

Laufende Rechnung geröntgt

Als Auftakt wurde unter Leitung von Fiko-Präsident Werner Rutsch die aufwandseitig mit 37,6 Mio. Franken bezifferte laufende Rechnung in jeder Position durchleuchtet und hinterfragt. Gerechnet wird bei einem Steuerfuss von 130 Prozent mit einem Steuerertrag von 12,7 Mio. Franken. Die Pensionskassen-Ausfinanzierung für das Gemeindepersonal in Höhe von 2,2 Mio. Franken wird gemäss Finanzverwalterin über die Investitionsrechnung abgewickelt.

Die zahlreichen Kürzungen, die Gemeinderätin Belgin Gül laufend aufaddierte, beliefen sich schliesslich auf rund 100 000 Franken, die den Aufwandüberschuss auf 800 600 Franken drücken. Sofern Ende des Monats die Revision des Finanzausgleichs vom Souverän bewilligt wird, stehen Gerlafingen statt 1 Mio. aus diesem Topf im kommenden Jahr 1,8 Mio. Franken zur Verfügung. Mit dieser laut Gemeindepräsident Peter Jordi «gütigen Mithilfe» könnte dann sogar eine ausgeglichene Rechnung erreicht werden.

Nicht alles wegsparen

Besonnene Stimmen sorgten dafür, dass der Rotstift nicht zu rabiat wütete. Neben dem «Tauziehen» um Zentrumsbeiträge und Unterhalt öffentlicher Anlagen blieb aber auf gemeindepräsidialen Antrag die Inva-Unterstützung bei 2500 Franken. Auch das «Junioren-Sponsoring» wurde mit 10 000 Franken als wesentlich erachtet. In Gegenwart der beiden Schulleiter Martin Müller und Pascale Hunziker sowie Etienne Gasche, Leiter Sozialregion Wasseramt-Süd, betonte Fiko-Präsident Rutsch (FDP) seinen Respekt gegenüber dem politischen Willen, das Schulraumthema mit allen Konsequenzen zu priorisieren.

Zuvor hatte der Bauverwalter nochmals appelliert, dass die Lösung dieser schon lange bestehenden Schulraumprobleme vielfältige positive Signale aussenden werde. Thomas Wenger als Sprecher der SVP bekannte, dass er doch nun «Licht am Horizont» für eine Realisierung des Bauvorhabens sehe, sofern die Tragbarkeit erwiesen wäre.

Schulden abbauen

Die endgültige Entscheidung trifft der Rat an seiner nächsten Sitzung am 27. November. Bis dahin werden nochmals alle Unterlagen wie Voranschlag und Finanzplan bereinigt. Der Rat hielt fest, dass Verkaufserlöse aus vier gemeindeeigenen Liegenschaften im möglichen Umfang von 2,8 Mio. Franken in die Schuldentilgung fliessen. Jetzt bereits ist die Gemeinde mit 18,5 Mio. Franken verschuldet. Gemeindevizepräsident Christian Holderegger dankte allen Verantwortlichen für die grosse Arbeit und bekräftigte, dass die bevorstehende Entscheidung eigentlich nur «Ja» lauten könne. Vorgängig zur Gemeindeversammlung am 17. Dezember erwägt der Gemeinderat, eine öffentliche Informationsveranstaltung zu «Rochade» durchzuführen.