Gerlafingen
Schüler und behinderte Erwachsene üben für den Auftritt im Rampenlicht

Die Tagesstätte Pro Infirmis und drei Schulklassen aus Gerlafingen sind im Zirkus Wunderplunder vereint. Gemeinsam haben sie während einer Woche ein Zirkusprogramm einstudiert.

Agnes Portmann-Leupi
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Behinderte, Schüler und Zirkusleute (hinten links) arbeiten zusammen in der Tagesstätte der Pro Infirmis.

Behinderte, Schüler und Zirkusleute (hinten links) arbeiten zusammen in der Tagesstätte der Pro Infirmis.

Agnes Portmann-Leupi

Zirkusakrobat, Clown, Jongleur, Feuerspucker, Zauberer, Perkussionist oder sogar Zirkusdirektor: Während einer Woche verwandeln sich zwölf behinderte Erwachsene der Tagesstätte Pro Infirmis sowie die Schüler einer fünften und von zwei achten Klassen aus Gerlafingen, in Artisten des Theaterzirkus «Wunderplunder».

Ausschlag für dieses Gemeinsame ist das 30-Jahr-Jubiläum der Tagesstätte. «Unser Wunsch war es, Begegnungen mit Schülern zu schaffen», sagt Daniel Reinhart, Leiter der Tagesstätte. «Wir möchten den behinderten Menschen ein Erlebnis ermöglichen, in welchem sie spüren, dass sie noch etwas können.»

Für sie bedeute das, einmal im Rampenlicht zu stehen. Häufig kämen sie in die Tagesstätte mit der Ansicht, für nichts mehr fähig zu sein. Ziel sei es – auch in der täglichen Arbeit – zu zeigen, dass vielleicht nach einem Hirnschlag nicht mehr das Gleiche möglich sei, aber dafür andere Betätigungen.

Natürliche Integration

«Für die Oberstufe hat dieses Integrationsprojekt einen besonderen Reiz», sagt Andrea Maradan, Lehrerin einer achten Schulklasse. «Etliche meiner Schüler schnuppern auf der Lehrstellensuche in Richtung Betreuung und Gesundheit.» Die Jugendlichen könnten sich so einerseits kreativ einbringen und andererseits Verantwortung übernehmen.

Barbara Schwarz, Lehrerin der fünften Klasse, hat im Unterricht das Buch «Vorstadtkrokodile» gelesen, das sich um die Integration des querschnittgelähmten Kurt dreht. Daher habe sie die Gelegenheit zum Mitmachen wahrgenommen. Die Schüler sähen so die Schranken der Menschen mit einer Behinderung. Beide Lehrpersonen freuen sich, dass die Integration natürlich passiert, weil alle ihren Vorlieben entsprechend mitmachen dürfen.

In den verschiedenen Gruppen im und ums Schulhaus wird rege diskutiert, ausprobiert, geübt, witzige Geschichten dargestellt – und dazu viel gelacht. Die Animatoren des Zirkus Wunderplunder ermutigen natürlich und sympathisch, die eingebrachten Ideen der Teilnehmenden umzusetzen. Am späteren Nachmittag treffen sich die Gruppen gemeinsam im Zelt. Geübt wird singend und tanzend fürs Finale am heutigen Freitag. Der Jubel und der riesige, eigene Applaus deuten zweifellos auf ein gutes Gelingen der Vorstellungen hin.

Vorstellungen im Zirkuszelt bei der Kreisschule der Oberstufe in Gerlafingen: Heute Freitag, 4. Juli, 14 und 19 Uhr.