Es riecht nach vergorenem Obst und verbranntem Holz auf dem Hof von Urs und Rosmarie Bader an der Habstangenstrasse in Mümliswil. Ausgesandt wird diese eigentümliche Duftnote von der seit rund drei Wochen auf dem Hof stationierten Schnapsbrennerei. Betrieben wird die mit zwei Kesseln bestückte Anlage von der Holderbanker Schnapsbrennerin Priska Schmid. «Die Maschine hat den Winter leider nicht unbeschadet überstanden, der Frost hat die Pumpe zerstört», meint sie mit einem Seitenblick auf ihr imposantes Arbeitsgerät.

Nun sei aber alles wieder im Schuss und für sie habe die Saison begonnen», sagt die 42-Jährige, während sie die aus Auslauftrichtern in Chromstahlkübel fliessende kristallklare Flüssigkeit aufmerksam beobachtet. 80 Prozent Alkoholgehalt zeigt ein darin platzierter Messstab an. «Die Zwetschgenmaische war von guter Qualität», meint die Schnapsbrennerin zu ihrem hochprozentigen Destillat. Dieses wird im Anschluss, je nach Kundenwunsch, wie Priska Schmid erwähnt, mit Wasser auf 42 bis 50 Alkoholprozente verdünnt. Über 50 Kunden haben ihre Maische bislang auf den Mümliswiler Hof gebracht. Und es dürfen noch viel mehr werden. Bis Ende April werde ich sicher noch hier sein», sagt Schmid mit Blick auf die unzähligen Fässer auf dem Areal des Bauernhofes.

Maische darf zünftig gären

Eine gute Maische – in unseren Breitengraden meist gegorenes Stein- und Kernobst – ist neben der Reife, der Qualität und der Sauberkeit der Früchte entscheidend für die Qualität der gebrannten Wasser. Die Beigabe von Gärhefe verstärke diesen erwünschten Prozess: «Die Maische darf ruhig etwas im eigenen Saft schwimmen.» Die gelieferten Mengen schwanken zwischen 15 und 150 Kilogramm, je nach Kunde. Diese bestehen zu 90 Prozent aus Privatleuten, Bauern würden immer seltener. Übrigens: Aus 100 Kilogramm Maische können in der Regel 10 bis 12 Liter Schnaps destilliert werden.

Für einen Liter reinen Alkohol müssen an die Eidgenössische Alkoholverwaltung 29 Franken abgeliefert werden. Viel Zeit zum Erklären hat die aus Malters stammende Schnapsbrennerin indes nicht. Im Halbstundentakt fahren Kunden auf, die Priska Schmid ihre in Kunststofffässer abgefüllten Früchte zur Weiterverarbeitung überlassen. Apfel und Zwetschgen machen die grosse Masse aus, gefolgt von Kirschen, Pflümli, Birnen und Quitten. Mit Quitten wird die lange Saison der Schnapsbrennerin abgeschlossen. «Ich bin von März bis Dezember unterwegs.» Mit ihrer Maschine, wie Priska Schmid ihre Brennerei nennt, ist die Schnapsbrennerin aus Holderbank an unzähligen Standorten im Thal und im Gäu sowie im Oberaargau anzutreffen. In Mümliswil wird sie noch bis Ende April bleiben, danach geht es weiter nach Oensingen».

Kein Alkohol bei der Arbeit

Sie sei aus Leidenschaft Schnapsbrennerin geworden, allerdings zum Leidwesen ihres Vaters, berichtet Priska Schmid. «Der hatte am Anfang gar keine Freude, zumal Schnapsbrenner in der Vergangenheit nicht gerade den besten Ruf hatten. Sie habe ihrem Vater aber auf seine gute Erziehung aufmerksam gemacht, die sie bei ihm genossen habe. Inzwischen ist Priska Schmid seit sieben Jahren als Schnapsbrennerin unterwegs und hat in dieser Zeit bei der Arbeit noch nie einen ihrer Schnäpse getrunken. «Dafür habe ich meine Nase.» Nach dem Feierabend genehmige sie sich allerdings schon mal ein feines Schnäpschen.

Ihre mobile Schnapsbrennerei mit Baujahr 1972 stammt übrigens aus dem deutschen Holstein. Zuletzt wurde sie von Armin Anderegg aus Oberbipp betrieben. Nach dessen Hinschied konnte Priska Schmid die Anlage käuflich erwerben und das von Anderegg betreute Gebiet übernehmen. Bereut habe sie diesen Schritt nie, wie sie rückblickend sagt: «Diese Arbeit und der Umgang mit den Leuten bedeutet für mich ein Stück Heimat, die ich nicht mehr missen möchte.»