Die schmalen Flure, die durch das Feld führen, die pralle Sonne und die Blätter der Maisstauden, die einem links und rechts über die Schultern streichen, während man sich zu seinem «Zimmer» begibt: Das hat alles etwas durchaus Exotisches. Markus und Brigitte Sutter freuen sich auf die Nacht. Das Paar aus Hessigkofen hat soeben im «Cornfield Openair-Hotel» eingecheckt, das von Erika Bader und Herbert Schluep in Nennigkofen betrieben wird.

Sutters sind nicht weit weg von zu Hause, aber im Maishotel geht es auch nicht um die Übernachtungsmöglichkeit an sich, sondern um das Erlebnis. Ein Erlebnis, das Markus Sutter von Freunden zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hat. «Wir sind Romantiker», erklärt er. Seine Frau ergänzt: «Wir sind gerne draussen und schauen uns die Sterne an.»

Grösser als zu Hause

Noch bis zum ersten September kann man auf dem Hof des Nennigkofer Gemeindepräsidenten im Mais übernachten. Begonnen hat die Saison am 21. Juni. Und eine gute Saison sei's gewesen, sagt Herbert Schluep. Zumindest vom Wetter her. Was die Besucher anbelangt, so dürfte 2013 vergleichbar mit den Vorjahren sein. «Wir haben jeweils zwischen 900 und 1000 Gäste pro Jahr», sagt er.

An Wochenenden sei das Hotel, das mit 20 grosszügigen Betten Platz für 40 Erwachsene und das eine oder andere Kind bietet, meist ausgebucht. Durch die Woche seien gewöhnlich nur etwa drei bis sechs Betten belegt. Die allermeisten Besucher bleiben bloss für eine Nacht. Dabei dürften die schlafbaren Untersätze weitaus grösser sein, als das, was manch einer als Bett zu Hause stehen hat: 2 mal 2,2 Meter gross sind sie, zusammengebaut aus jeweils acht Strohballen.

Natürlich lässt sich so ein Bett im Maisfeld nicht ganz ohne Aufwand betreiben. Während der Saison stellen Herbert Schluep und Ehefrau Erika Bader jemanden ein, der für die Küche zuständig ist. Schliesslich muss das Zmorge für die Gäste vorbereitet werden - und hin und wieder organisieren die Maishotel-Betreiber auch ein Abendessen für Gäste und Dorfbewohner (siehe Kasten).

Ein Zimmer mitten im Feld

Viel zu tun gibt's ausserdem vor und nach der Saison: «Wir brauchen je zwei Wochen, um alles auf- und wieder abzubauen», erzählt Schluep. «Das Ganze ist ziemlich arbeitsintensiv.» Denn man muss «Zimmer» im Feld schaffen, den Boden präparieren, Betten, Zelte und Moskitonetze aufstellen - und zwar sturmfest. Ach ja, und dies eben «alles mal 20», wie Schluep anfügt.

Brigitte und Markus Sutter sind in ihrem Bett im «Cornfield» aufgewacht. Und sind begeistert. «Wenn man draussen schläft, hört man so viele Geräusche und riecht ganz viele Aromen», sagt er. Der leichte Regen, der in der Nacht fiel, habe das noch verstärkt. «Es war sehr speziell.» Und als Leckerbissen gab's noch einen schönen Sonnaufgang über dem Maisfeld.