Seit April 2010 läuft auf dem Areal Schnepfenmatte eine grosse Altlastensanierung. Wer sich rund um das Gebäude umsieht, bemerkt davon allerdings nichts. Die Sanierung wird mit einer Technik ausgeführt, die in Fachkreisen «Grundwasserentnahme mittels Wellpoints» heisst. An 28 Stellen wurden Schächte angelegt. Sie sind nicht sehr tief, gegen eineinhalb Meter, mit einem Durchmesser von zirka einem Meter.

Vom Schachtboden aus wurden dann je drei Sanierungsfilter (Wellpoints) in drei bis acht Meter Tiefe in den Boden getrieben. Die Wellpoints sind mittels Schläuchen mit einer zentralen Pump- und Reinigungsanlage verbunden. Diese wiederum konnte innerhalb eines Gebäudes erstellt werden. Für Spaziergänger ist die Anlage nicht zu sehen, nicht zu hören, nicht zu riechen.

Arbeiten sind heikel

Die Arbeiten in der Schnepfenmatte sind heikel. «Wir pumpen das Wasser nur in homöopathischen Dosen von rund sechs Litern pro Minute ab», meinte Martin Brehmer (Leiter Abteilung Boden, Amt für Umwelt). Die Böden sind an dieser Stelle extrem setzungsempfindlich. Würde zu viel Wasser gleichzeitig – und am selben Ort – abgesaugt, könnte es zu Setzungen kommen. Erhebliche Schäden an den bestehenden Gebäuden in der Umgebung wären unweigerlich die Folge. «Wir haben aus diesem Grund auch aufwändige Rissprotokolle erstellt, bevor wir mit der Sanierung angefangen haben.» Zusätzlich wurde eine Versicherung abgeschlossen.

Das Grundwasser wird abgepumpt und dann in eine Reinigungsanlage geführt. Die gesamte Anlage hat in einem Container von drei auf sechs Metern Platz. In einer geschlossenen Tonne wird das Wasser mit einer Art grossen Besen gewaschen. Die chlorierten Kohlenwasserstoffe (CKW) sind leicht flüchtig. «Durch das Herumwirbeln in der Tonne verdampfen sie aus dem Wasser und gelangen in die Luft. Die schadstoffbelastete Luft wird dann durch einen Aktivkohlefilter gereinigt. In diesem bleiben die Schadstoffe dann endgültig hängen», erklärt Hans-Peter Kleiber (wissenschaftlicher Mitarbeiter Fachstelle belastetet Standorte). Das vorgereinigte Wasser wird danach nochmals über einen speziellen Aktivkohle- und Sandfilter gelassen und wieder in den Boden versickert. Die Luft bleibt in diesem geschlossenen Kreislauf.

Mehrere Sanierungen laufen

«Dieses Vorgehen hat mehrere Vorteile», so Kleiber. Die Luftfilter seien einfach zu wechseln, als die Wasserfilter. Zudem ermögliche diese Technik es auch, den Reinigungserfolg auf eine einfache Art und Weise zu messen. Die Aktivkohlefilter können schliesslich in einer normalen Kehrichtverbrennungsanlage entsorgt werden. Die Bauteile der Anlage in der Schnepfenmatt sind alle auf dem Markt erhältlich. «Speziell ist allerdings, wie wir sie zusammengesetzt haben, damit die Geräte genau auf unsere Bedürfnisse ausgerichtet funktionieren», meint Brehmer.

Sanierungen wegen hohen CKW-Konzentrationen sind allerdings keine Seltenheit. Im Kanton Solothurn laufen zurzeit mehrere Sanierungen, die allerdings weniger aufwändig sind als diejenige in Zuchwil.

Wegen des unstabilen Untergrundes und der Setzungsgefahr wurde das ganze Gebäude, in dem auch das Kino Canva ist, mit Neigungsmessgeräten ausgestattet. «Damit ist es jederzeit möglich, online jede kleinste Neigung zu beobachten», erklärt Kleiber. Zusätzlich wurde an 17 weiteren Orten Messbolzen eingesetzt, um mit Präzisionsnivellements allfällige Setzungen feststellen zu können. Parallel dazu wird auch der Grundwasserspiegel rund um die Uhr überwacht.

Versuchsphase am Anfang

Seit rund neun Monaten läuft die Reinigungsanlage permanent. Vorher mussten gewisse Kinderkrankheiten ausgemerzt werden. Klar ist auch, dass wie vermutet in der nordöstlichen Gebäudeecke die höchsten Konzentrationen an CKW vorhanden sind. Die Altlastenverordnung spricht von Grenzwerten von 20 Mikrogramm Perchlorethylen pro Liter Wasser, die zulässig sind. Gemessen wurden hier 40000 Mikrogramm.

«Bisher wurden rund 100 Kilogramm aus dem Boden gefiltert», meint Brehmer. «Wir werden sicher nicht das letzte Gramm herausholen können.» Das Ziel sei es, die Belastung so zu minimieren, dass die Grenzwerte eingehalten würden.

Unklar ist, wie lange die Sanierung dauert. Brehmer und Kleiber rechnen mit einer Zeitspanne von fünf bis acht Jahren.