«Es wird (...) zur Kenntnis und Anzeige gebracht, dass das Gehänge und die Klemmen von den Fahrmitteln getrennt worden sind und damit ihrer Verfügung zuwider gehandelt wird.» So der Wortlaut im Schreiben vom 22. November von Rechtsanwältin Gabriella Flückiger an das Bundesamt für Verkehr (BAV).

Demnach soll die Seilbahn Weissenstein AG (SWAG) gegen das Entfernungsverbot der alten Bahn verstossen haben (wir berichteten). Dieses Verbot hatte das BAV im November 2010 als Zwischenverfügung im laufenden Baubewilligungsverfahren für den 6er-Gondelbahn-Neubau erlassen. Mit der Verfügung soll verhindert werden, dass Anlageteile weder veräussert noch zerstört werden.
Anzeige im Auftrag von Pro Sesseli

«Durchaus nachvollziehbar»

Tatsächlich hat die SWAG alle Gehänge und Klemmen von den Sässeli trennen lassen, um diese zentral in der Talstation lagern zu können. Dazu wurden je ein Splint und ein Bolzen entfernt, was Fotos belegen. Nach weiteren Stellungnahmen der Parteien kommt das BAV nun zum Schluss: Die Beweggründe für das Vorgehen der SWAG «sind durchaus nachvollziehbar und entsprechen einer fachmännischen und sorgfältigen Lagerung». Und: «Durch die gewählte Lagerung wird vielmehr für den besseren Erhalt der Teile gesorgt. Es wurden weder Teile veräussert noch beschädigt oder gar zerstört.» Daraus folgt: «Die vorliegende Demontage widerspricht in keiner Weise der Zielsetzung des Entfernungsverbots.»

Aus dem Schreiben des BAV vom 16. Januar geht auch hervor: Die Anzeige erfolgte im Auftrag des Vereins Pro Sesseli. Laut Auskunft von Anwältin Flückiger gegenüber dem BAV «habe ein Mitglied des genannten Vereins zufällig bei der Talstation die Entfernung festgestellt».

«Nebenbemerkung» des BAV

Pro Sesseli kämpft zusammen mit dem Schweizerischen Heimatschutz für den Erhalt der alten Bahn. Flückiger wiederum hat den Heimatschutz in dieser Angelegenheit nach Angaben der SWAG auch schon vertreten.
Die Anzeige ist in den Augen der Seilbahn-Verantwortlichen ein «weiteres Sesselscharmützel und Verfahrensstörmanöver». Sie warten weiter auf die Baubewilligung für die 6er-Gondelbahn - ein Entscheid des BAV, der in den nächsten Wochen zu erwarten ist. Interessant ist übrigens angesichts des erbitterten Kampfes um die alte Bahn eine kleine «Nebenbemerkung» des BAV in seinem Entscheid zur Anzeige.

Für die SWAG ist klar, dass sich besagtes Pro-Sesseli-Mitglied illegalerweise Zutritt zur Talstation verschafft haben muss, um die vom Gehänge getrennten Sässli überhaupt sehen zu können. Dazu das BAV: «Es bleibt der SWAG überlassen, gegen die anzeigende Person des erwähnten Vereins bzw. gegen Unbekannt (...) rechtliche Schritte zu unternehmen.» Klingt wie ein Aufruf ... Nur: Was bringts?