Workshop
Rüttener hilft Teilnehmern mit «Landart» sich selbst zu finden

Der Rüttener Künstler Ulrich Studer leitet seit sieben Jahren den Kurs «Landart» beim Aarauer Radiosender Kanal K. Die Kursteilnehmer werden in die Natur entführt, um dort ihre Sinne für die Landschaft zu schärfen. Mit grossem Erfolg.

Mattias Ruchti
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Das Aufschreiben der Begriffe ist kein leichtes Unterfangen
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Die Begriffe sollten nicht zu banal sein.
Martin Iseli (links) und Ulrich Studer liessen es sich nicht nehmen, gleich selber am Projekt teilzunehmen.
«Landart» - Kurs beim Radio Kanal K
Die Teilnehmenden laufen eine zufällige Route ab, um daraus eine Kurzgeschichte zu machen
Am zweiten Kurstag ging es in die Gipsgrube Kienberg
Am zweiten Kurstag ging es in die Gipsgrube Kienberg

Das Aufschreiben der Begriffe ist kein leichtes Unterfangen

Mattias Ruchti

«Die Landschaft hat einen grossen Einfluss auf einen selbst.» Der Landschaftskünstler Ueli Studer blickt in die Runde. Die Kursteilnehmer hören konzentriert seinen Ausführungen zu. Der Aargauer Musiksender Kanal K bietet im Rahmen des Einsatzprogramms «stage-on-air» Kurse für Erwerbslose an. Diese sollen durch das Programm die Möglichkeit erhalten, sich im Radiobereich weiterzubilden.

Wie jedes Jahr findet heuer auch Studers Kurs «Landart» statt. Der Rüttener Künstler führt die Teilnehmer in «seine Sparte» der Kunst ein. Die Kunstform «Landart» sei eigentlich aus einer Protestbewegung heraus entstanden. Künstler begannen, sich gegen die Kommerzialisierung der Kunst zur Wehr zu setzen und kreierten originelle Kunstwerke in und mit der Landschaft.

Man begann, überdimensionale Kreise in die Wüste zu zeichnen oder Küstenabschnitte mit Plastik abzudecken. Studer weiss an diesem Morgen viel Spannendes und Informatives zu erzählen. So erfährt man beispielsweise auch, dass die Wortherkunft von Aarau aus «Aar» für den Fluss und «Au» für die frühere Auenlandschaft stammt.

Kein einfaches Unterfangen

Und dann ist es so weit: Nach einem gemeinsamen Klangexperiment im Zimmer und Filmdokumentationen zu Studers Werken «Vocis Terra» und «Vini Terra» geht es hinaus in die Natur. Die Truppe macht sich auf an die Aare. Dort angekommen soll jeder Teilnehmer fünf Begriffe auf einen orangefarbenen Zettel schreiben. Die Begriffe sollten «nicht zu gesucht» aber auch «nicht zu banal» sein, erklärt Studer. Ein nicht ganz so einfaches Unterfangen, wie sich zeigt. Zeit soll dabei keine Rolle spielen.

Nach ungefähr einer halben Stunde hat jeder der Teilnehmenden fünf Begriffe notiert. Nun werden die Zettel an Bäume im Wald geheftet - ein seltsames Bild ergibt sich. Anschliessend sollen die Teilnehmer eine zufällige Route durch das Waldstück absolvieren. Jedes Wort, auf welches sie stossen, wird später Teil einer erfundenen Kurzgeschichte sein. Studer erstellt mit Absperrband noch einige künstliche Barrieren zwischen den Bäumen. «So sind alle gezwungen bewusste Entscheidungen zu treffen. Sie müssen entscheiden: gehe ich jetzt links oder rechts», erklärt er.

Los geht es und alle laufen von Baum zu Baum, an jedem steht ein anderes Wort. Die Teilnehmenden lassen ihrer Kreativität freien Lauf und werden zu Autoren verschiedenster Geschichten. Dabei kommen auch die Lachmuskeln nicht zu kurz. Manch einer der Teilnehmenden beweist seinen Sinn für Humor.

«Sich selbst in der Natur finden»

Bei Ueli Studer wird schnell klar: Er liebt seine Arbeit. «Es ist sehr spannend zu beobachten, wie die Leute sich mit der Zeit alle dafür zu interessieren beginnen», sagt er «Dieser Kurs soll auch dazu beitragen, dass man sich selber findet, in der Natur sich bewusst wird.» Als einige der wenigen «Landart»- Künstler in der Schweiz gelang es ihm in den letzten Jahren, sich einen Namen in dieser Kunstsparte zu machen. Mittlerweile lebt er davon.

Martin Iseli, Geschäftsführer und Coach der Stagiaires, ist begeistert: «Ulrich Studer macht das exzellent. Man erlebt dabei immer wieder Neues, erfährt andere Sichtweisen. Dies ist ja eines unserer Ziele als Ausbildungsradio.» Er selbst habe sich auch schon dabei ertappt, als er bei einem der vorherigen Landart-Kurse in der Gipsgrube Kienberg stundenlang mit dem Hammer verschiedene Reliefs zu erschaffen versuchte. Es sei ein wenig wie das «Sändele». Man entdecke dieses Spielerische aus der Kindheit wieder. «Ich finde auch den Effekt, den dieser Kurs erzeugt, super. Vorher denkt man sich, was das soll, und im Nachhinein ist man von der Sache begeistert», so Iseli.

Auch Florian, Absolvent des Stagiaire-Programms, ist sehr fasziniert vom Kurs: «Man ist draussen in der Natur. Das gesamte Projekt ist eigentlich etwas sehr Interessantes. Ich überlege mir vielleicht etwas in diese Richtung zu machen.» Beeindruckt ist auch Stagiarie Yves: «Im Vorfeld wusste ich eigentlich nicht, was mich erwartete, doch dieses Gestalten in der Landschaft fasziniert mich sehr.»