Die Schliessung der 1881 gegründeten Zellulosefabrik und die Entlassung von über 400 Angestellten im Winter 2008 können zwar nicht rückgängig gemacht werden. Aber immerhin heisst die Fabrik, oder was davon noch übrig ist, seit Anfang Jahr nicht mehr Borregaard Schweiz AG, sondern Attisholz Infra AG. Damit verbunden ist die Rückkehr zu den Wurzeln des traditionsreichen Unternehmens.

Die Namensänderung habe sich aufgedrängt, weil sich der norwegische Konzern Orkla vom Zellstoffhersteller Borregaard trennen will, erläutert Lothar Kind, Geschäftsführer der Attisholz Infra AG. Orkla werde sich aus strategischen Gründen auf die Herstellung von Konsumgütern konzentrieren und sich aus den übrigen industriellen Tätigkeiten zurückziehen. Entweder werde die Tochter Borregaard verkauft oder organisatorisch ausgegliedert. Um einen Verkauf nicht zu erschweren, werde die stillgelegte Fabrik in Luterbach/Riedholz abgetrennt. Sie verbleibe aber im Eigentum des Orkla-Konzerns.

Käufer aus Europa bis Indien

Auch die Hauptaufgabe von Kind und seinem fünfköpfigen Team ändert nicht: der Verkauf der Anlagen und der Einrichtungen. Dieser sei mithilfe eines professionellen Verkäufers von Secondhand-Anlagen zu Beginn gut angelaufen und einige grössere Anlagen hätten verkauft erden können. Ebenso gefragt seien Einzelpositionen wie Motoren, Ventile oder Pumpen. Die Teile würden innerhalb von Europa bis hin nach Indien oder Pakistan abgesetzt. Dagegen sei der Verkauf von älteren und ganz alten Grossanlagen, zum Beispiel zwei Entwässerungsanlagen für die Trocknung der Zellulose oder die Bleichtürme, ins Stocken geraten.

Dafür sei die wirtschaftlich schwierige Lage in der Zellstoff- und Papierindustrie verantwortlich. Nach der Schliessung von mehreren Fabriken weltweit sei ein Überangebot entstanden. Oder der Verkauf scheitere aus logistischen Gründen. So etwa müssten die Zellstoffkocher, weil zu gross, für den Transport in Einzelteile zerlegt werden, was den Erwerb für potenzielle Käufer wirtschaftlich uninteressant mache. «Wir müssen uns gedanklich damit auseinandersetzen, dass einige Anlagen verschrottet werden müssen.» Nach dem Verkauf einer grossen Fläche auf dem Südareal an den Kanton Solothurn liege der Hauptbesitz von Orkla auf der stark bebauten Nordseite. Dort habe man – was möglich ist – weitgehend vermieten können. Auch das südlich der Aare gelegene Areal sei relativ gut vermietet.

Offene Fabriktore Ende Januar

Was mit dem riesigen Industrieareal insgesamt dereinst passieren wird, ist noch offen. Die Ergebnisse der vor Jahresfrist gestarteten Testplanung mit vier Planungsteams werden am 27. Januar präsentiert, wie Kind erklärt. Die erarbeiteten Nutzungsideen bezeichnet er als «spannend und interessant». Am darauffolgenden Wochenende werde das Fabrikareal dann für das breite Publikum geöffnet, damit es sich über den Istzustand und die Visionen informieren könne.