Regionalplanung
Roger Siegenthaler: «Ich höre zu – dann packe ich an»

Roger Siegenthaler ist neuer Präsident der Repla Espace Solothurn. Im Interview mit der az Solothurner Zeitung spricht er über seine Wahl zum Präsidenten und über seine Ziele.

Christof Ramser
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«Mit allen am Tisch»: Roger Siegenthaler sieht sich als Macher.

«Mit allen am Tisch»: Roger Siegenthaler sieht sich als Macher.

alois winiger

Sie wurden am Freitag von den Delegierten gewählt, doch der Repla-Vorstand wollte einen anderen Präsidenten. Eine Belastung für Ihren Start?

Roger Siegenthaler: Solange ich weiss, wie gross diese Belastung ist, kann ich damit umgehen. Ich kenne die Personen im Vorstand, es sind meist Gemeindepräsidenten und somit Berufskollegen. Ich bin überzeugt, dass wir sofort zum Tagesgeschäft übergehen können.

Für viele kam Ihre Wahl überraschend. Haben Sie im Vorfeld stark geweibelt?

Überhaupt nicht. Im Gegenteil: Ich wurde sogar aktiv angefragt, mich zur Verfügung zu stellen. Es gab Personen, die meine Unterstützung organisiert haben. Überrascht bin ich besonders über den Support der Delegierten aus dem östlichen Repla-Gebiet. Aber auch im Leberberg, im südlichen Wasseramt und natürlich im Bucheggberg wurde ich unterstützt. Für einige Vorstandsmitglieder war es wohl nicht ganz einfach war, gegen mich zu stimmen. Ich hoffe nicht, dass das gegen mich persönlich gerichtet war.

Was gab den Ausschlag für die Wahl?

Matchentscheidend war, dass es eine geheime Abstimmung gab. So wurde nichts blockiert, und die Delegierten wählten für die Sache. Das ist gut so.

Haben sie vor allem Support aus den ländlichen Gemeinden erhalten?

Nein, es hatte auch grosse Gemeinden darunter. Das hat wohl den Unterschied gemacht. Andererseits gab es Delegierte aus ländlichen Gemeinden, die mich nicht gewählt haben. Auch aus dem Bucheggberg habe ich nicht alle Stimmen erhalten.

Der Repla-Vorstand spricht sich für die Schaffung von regionalen Trägerschaften aus. Sie sind dagegen. Ein Dilemma für Sie?

Ich bin nicht prinzipiell gegen Trägerschaften. Aber ich bin dagegen, dass grosse Gemeinden über Kleine bestimmen. Falls die Regionalkonferenzen gegründet werden, brauchen wir Mechanismen, damit etwa auch ein Gemeinderat aus Lüterkofen noch mitreden kann. Es soll keine Classe politique geben, die eigenmächtig bestimmt, und die kleinen Gemeinden können dann nur noch davon Kenntnis nehmen. Das entspricht nicht meinem Verständnis von Demokratie.

Aber wie soll die Regionalplanung gestärkt werden, wenn sie nicht weitergehende Kompetenzen erhält?

Die Repla ist ein Werkzeug, mit dem man durchaus Projekte realisieren kann. Man muss aber mit den Leuten an den Tisch sitzen und ihre Anliegen anhören. So können wir tragfähige Mehrheiten finden und Projekte umsetzen, auch wenn die gesetzlichen Grundlagen fehlen. Der Weg ist zwar länger und mühsamer, dafür ist ein Beschluss besser abgestützt. Mehr Kompetenzen zu haben heisst nicht zwingend, das Richtige zu machen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Als es im Bucheggberg um die Standortfrage der neuen Schulhäuser ging, konnte sich jede Gemeinde dazu äussern. Der Entscheid der Gemeindeversammlungen wurde an die Ammännerkonferenz weitergeleitet. Dann wurde umgesetzt. So soll es auch bei der Repla sein: Jede Gemeine soll Ja oder Nein sagen können.

Mit den Fraktionen der Gemeindepräsidenten-Konferenzen wäre dies bei den Regionalkonferenzen doch auch gewährleistet.

Ein Gemeindepräsident hat nicht immer die gleiche Meinung wie seine Ratskollegen. Da besteht die Gefahr, dass diese «unbequemen» Kollegen in einer Trägerschaft ausgeblendet werden. Die Basisdemokratie würde so ausgehebelt. Wenn zum Beispiel Solothurn und Zuchwil diese Trägerschaft wollen, müssen sie eben fusionieren. Fusionen sind der bessere Weg und gewährleisten, dass die Werkzeuge der Mitbestimmung erhalten bleiben.

Was packen Sie als Repla-Präsident nun als Erstes an?

Zuerst will ich eine Auslegeordnung vornehmen. Dann will ich mich auf drei Projekte fokussieren, und zwar in Absprache mit den Gemeinden. Wir müssen im Auftrag der Region arbeiten. Das ist eine meiner Stärken. Ich kann zuhören, dann aber einen Entscheid im Sinne der Mehrheiten fällen. Auch wenn man einige damit verärgert. Wichtig ist mir die Kommunikation. Der Ton macht die Musik. Das weiss ich als Blasmusik-Dirigent.

Ein konkretes Projekt?

Ich will der Energiefrage mehr Gewicht verleihen. Dazu könnte ein regionales Energiekonzept geschaffen werden. Mit der Fernwärme und der Stromproduktion aus der Kebag, wo ich im Verwaltungsrat bin, mit Flusskraftwerken oder mit Solarkraft ist viel Potenzial vorhanden.

Wie sieht es mit den Agglomerationsprogrammen aus, die der Bund finanziell stark unterstützt?

Da bin ich noch zu wenig tief in der Materie. Ich will zuerst hören, wie die Vorstandskollegen dies weiterführen wollen.

Wie vertreten Sie die Anliegen der grossen Gemeinden und der Stadt? Stichwort Zentrumslasten?

Der frühere Repla-Präsident Peter Vitelli hat es fertiggebracht, dass sich alle Gemeinden an den städtischen Kulturinstitutionen beteiligen. Das soll so bleiben. Aber es ist klar, dass dies nicht Allen gefällt. Darum wäre es noch besser, wenn die Gemeinden mehr Mitspracherecht haben.

Sie werden nun Chef der Regiomech. Haben Sie den Antrittsbesuch bereits gemacht?

Das mache ich am Mittwoch. Aber auch diese Aufgabe werde ich zusammen mit dem Personal meistern. Ich arbeite in der Wirtschaft, und in der Regiomech arbeiten gute Leute.

Ihr Vorgänger hat sich stark für den Langsamverkehr eingesetzt. Sieht man Sie jetzt öfter auf dem Velo?

Ich habe mir letztes Jahr ein Elektrovelo gekauft. Ich fahre sehr gerne damit und bin in den vergangenen Wochen damit mehr Kilometer gefahren als in den letzten zehn Jahren. Langsamverkehr und die regionale Verkehrsplanung bleiben wichtige Themen. Andererseits ist für mich auch klar, dass man den Verkehr nicht verhindert, in dem man keine Strassen mehr baut.