Zuchwil
Roger Köppel in Zuchwil: «Ich bin ein zunehmend besorgter Bürger»

Roger Köppel, der umstrittene Chefredaktor der «Weltwoche», warnt am Donnerstagabend bei seinem Vortrag an einem Anlass der SVP Zuchwil vor dem Verlust der Volkssouveränität.

Beatrice Kaufmann
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Silvio Auderset, Präsident der SVP Zuchwil, und Roger Köppel
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Thema seines Vortrages: Die Volkssouveränität, die durch fremde Rechte und machthungrige Politiker sukzessive untergraben werde.
Roger Köppel in Zuchwil

Silvio Auderset, Präsident der SVP Zuchwil, und Roger Köppel

Beatrice Kaufmann

Schon die Parkplatzsituation kündet an, was den Besucher der SVP-Veranstaltung im Restaurant Noldy's erwartet: Der Saal im ersten Stock ist voll. Zwischen Fahnen der Blasmusik und Pokalen des Turnvereins sind viele Tische zusammengestellt. Die Mehrheit der Anwesenden stellen Herren im Rentenalter, dazwischen finden sich einige wenige Damen und vereinzelt jüngere Menschen. Das Servicepersonal flitzt zwischen den Tischen umher, um alle Neuankömmlinge mit Getränken zu versorgen.

Pünktlich um 19.30 Uhr tritt Silvio Auderset, Präsident der SVP Zuchwil, nach vorne und kündet den Mann des Abends an: Roger Köppel, Chefredaktor und Verleger der «Weltwoche» und damit der «einzig richtigen Publikation in diesem Land». Das Blatt sei staatsskeptisch und stehe politisch für eine unabhängige und demokratische Schweiz ein, so Auderset.

«Die Schweiz schafft sich ab»

Die ersten zehn Minuten von Köppels Vortrag gestalten sich als akustische Herausforderung. Zumindest direkt neben der Türe, die zu Beginn noch offen steht, damit das Servicepersonal ungehindert zwischen Saal und Küche pendeln kann. Die Message des Journalisten und «zunehmend besorgten Bürgers» dringt dennoch deutlich zu allen vor: «Die Schweiz schafft sich ab».

Der Mann in den Vierzigern erweist sich als geübter Redner, der eine klare Sprache spricht. Das Thema seines Vortrags passt zudem zur Linie der Partei, die die Veranstaltung organisiert hat: die Volkssouveränität, die durch fremde Rechte und machthungrige Politiker sukzessive untergraben werde. «Die zentrale Idee der Schweiz ist die Volkssouveränität. Wir, das Volk, legen die Gesetze fest.» Das Prinzip sei ein bewährtes und die Geschichte habe gezeigt: «Die Bürger waren in historischen Situationen oft schlauer als ihre Führer. Sie haben sehr klug und ausgewogen abgestimmt.»

Diese direkte Demokratie - «die Staatsform des institutionalisierten Misstrauens des Bürgers gegenüber der Obrigkeit» - sei latent bedroht, wie Köppel an aktuellen Beispielen zu untermauern sucht. Da wären etwa die Ausschaffungs- und die Durchsetzungsinitiative der SVP, die derzeit Schlagzeilen machen. Dass das Bundesgericht 2012 entschieden hat, dass die Menschenrechtskonvention Vorrang vor der Bundesverfassung habe, sei ein «stiller Staatsstreich» gewesen, in dessen Rahmen Bürger und Parlament abgesetzt worden seien.

Verschmelzung mit EU kein Thema

Die grösste Entmachtung drohe dem Stimmbürger denn auch vor allem durch die EU. Denn diese wolle die Schweiz den gesetzgeberischen Automatismen Brüssels unterordnen. «Wir sind nicht in unserem eigenen Planetensystem. Aber die Schweizer haben immer wieder gezeigt, dass sie selbst über sich bestimmen können.»

Ein Verschmelzen mit der EU sei kein Thema. Davon, dass Schweizer in den Gremien der EU Einfluss auf die Gesetzgebung nehmen sollen, will Köppel nichts wissen. «Es gibt nichts Gefährlicheres als einen Schweizer Politiker in einem ausländischen Gremium.» Damit werde nicht die Macht des Schweizer Volkes gestärkt, sondern jene derer, die unter der direkten Demokratie leiden, sprich der Parlamentarier und der Behörden. Das Fazit, das Köppel am Schluss zieht, lautet denn auch: «Es ist wichtig, genau hinzuschauen.»

Autogrammwünsche statt Kritik

Einigen Anwesenden ist ihre Begeisterung bereits während Köppels Rede deutlich anzusehen. Die einen filmen die Rede ausdauernd mit ihren Digitalkameras, von anderen ist nach prägnanten Aussagen des Redners heftig zustimmendes Nicken oder leises Klatschen zu vernehmen. Die allgemeine Zustimmung entlädt sich nach Köppels abschliessenden Worten in lautem Beifall. Kritik erntet der polarisierende Journalist keine, dafür umso grösseres Lob. «Sie haben so hervorragend gesprochen, wie Sie die ‹Weltwoche› schreiben», findet etwa ein FDP-Vertreter.

Und nach der Veranstaltung zeigt sich, dass Köppel bei Einzelnen sogar den Eindruck eines Popstars hinterlassen hat. So schnappt sich ein Jugendlicher die neuste Ausgabe der «Weltwoche» und den Kugelschreiber der anwesenden Journalistin, um sich ein Autogramm seines Idols zu holen.