Niederbuchsiten
Roger Federer sorgt für Ausnahmezustand in Niederbuchsiten

Roger Federer versetzt das 958 Seelen-Dorf Niederbuchsiten in den Ausnahmezustand. Der weltbeste Tennisspieler lockte mehr als 10000 Fans in die Solothurner Gemeinde.

Daniel Weissenbrunner
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Roger Federer sorgte für Ausnahmezustand in Niederbuchsiten
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Mehr als 10000 Fans kamen nach Niederbuchsiten.
Den Tennis-Idol für einmal ganz nah sein.
Die Weltnummer 1 verteilt Tennisbälle.
Ein Bild des grossen Idols.
Roger der Gabelstapelfahrer.
Der beste Tennisspieler der Welt im Interview.
az-Sportredaktor Mic Wehrle und Josef Scherrer übergeben Roger Federer den 10000 Franken-Check der Big-Ben-Auktion.

Roger Federer sorgte für Ausnahmezustand in Niederbuchsiten

André Albrecht

Ein Dorf im Ausnahmezustand. Kreischende Kinder, fotografierende Mütter, Väter, die ihre Jüngsten geduldig auf den Schultern tragen. Knapp 1000 Einwohner zählt die Gemeinde im Bezirk Gäu. Rund die zehnfache Anzahl Menschen versammelte sich gestern auf dem Firmengelände des Kaffeemaschinenherstellers Jura. Damit stellte Federer auch in diesem Bereich einen, wenn auch inoffiziellen, Rekord auf.

Vergleiche sind dennoch angebracht: Beim Empfang der Olympiasieger Marie-Theres Nadig und Bernhard Russi am 3. Februar 1972 in Flums fanden sich in der 5000- Seelengemeinde 10 000 Leute ein. Die Rolling Stones mobilisierten im April 1967 bei ihrer Ankunft am Flughafen-Zürich nur einen Bruchteil.

Roger Federer der Gabelstapelfahrer

Roger Federer setzte in Niederbuchsiten nicht für Schweizer Verhältnisse einmal mehr Massstäbe. Die 31-jährige Weltnummer 1 genoss das Bad in der Menge sichtlich, er versuchte sich als Gabelstapler und stellte im Talk mit Radiomann Bernhard Schär seinen Charme und seine Eloquenz unter Beweis. Nicht umsonst zählt Federer laut einer Studie, hinter Nelson Mandela, als zweitvertrauenswürdigste Person weltweit. Dem Gentleman auf der ATP-Tour sind solche Komplimente aber sichtlich peinlich.

Genau diese Art kommt bei den Fans an. Zurückhaltend, bescheiden. Auch gestern. Ob Jung oder Alt. Der 9-jährige Lenny Thommen aus Gerlafingen hat selber noch nie Tennis gespielt, er findet sein Idol aber einfach total cool. Zur gleichen Beurteilung kommt seine Schwester Nina (12), die sich für den Anlass extra hübsch gemacht hat. Die Grossmutter der beiden, Doris Pauli, schwärmt für Federer schon eine halbe Ewigkeit.

Eleganz, harte Arbeit, Streben nach Perfektion sind die Werte, die Roger Federer als Sportler verkörpert und ihn zum Erfolg führten. «Es sind exakt jene Qualitäten, die auch wir vertreten», sagt Jura-CEO Emanuel Probst. Entscheidender sei indes der Mensch Federer. Das habe seinerzeit den Ausschlag gegeben, als wir ihn Markenbotschafter verpflichteten. Die Mischung stimmt auch nach sechs Jahren der gemeinsamen Zusammenarbeit.

Prall gefüllte Agenda

Bei Familie Federer ist die Agenda vor den die Swiss Indoors prall gefüllt. Nicht nur jene von Roger, auch Vater Robert und Mutter Lynette haben in den vergangenen Tagen Termine wahrgenommen, um das Unternehmen Federer den Menschen zu erklären. Robert vorgestern im Kanton Aargau, Lynette gestern an der Uni Basel. Beide zum Thema Familienförderung im Sport. Robert Federer konnte sich ein Schmunzeln gestern nicht verkneifen, als Roger erklärte, wie er als 12-Jähriger Rackets aus Wut zertrümmerte. «Er hat aus Fehlern gelernt und offensichtlich die richtigen Schlüsse daraus gezogen.»