Bettlach

Rettung der Zähnteschür ist noch nicht definitiv

Der Zähnteschür-Verein könnte kaum engagierter arbeiten. Das Leben der Scheune steht heute ausser Frage, weniger gesichert ist jenes in ihr. Seit ihrer Ersterwähnung 1181 ist ihr manches widerfahren.

«Es sind nach wie vor gute Ideen für eine Nutzung der Zähnteschür willkommen» verrät Peter Gross eines der Motive für die öffentliche Einladung des Zähnteschür-Vereins vom Mittwochabend. Als Vereinspräsident lud er unter dem Motto: «Die bewegte Geschichte der Zähnteschür» zu einer Rückblende und zu einem Ausblick der Schür unter erschwerten, juristischen Bedingungen.

Neue Nutzungsmöglichkeiten

Das Leben der Scheune steht heute ausser Frage, weniger gesichert ist jenes in ihr. Mit Rücksicht auf die Einwohner müssen Abendveranstaltungen der geselligen Art aussen vor bleiben. Ihre Nutzung als Schauplatz eines Kleintheaters oder die Einrichtung einer Bibliothek kann sich Peter Gross gut vorstellen. Als Café könnte die Schür auch ein leicht erreichbarer Anziehungspunkt für das nahe Altersheim werden.

Dem Interesse eines beachtlichen Teils der angestammten Vereinsmitglieder war sich Gross an diesem Abend gewiss. Als Vertreter der neu angetretenen Generation hätte sich der Vereinspräsident auch über ein zahlreicheres Erscheinen neuer Gesichter gefreut. Peter Gross betont die Notwendigkeit einer selbsttragenden Lösung, wenn die Schür der Allgemeinheit zugänglich bleiben soll.

Hans-Rudolf Zubers Vortrag zur wechselvollen Vergangenheit der Schür sollte auch daran erinnern, welch geschichtsträchtige und bekannte Stätte sich hier Interessenten zum Schauplatz ihres Projekts anbietet. Seit ihrer Ersterwähnung 1181 ist ihr manches widerfahren, wie Zubers Vortrag schilderte.

Zwei alte Bettlacher

Dass nicht ein Träumer ist, wer Grosses erreichen will im Dorf, dafür legte Lehrer Zuber begeistert Zeugenschaft ab. Er kennt die Geschichte der Zähnteschür fast wie seine eigene Biografie. Diese stand seit Ende der 50er-Jahre im Dienst der Primarschule Bettlach, aber nicht ausschliesslich: «Am Lehrerseminar wurden wir erzogen, dass wir uns auch im sozialen und kulturellen Leben der Gemeinde engagieren müssen.» Zuber schilderte, wie das Dorf Ende der 60er-Jahre den Übergang vom Bauerndorf zum Industriestandort erlebte. Die Zukunft der Zähnteschür war nicht zum ersten Mal ungewiss, als in der Wirtschaftswunderzeit die «autogerechten Dörfer» realisiert werden sollten, und die Schür 1974 mitten im geplanten Verlauf einer neuen Strasse stand. Schon seit der Helvetik war die Zähnteschür ihrer namensgebenden Funktion, der Lagerung des Zehnten, enthoben.

«Die Französische Revolution hat mit dem Zehnten aufgeräumt», schilderte Zuber das Schicksal jener Abgabe an die Obrigkeit. 1803 hatte die Gemeinde die Schür dem Staat Solothurn für 400 Franken abgekauft, mit der Auflage, eine Schule und eine Wachstube einzurichten, doch die Bettlacher taten nichts, und so ging sie in private Hände über, bis sie 1974 dem Fortschritt im Weg stand.

Am Beispiel des Erreichten

Die 45 000 Franken Kaufpreis von 1977 stellten sich im Rückblick als einer der kleinsten Posten bei der bis zur 800 Jahrfeier Bettlachs 1981 renovierten Schür heraus. Einen unerwarteten Schatz barg der Boden unter der Schür: Beim Verlegen der Heizungsrohre ist man auf die Fragmente des «Pestkreuzes» gestossen, das heute wieder neben der Zehntenschür steht. Die Schilderung des Dorflehrers bekundet Zuversicht, gemahnt aber daran, jetzt an die Errungenschaften der Gründerväter des Vereins anzuknüpfen.

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