Mit dem St. Urse-Bistro schliesst nach dem «Bahnhof» erneut ein Restaurant im Dorf. Vergangene Woche bedienten Marianne und Roland Kunz-Lüthi an der «Austrinkete» ein letztes Mal ihre Gäste. «Es war megaschön. Diejenigen Gäste kamen, die uns schon immer besuchten», sagt die Wirtin und ihre Wehmut über die Schliessung ist zu spüren. Verständlich, ist sie doch mit ihren drei Brüdern in diesem Haus aufgewachsen. Ihre Eltern Hugo und Margrith Lüthi-Kummli kauften das Restaurant, das damals noch St. Urs und Viktor hiess, im Jahr 1959. Nebenbei führte ihr Vater die Zaunfabrik Lüthi.

Tochter Marianne wurde als einziges Mädchen – wie es damals eben üblich war – schon früh in den Betrieb einbezogen. Im Jahr 1981 übernahm sie mit ihrem Ehemann Roland Kunz das Restaurant. Der gebürtige Gerlafinger arbeitete zuvor als Briefträger in Subingen. Nur zwei Jahre danach baute das Wirtepaar ein Säli an und wenige Jahre später eine Wohnung und zwei Gästezimmer. Das Restaurant blieb stets ein Familienbetrieb, und es durfte auf langjährige, treue Aushilfen zählen.

Der Gesundheit zuliebe

«Das Restaurant glich einer grossen Stube, heimelig und familiär. Die Wirtsleute waren immer anwesend», erzählt ein langjähriger Stammgast. Das Preis-Leistungs-Verhältnis habe immer gestimmt. Marianne Kunz bediente die Gäste, Roland Kunz war fürs Kulinarische zuständig. «Kochen war schon immer mein Hobby», erzählt er. Mit seinem Vater, einem gelernten Koch, habe er jeweils «Sonntagsdienst» gehabt und dabei die Freude am Kochen entdeckt. Die Wirtin erzählt von vielen spontanen Festen, an welchen auch oft ebenso spontan musiziert wurde. Roland Kunz erwähnt, dass ihm die Gäste nicht selten ihre Sorgen und Nöte anvertraut hätten. Er gehörte zudem zu den Pionieren, die Party-Service anboten.

Schon vor einiger Zeit mussten die Wirtsleute aus gesundheitlichen Gründen die Öffnungszeiten des Restaurants an der Deitingenstrasse stark reduzieren. Nun ist die Schliessung definitiv, der Gesundheit zuliebe wollen die beiden das Gebäude verkaufen. Daraus werden vermutlich Wohnungen entstehen.

Tische und Stühle sind bereits verkauft und für ein Klubhaus vorgesehen. Noch warten auf den Tischen am frühen Morgen des Verkaufstages verschiedene Utensilien – Geschirr, Pfannen, Gläser, Glasschalen, «Ankehäfe», Vasen – darauf, erneut gebraucht zu werden.