Biber Travel
Reisebüro-«Berater» fiel schon mit Werbefahrten auf

Peter Weisskopf, der Reisebüro-«Berater» von Biber Travel, ist kein unbeschriebenes Blatt. Er fiel schweizweit mit umstrittenen Werbefahrten auf. Unter anderem wollte er den Kunden überteuerte Matratzen andrehen.

Franz Schaible
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Die Türen des Reisebüros Biber Travel bleiben vorläufig geschlossen – «aus Sicherheitsgründen».
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Die triste Botschaft des Reisebüros Biber Travel ist ein Tiefschlag für die Kunden.
Prospekt des Reisebüros.
Peter Weisskopf hat die billigen Reisen angeboten.
Biber Travel

Die Türen des Reisebüros Biber Travel bleiben vorläufig geschlossen – «aus Sicherheitsgründen».

Hanspeter Bärtschi

«Wir haben unsere Herbstferien abgeschrieben», sagt Leyla Kadric. Die 16-jährige Krienserin plante, zusammen mit ihrer Schwester und ihren Eltern eine Woche Urlaub auf Gran Canaria zu verbringen. Abflug am Sonntag, 7. Oktober. Das Reisearrangement haben sie vor den Sommerferien bei Biber Travel in Biberist telefonisch gebucht. Aufmerksam geworden sind sie durch einen offensichtlich breit gestreuten Prospekt des Reisebüros.

Kostenpunkt: unschlagbare 499 Franken pro Person, alles inklusive. Eigentlich hat die Familie diese Woche die Tickets und die Reiseunterlagen erwartet, die Reise hat sie bereits vor längerem bezahlt. Nun hat Leyla Kadric über die Medien erfahren, dass beim Reisebüro vorerst gar nichts mehr läuft. «Die Enttäuschung ist gross», sagt sie am Telefon. Sie erkundigte sich nach der Telefonnummer von Peter Weisskopf, dem «Berater» des Reisebüros. Sie wollen bei der Polizei Strafanzeige einreichen.

Bankkonten gesperrt

Damit steht die Familie Kadric nicht alleine da. Dutzende haben schon Strafanzeige eingereicht (wir berichteten).

Und was antwortet Peter Weisskopf den um die Ferienreise geprellten Kunden? Er könne keine Versprechungen machen. «Im Moment sind uns die Hände gebunden», meint er auf Anfrage - und verweist wiederholt auf die Kundengeld-Absicherungsgesellschaft TPA, welche die Garantien gegenüber Biber Travel zurückgezogen hat und auf das Verfahren der Staatsanwaltschaft. Er, der selber erklärt, er geniesse in der Branche keinen guten Ruf und die TPA habe deshalb die Garantien zurückgezogen.

Umstrittene Werbefahrten

Nun zeigen Recherchen der Solothurner Zeitung, woher der selbst eingestandene schlechte Ruf herrührt. 2009 sorgte die Intelligent Automation GmbH, kurz IAG, in der Deutschschweiz - auch im Raum Solothurn - für Aufregung. Die IAG schrieb wohl Tausende von Personen an mit dem Brieftitel «Sie sind ‹Stromkunde des Jahres› - Ehrenpreis 1100 Franken». Dahinter steckte nichts anderes als eine der berüchtigten Werbefahrten, im Falle der IAG um «einen wundervollen Tagesausflug auf dem Vierwaldstättersee». Der «Erfolg» dürfte nicht gewaltig gewesen sein, denn in zig Medien wurde vor den Gewinnversprechen gewarnt und die Konsumentenzeitschriften «Saldo» und «K-Tip» setzten die IAG auf ihre Warnlisten.

Überteuerte Matratzen

Geschäftsleiter und Mitbesitzer der IAG - laut Handelsregistereintrag tätig in der Softwareentwicklung - war Peter Weisskopf. Damals wies er die Verantwortung für das Lockvogelangebot «seinem Geschäftspartner» zu, allerdings ohne einen Namen zu nennen. Er habe nur seinen Firmennamen zur Verfügung gestellt, im Gegenzug dürfe er auf den Werbefahrten Reisen verkaufen, zitierte ihn damals die Zeitung «Der Landbote». Im Frühling 2011 wurde über die IAG der Konkurs verhängt.

Heute bestreitet der 64-jährige Weisskopf den Sachverhalt nicht, er sei aber über den Tisch gezogen worden. Weisskopf war aber in der «Branche» omnipräsent. So war er Teilhaber und/oder Geschäftsführer in mehreren Firmen, die heute nicht mehr existieren. Alle lockten Menschen an Werbeveranstaltungen, um beispielsweise überteuerte Matratzen zu verkaufen. «Peter Weisskopf hat in seiner beruflichen Laufbahn 2 Firmen (mit-)gegründet, mit 5 Firmen Konkurs angemeldet und 6 Firmen liquidiert», lautet die nüchterne Bilanz im Handelsregister.

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