Bellach
Rehe und Hasen nutzen Öko-Wiesen gerne für die Geburt

Rund 60 Landwirte haben sich in Bellach zum Thema Vernetzung im Leberberg ausgetauscht. Ihnen wurde auch erklärt, wie sie Vernetzungsbeiträgen generieren können.

Rahel Meier
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Buntbrachen bieten Kleinlebewesen einen geschützten Lebensraum.

Buntbrachen bieten Kleinlebewesen einen geschützten Lebensraum.

Rund 60 Landwirte trafen sich am Mittwochabend. Sie liessen sich von Martin Huber (BSB Biberist) über den Stand der laufenden Vernetzungsprojekte im Leberberg informieren. Obwohl die Vernetzungsprojekte im Westen des Leberberges schon seit mehr als sechs Jahren laufen, wird deren Nutzen immer noch hinterfragt.

Das liege unter anderem daran, so Martin Huber, dass die Wirkung in der Natur viel Zeit brauche und nur langsam zu sehen sei. Gerade in der Witi habe aber der Vogelbestand in den letzten Jahren nachweislich zugenommen. «In der Selzacherwiti haben wir 4,3 Reviere pro 10 Hektaren Landwirtschaftsland. Einen solchen Wert gibt es nirgends mehr sonst.»

Auch Neuntöter und Grünspecht seien vermehrt zu beobachten. «Ebenfalls ein schöner Zeiger für ein intaktes Ökosystem ist die Schlüsselblume, die heute wieder vermehrt zu finden ist.»

Selbstverständlich werde die Wirkung von Fachleuten kontrolliert. Bei jedem Vernetzungsprojekt wird nach drei Jahren ein Zwischen- und nach sechs Jahren ein Schlussbericht erstellt.

«Schnäuze stehen lassen»

Huber machte zudem nochmals kurz auf die verschiedenen Möglichkeiten für die Landwirte aufmerksam, mit denen sie Vernetzungsbeiträge generieren können. Gelächter gab es, als er ein Bild von Rückzugsstreifen zeigte und von «Schnäuzen» sprach, die da im Feld stehen bleiben. «Heute ist es selbstverständlich, dass solche Streifen in einer Wiese stehen bleiben. Früher mussten sich die Landwirte deswegen komische Kommentare anhören. Ob sie nicht mähen könnten. Oder das Benzin mitten in der Arbeit ausgegangen sei.»

Zustimmendes Gemurmel gab es auch, wegen der Schnitthöhe des Grases auf extensiv genutzten Wiesen. Zehn Zentimeter hoch muss es stehen bleiben. «Das ist gar nicht so einfach. Vor allem nicht bei steilem Gelände auf dem Berg.»

Jungtiere nützen die Deckung

Huber appellierte zudem an die Landwirte, vor dem Mähen die Wiesen abzulaufen oder nachts ein Licht aufzustellen, um die Tiermütter mit ihren Jungen zu verscheuchen. Übrigens auch eine Massnahme, die zum Erhalt von Vernetzungsbeiträgen berechtigt. «Ihr könnt euch auch mit den Jägern absprechen.» Im letzten Frühling und Sommer sind laut Huber überdurchschnittlich viele Rehkitze und Junghasen in den Öko-Wiesen gesetzt worden.

Neben der Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen ist auch die Grösse der Fläche massgebend für den Erhalt von Vernetzungsbeiträgen. So sollten bei jedem Vernetzungsprojekt 12 bis 15 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologisch bewirtschaftet werden. Davon wiederum sollte mindestens die Hälfte ökologisch wertvoll sein. Im Leberberg sind diese Zahlen praktisch überall erreicht worden. Überall dort, wo der Anteil an Berggebiet hoch ist, sind auch die Flächenziele schneller erreicht.

Abschliessend machte Huber die Anwesenden auf die neuen Projekte, die mit der Landschaftsqualität zusammenhängen, aufmerksam. «Seht es euch an. Bei diesem Projekt können auch produktive Flächen angemeldet werden.»