Dorfzentrum

Recherswil: So funktioniert moderne Raumplanung in der Praxis

Im Untergeschoss des Hauptgebäudes auf Baufeld A soll eine Volg-Filiale einziehen.

Im Untergeschoss des Hauptgebäudes auf Baufeld A soll eine Volg-Filiale einziehen.

Schon seit 40 Jahren liegt das Land im Dorfzentrum von Recherswil brach. Im April 2013 wurde schliesslich ein Gestaltungsplan vom Regierungsrat abgesegnet. So soll jetzt auf der 19'000 Quadratmeter grossen Grundstück ein neues Dorfzentrum entstehen.

So sieht also moderne Raumplanung in der Praxis aus? In Recherswil entsteht auf einer Fläche von 19 000 Quadratmetern ein neues Dorfzentrum. Taktgeber ist ein strikter Gestaltungsplan.

Verschachtelte Einfamilienhaus-Quartiere? Nicht mehr en vogue. Stattdessen ist Verdichtung angesagt: sparsam im Umgang mit Grund und Boden, umweltschonend und mit Potenzial nach innen.

In Recherswil bedeutet das noch ein wenig mehr: «Eine 40-jähriges Vorhaben biegt langsam auf die Zielgerade ein», sagt Gemeindepräsident Hardy Jäggi (SP). Bereits zu seiner Kindergartenzeit sollte dem brachliegenden Land im Dorfzentrum Leben eingehaucht werden, erinnert sich der 47-Jährige: «Die Einwohner wurden damals in einer Umfrage um ihre Meinung gebeten.»

Pläne, Vorstellungen und Bedürfnisse gab es reichlich. Doch gleich zwei Projekte erlitten Schiffbruch: Einmal stellte sich die Gemeindeversammlung quer, dann sprang ein Investor ab. «Eine übergreifende Vision fehlte», weiss Jäggi. Als er 2009 Gemeindepräsident wurde, stand sein Legislaturziel fest: ein ganzheitlicher Gestaltungsplan für das Dorfzentrum.

Eine Arbeitsgruppe wurde eingesetzt und unzählige Sitzungen abgehalten. Erneut sorgten Einsprachen für Verzögerungen. Im April 2013 war es schliesslich so weit, der Gestaltungsplan wurde vom Regierungsrat abgesegnet.

Dorfzentrum als Einheit

Der Gestaltungsplan teilt das Dorfzentrum zwischen Hauptstrasse, Willadingerstrasse und Hagmannstrasse in vier Baufelder ein. Die Felder A, B und C befinden sich vollständig im Besitz der Gemeinde, Feld D nur teilweise. Derzeit fokussieren sich alle Kräfte auf das rund 4500 Quadratmeter grosse Baufeld A zwischen der Post und der Raiffeisenbank.

Bis letzten Freitag konnten Kaufangebote eingereicht werden. Diese würden nun sorgfältig geprüft, sagt Gemeindepräsident Jäggi. «Es deutet alles darauf hin, dass ein Totalunternehmer das Baufeld im Auftrag eines institutionellen Anlegers bebauen wird.»

Noch in diesem Jahr sollen die Baumaschinen loslegen. Wie soll das klappen? «Ganz einfach», meint Jäggi, «die Baupläne liegen bereits in der Schublade.» Das Projekt ist derzeit öffentlich ausgeschrieben, im Februar soll die Baugenehmigung vorliegen.

«Theoretisch könnten die Bagger eine Woche nach dem Verkauf auffahren», sagt Jäggi. Dass das Baufeld A nur im Paket mit einem fertigen Bauprojekt zu haben ist, ist kein Zufall. Die Entwürfe des Oensinger Architekturbüros ZSB orientieren sich eisern am Gestaltungsplan.

Vorgesehen sind ein grosses, viergeschossiges Hauptgebäude und zwei dreigeschossige Gebäude. Mit Sonderbauvorschriften und anderen Vorgaben wollen die Behörden sicherstellen, dass das Dorfzentrum dereinst als Einheit daherkommt. Wichtige Eckpfeiler sind etwa:

Durchmischung: Der Anteil an Mietwohnungen soll mindestens 30 Prozent betragen. Von reinen Alterswohnungen, wie sie vielerorts gebaut werden, hält Hardy Jäggi wenig: «Wir wünschen uns eine attraktive Durchmischung.» Dazu tragen gemäss Jäggi auch kleinere Gewerbeflächen bei. Im Hauptgebäude auf Baufeld A an der Hauptstrasse soll eine Volg-Filale einziehen. «Wir erwarten, dass der künftige Besitzer sich mit Volg auf einen Mietvertrag einigt», erklärt Jäggi.

Etappierung: Gebaut wird nur, was verkauft oder vermietet werden kann. «100 neue Wohnungen auf einen Schlag könnte der Markt kaum verkraften», sagt der Gemeindepräsident. Wenn die Überbauung von Baufeld A - geplant sind 34 Wohnungen - angelaufen ist, wird Baufeld C verkauft. Baufeld B wiederum soll erst in Angriff genommen werden, wenn die Felder A und C bebaut sind. Beim Baufeld D scheint sich bereits eine Lösung abzuzeichnen (siehe Box).

Belebung: Das neue Dorfzentrum soll nicht zum Schläferquartier verkommen, meint Jäggi entschlossen. «Es wird allen Recherswilern offenstehen.» Mittelpunkt bildet ein Dorfplatz, der entlang der Hauptstrasse angelegt wird. Mit Grünflächen und Fusswegen werden die Baufelder verbunden.

Erste Wohnungen wohl 2016

Anfang 2016, schätzt Hardy Jäggi, werden die ersten Wohnungen auf Baufeld A bezugsbereit sein. Eine Prognose, wann das neue Dorfzentrum vollendet ist, will er noch nicht wagen. «Ich weiss, wie schnell Pläne durchkreuzt werden können.»

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