Es hätte nicht zu den Gänsbrunnern gepasst, wären sie am Dienstagabend mit lautstarkem Protest vor dem ehemaligen Schulhaus aufmarschiert. Denn dort wurde ihr Gemeinderat von Regierungsrat Peter Gomm, Marcel Chatelain, Chef Amt für soziale Sicherheit, und Claudia Hänzi, Abteilungsleiterin Sozialleistungen und Existenzsicherung, darüber orientiert, warum sich aus ihrer Sicht der Gasthof St. Joseph und das Zentrum Mühlehof für ein Asylzentrum eignen würden (vergleiche gestrige Ausgabe). Der Protest der Gänsbrunner war stumm und trotzdem deutlich. Der Eingang beim Schulhaus war gesäumt von leuchtenden Laternen mit einem traurigen Gesicht drauf.

Traurig nicht, aber ernst und nachdenklich blieben die Gesichter der Frauen und Männer des Gemeinderats während der gut einstündigen Sitzung. Sie stellten nicht viele Fragen, dafür brachten sie umso mehr ihre Bedenken gegen das Vorhaben beim «St. Joseph» vor. Im Wesentlichen ging es um die grosse Menge der Asyl suchenden Personen, die auf einen Schlag den sonst so ruhigen Dorfkern bevölkern würden. Und dass man sie nicht beschäftigen könnte.

Delegation nicht überrascht

Wie hat die Delegation aus Solothurn den Empfang und die Sitzung in Gänsbrunnen erlebt? Claudia Hänzi sagt: «Ich habe den Empfang als ehrlich empfunden. Die Laternen haben mir sogar gefallen, trotz der Botschaft dahinter. Sie zeugen für mich von einem aggressionsfreien Umgang mit einer heiklen Thematik.» Nicht überrascht sei sie gewesen, dass die Gemeinderäte nichts von der Idee wissen wollten, der Kanton könnte bei einer Übernahme der Gebäude allenfalls bei der Weiterführung des «St. Joseph» unterstützend wirken. «Solche Ideen brauchen Bedenkzeit», räumt Hänzi ein. Wäre es auch denkbar, dass der Kanton die Gebäude gegen den Willen der Gemeinde übernimmt und das Asylzentrum realisiert? «Kooperative Zusammen- und Mitarbeit einer Standortgemeinde sind uns sehr wichtig, vor allem bei der Unterbringung asylsuchender Menschen. Ich möchte betonen, dass wir uns noch nicht in einer Projektphase befinden. Es laufen immer noch Abklärungen, ob der Mühlehof als möglicher Zentrumsstandort infrage kommt.» Eine erste Aussprache mit der Einwohnergemeinde gehöre zum üblichen Abklärungsszenario. «Entschieden ist in dieser Sache noch nichts.» Sind denn im Thal noch weitere Projekte in Abklärung? «Derzeit nicht», antwortet Claudia Hänzi kurz und bündig.