Seit dem 19. Jahrhundert sind 95 Prozent der Feuchtwälder in der Schweiz wegen Trockenlegung durch den Menschen verschwunden. Mit dem einst ausgerotteten Biber ist eine einheimische Tierart zurückgekehrt, die diese Entwicklung teilweise wieder rückgängig macht. Ein innovatives Projekt in Herzogenbuchsee zeigt auf, wie kreative Lösungen für ein rundum gewinnbringendes Nebeneinander von Biber und Waldwirtschaft sorgen können.

Was eine Biberfamilie auslöst

Vor drei Jahren hat eine zwischen Bützberg und Herzogenbuchsee ansässige Biberfamilie mit dem Bau eines Dammes eine Waldfläche geflutet. Diverse Bäume wurden seither durch die Nager gefällt oder sind durch das gestaute Wasser des Baches abgestorben. Aufgrund der Vernässung des Bodens wird eine Entwicklung in Gang gesetzt, die nach und nach feucht-tolerantere Baumarten wie Weiden oder Schwarzerlen fördern wird.

Die Artenvielfalt in solchen Biber-Biotopen ist besonders hoch. Es profitieren Frösche, Libellen, Fische, Vögel und viele weitere Tiere und Pflanzen. Auf der anderen Seite ist durch das Einstauen der Fläche aber auch ein Konflikt mit der Nutzung dieser Wälder entstanden: Werthölzer sterben ab und es drohte eine Überflutung der forstlich bedeutsamen Waldstrasse.

Eine gängige Massnahme in solchen Fällen ist die Entfernung oder Herabsetzung des Biberdamms. Erfahrungsgemäss wirkt dies aber meist nur kurzfristig, da die Tiere den Damm oft umgehend wieder aufbauen. Deshalb wurde im Badwald eine andere Lösung gesucht.

Die Burgergemeinde Herzogenbuchsee als Eigentümerin der Waldparzelle hat gemeinsam mit der Aktion «Hallo Biber! Mittelland» von Pro Natura ein Projekt lanciert. Ziel war es, die forstwirtschaftlichen Einbussen zu kompensieren, die Überflutung der Waldstrasse zu verhindern sowie gleichzeitig das entstandene wertvolle Biotop zu erhalten.

In Zusammenarbeit mit dem Kanton wurde darum eine knapp drei Hektaren grosse Altholzinsel geschaffen. Die Grundeigentümerin wird für den Verzicht auf die Holznutzung vom Amt für Wald entschädigt. Zudem ist der Strassenkoffer auf einer Länge von 80 Metern baulich erhöht worden.

Dadurch kann ein Überspülen des Weges weitgehend ausgeschlossen werden, und der Biberdamm kann unangetastet bleiben. Das Projekt wurde ermöglicht durch die Unterstützung des BKW-Ökofonds. (mgt)

Infos: www.buchsiburger.ch