Gerlafingen
Projekt «Rochade» kommt viel billiger als «Pünktchen und Anton»

Das neue Projekt «Rochade» schlägt einen Tausch der Schulstufen vor und bietet mit 7,7 Mio. Franken eine kostengünstige Lösung für die Gerlafinger Schulraumnot. Für das alte Projekt «Pünktchen und Anton» wurden noch über 11 Millionen veranschlagt.

Gundi Klemm
Merken
Drucken
Teilen
Das Schulhaus Kirchacker könnte aufgestockt werden.

Das Schulhaus Kirchacker könnte aufgestockt werden.

Hanspeter Bärtschi

Der knappe und vor allem in den Spezialangeboten über das Dorf verstreute Schulraum für Primarschulklassen wird in Gerlafingen schon viele Jahre diskutiert. Entworfen wurde mit «Pünktchen und Anton» das Modell einer Schulhauserweiterung im Gländ, das dem Bedarf heutiger Unterrichtsgestaltung entsprach. Leider sah sich die Gemeinde ausserstande, die dafür nötigen 11,3 Mio. Franken zu finanzieren und legte das Projekt auf Eis.

In Folge der Neubesetzung der Schulleitungen kam frischer Wind in die Sache. Mit seinem «Blick von aussen» analysierte Primarschulleiter Pascal Hunziker die Lage und entwickelte gedanklich die Verschiebung der Schulstufen zwischen den vorhandenen Gebäuden. In gemeinsamer Überlegung mit Hauptschuleiter Martin Müller und Bauverwalter Ewald Kaiser gewann das Projekt «Rochade» Konturen, die der Gemeinderat bei einer ersten Information im Mai begrüsste.

Das Architekturbüro Baderpartner setzte die Ideen in eine konkrete Planung zur Aufstockung des bisher zweietagigen, 1968 gebauten Kirchackerschulhauses um, das bisher von der Primarschule genutzt wird.

In Gegenwart der Schulleitungen stellte der Bauverwalter den Gemeinderatsmitgliedern jetzt das ausgereift wirkende Bauvorhaben in allen baulichen Einzelheiten vor. Dazu zählte auch eine Gegenüberstellung der Kosten für drei mögliche Varianten. «Rochade» würde brutto 7,7 Mio. Franken, die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten am Kirchackerschulhaus brutto 1,6 Mio. Franken kosten. Dies gegenüber 11,3 Mio. für das Projekt «Pünktchen und Anton».

Als dritte Variante erläuterte Kaiser die Unterbringung in neuen Containern nebst Unterbau, die für rund 5,5 Mio. Franken zu haben wären. Gemeindepräsident Peter Jordi plädierte dafür, das grosse Informationspaket vorerst nur zur Kenntnis zu nehmen, die Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen indes an einer rätlichen Sondersitzung in 14 Tagen zu diskutieren und danach zu entscheiden.

Bestechende Idee

Für das Kirchackerschulhaus wäre nicht nur eine Aufstockung und multifunktionale Nutzung des bisherigen Innenhofs auf drei Etagen vorgesehen sondern auch ein Eingriff bis ins Kellergeschoss, in dem bisher Schutzräume und eine Sanitätshilfsstelle untergebracht sind.

Dort würden etwa 20 Prozent der Fläche abgezweigt für Unterrichtsräume der Musikschule. Denn mit dem vorgesehenen Verkauf des Kochschulhauses an die Stiftung «Am Bach» gehen dortige Musikzimmer verloren und könnten im Kirchacker-Souterrain Platz finden, das mittels Geländeanböschung Tageslicht erhielt. Ewald Kaiser machte auf die notwendige «Eingriffstiefe» aufmerksam, weil der gesamte Hauszustand nach 45 Betriebsjahren eine teilweise Sanierung, auch gemäss Auflagen der Gebäudeversicherung, erforderlich mache. Eingebaut wird ein Lift, der heute bei allen öffentlichen Gebäuden vorgeschrieben ist, und zu den vorhandenen Treppenhäusern eine Treppe ins Untergeschoss.

Ehrgeizig

Das neue Stockwerk wird aus Skelett-Holzbauweise vorgefertigt montiert und würde damit die Umbauphase verkürzen. Kaiser rechnet mit etwa einem Jahr, wobei das Schulhaus nicht genutzt werden könnte. Der skizzierte Zeitplan sieht 2015 als Planungs- und vor allem als Submissionsphase vor und 2016 als Baubeginn- am besten übereinstimmend mit dem Schuljahr. Das alles gelingt nur, wenn die Gemeindeversammlung am 17. Dezember die nötigen Verpflichtungskredite bewilligen kann, die dann auch die Unterstützung durch externe Subventionen wie etwa den Finanzausgleich und weitere ermöglichen.

Hunziker erinnerte kurz an zahlreiche «weiche» Aspekte, die sich als Veränderung in der baulichen und betrieblichen Schullandschaft vorteilhaft für das Dorf, seine Schuljugend und nicht zuletzt auf Gerlafingens Image auswirken würden. Gemeindepräsident Peter Jordi beendete das umfangreiche Traktandum mit der Feststellung: «Wir brauchen jetzt Wagemut und Klugheit. Die Finanzkontrolle soll uns aber nicht entgleiten.»