Einspruch
Pro Natura und Anwohner sind gegen geplanten Werkhof im Steinbruch

Im Steinbruch zwischen Rüttenen und Solothurn soll ein Forstwerkhof gebaut werden. Pro Natura Solothurn und Anstösser halten gegen die Sondernutzungszone Einsprache.

Urs Byland
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Hinten links das Gebäude eines Anstössers, der keine Einsprache einreichte. Rechts davon das Gebiet, wo der Forstwerkhof geplant ist.

Hinten links das Gebäude eines Anstössers, der keine Einsprache einreichte. Rechts davon das Gebiet, wo der Forstwerkhof geplant ist.

Isabel Mäder

Die Solothurner Bürgergemeinde plant im Steinbruch zwischen Rüttenen und Solothurn ihren neuen Forstwerkhof. Dazu soll ein Teil des Areals auf Rüttener Boden in eine Sondernutzungszone Forstwerkhof umgewandelt werden. Eingegangen sind laut Rüttenens Gemeindeschreiber Franz Lüthi zwei Einsprachen zur Sondernutzungszone.

Einsprache halten Pro Natura und die Schweizer Jenischen, die beim nordwestlichen Eingang zum Steinbruch ihre Unterkünfte stationiert haben. Die Fahrenden stecken schon längere Zeit im Clinch mit der Gemeinde (siehe Kasten) und befürchten bei einer Realisierung des Neubaus, dass die geplante Zufahrtsstrasse den Standplatz der Familie gefährdet. Die jenische Familie lebe schon seit 25 Jahren dort und es gebe im ganzen Kanton keinen anderen Standplatz, wohin sie ausweichen könnte, schreibt deren Rechtsvertreterin.

Auf Karch-Daten gestützt

Schweizer Jenische: Unendlich langes Rechtsverfahren

Die Schweizer Jenische beim nordwestlichen Eingang zum Steinbruch stehen seit langer Zeit in einem Rechtsstreit mit der Gemeinde. «Die Gemeinde hat seinerzeit den Fahrenden einen Standplatz zugewiesen», berichtet Gemeindepräsidentin Heidi Pauli. Dies habe jahrelang einigermassen funktioniert, bis die Fahrenden nicht nur im Winter, sondern auch im Sommer am idyllischen Platz beim Steinbruch blieben. Aus Fahrenden wurden Sesshafte. Die Gemeinde klagte. Das Verfahren zog sich hin bis zum Bundesgericht. Dieses wies die Vorinstanz an, über die Bücher zu gehen. Die Vorinstanz hatte zuvor entschieden, dass die Fahrenden bleiben dürften. Nun ist das Verfahren sistiert. Grund dafür ist die Bürgergemeinde Solothurn, Land- und Gebäudebesitzerin des Steinbruches. Sie strengt ein Zivilverfahren an, weil sie die Fahrenden nicht auf dem Gelände haben will. Die Behörde Rüttenens hofft, dass sich das Problem mit den Fahrenden auf diesem Weg löst. (uby)

Interessanterweise stützten sich auch Kanton und Bauherrschaft im Vorfeld auf die von Karch erhobenen Daten über die Aufenthaltsorte der Tierarten im Steinbruch. Die Bauherrschaft verzichtete darauf auf einen Standort im südlichen Bereich des Geländes, weil dort der «Glögglifrosch» beheimatet ist.

Dennoch erhebt Pro Natura Solothurn Einsprache. Durch die Arbeiten rund um den künftigen Werkhof sowie Zu- und Wegfahrten würden die Tiere akut bedroht und deren Lebensraum bleibend geschädigt, begründet Pro Natura Solothurn.

Mehr Ringelnattern

Eine Anwohnerin meint demgegenüber, dass die Schlangen sich nicht vertreiben lassen würden. Die Bürgergemeinde wiederum hat weitere Massnahmen angekündigt zum Schutz des «Glögglifroschs» (Gemeine Geburtshelferkröte), deren Population in den letzten Jahren laut Karch eine erfreuliche Entwicklung vollzog. Mit ein Grund sei das bestehende Biotop mitten im Steingrubengelände. Und: «Durch die Zunahme der Amphibienbestände, welche die Hauptnahrung der Ringelnatter darstellen, ist auch die Population dieser Schlangenart im Gebiet erfreulich gewachsen.» Mit dem Dachwasser des neuen Forstwerkhofes soll ein neues, zusätzliches Biotop entstehen.

Werden nun mit dem Forstbetrieb die Amphibien und damit die Nattern bleibend gestört oder können sie sich trotzdem weiterentwickeln? Pro-Natura-Solothurn-Geschäftsführerin Ariane Hausammann fordert zur Klärung dieser Frage eine fundierte Interessenabwägung und die Prüfung alternativer Standorte für den neuen Forstwerkhof. Aus der Sicht der Pro Natura müsse jeder Standort mit gefährdeten Tierarten prioritär geschützt werden.

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