Tage der offenen Schulen

Primeler lernen Gefühle erkennen und Komplimente machen

Wie entwickeln Kinder mehr Selbstbewusstsein und wie kommen sie mit ihren «Gspänli» besser aus? Antworten gibt ein Projekt, das auch an der Primarschule Derendingen durchgeführt wird.

«Einmal hin, einmal her, Tanzen ist eine Freude, dreh Dich im Kreis, klatsch in die Hände, einmal hin, einmal her.» Unter der Leitung von 5. Klässler Dimitri schaffen es die sieben Buben und Mädchen schon ganz ordentlich, sich zum Takt des kleinen Liedes zu bewegen. Und Dimitri vergisst auch nicht, seine «Gspänli» dafür zu loben. «Ihr habt das gut gemacht», sagt er. Motiviert durch dieses Kompliment macht sich die altersdurchmischte Truppe - vom Kindergärtler bis zur 5. Klässlerin - engagiert an die eigentliche Arbeit und bastelt in Zweiergruppen jeweils einen Schwan. Zwischendurch sorgt Dimitri für Ruhe. Vor allem aber steht er seinen Schulkameraden mit Rat und Tat zur Seite, ohne ihnen allerdings die Arbeit abzunehmen: «Es ist besser, wenn Ihr das einmal selber probiert», weiss er, besorgt um den Lernerfolg seiner Kameraden.

Die Schülergruppe rund um Team-Leader Dimitri ist ein von insgesamt 12 Gruppen, die gestern Morgen im Schulhaus Oberdorf in Derendingen kleine Schwäne bastelte. Dies im Rahmen einer Vollversammlung der ganzen Schule inklusive Kindergarten, wie sie viermal im Schuljahr, während einer Doppellektion, stattfindet. «Mit diesen Vollversammlungen wollen wir über die einzelnen Klassen hinweg den Zusammenhalt der Schule fördern», betont Schulleiterin Christine Neher Braun. Wichtiger Bestandteil der Vollversammlung sind dabei immer auch Elemente eines internationalen Schulprojekts, das sich schweizweit und - seit August 2010 - auch im Kanton Solothurn zunehmender Beliebtheit erfreut: das Programm zur Förderung alternativer Denkstrategien, kurz «Pfade» genannt. Mittlerweile integrieren gut zehn Gemeinden im Kanton «Pfade» im Unterricht auf der Primarschulstufe und im Kindergarten.

Besonders beliebt: Kind der Woche

Die Primarschule Derendingen nützt die diesjährigen «Tage der offenen Schulen», die vom 26. bis 30. März in gossen Teilen des Kantons stattfinden, um ihre Erfahrungen mit «Pfade» einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. «Uns ermöglicht das Programm, in den einzelnen Klasen aber auch in der gesamten Schule eine gemeinsame Grundhaltung zu entwickeln», erläutert Schulleiterin Neher Braun. Die sei gerade auch in der Gemeinde Derendingen, die eine eher heterogen zusammengesetzte Bevölkerungsstruktur aufweist, von Bedeutung.

Alle Derendinger Primarschulklassen und auch die Kindergärtler haben eine «Pfade»-Lektion pro Woche fix im Stundenplan integriert. «Angepasst an das jeweilige Alter lernen die Kinder etwa bei sich und anderen, Gefühle wahrzunehmen, und diese auch zu benennen», erläutert die Schulleiterin. «Gefühle sollen als Signale ernst genommen werden.» Das Ziel bestehe vor allem darin, Selbstkontrolle und erfolgreiche Problemlösungsstrategien zu entwickeln. Weitere Unterrichtseinheiten betreffen Regeln des Zusammenlebens, das Übernehmen von Verantwortung, den Umgang mit Freundschaften - und auch die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls. Besonders beliebt bei den Derendinger Kindern ist es, dass jedes Kind einmal pro Jahr von seinen Klassenkameraden zum «Kind der Woche» gewählt wird. Neher Braun: «In dieser Zeit hat das Kind verschiedene Privilegien und Ende der Woche wird es von seinen Kollegen ausgiebig mit Komplimenten bedacht.»

«Wir möchten auf Pfade nicht mehr verzichten», betont die Schulleiterin, selbst wenn ein gewisser zusätzlicher Aufwand damit verbunden ist. «Die Stärkung der Sozial- und Selbstkompetenz der Schülerinnen und Schülern wiegt die zusätzlichen Anstrengungen längst auf.»

Vom 26. bis 30. März finden in grossen Teilen des Kantons Tage der offenen Schulen statt.

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