Biberist
Primarschüler blicken auf ein Jahr Begabtenförderung zurück

Während einem Jahr besuchten zehn Dritt- bis Sechstklässler der Primarschule Biberist im Rahmen der Begabtenförderung den Journalismusunterricht. In dieser Zeit lernten die Schüler allerlei über Medien und veröffentlichten selbst Zeitungsartikel.

Christoph Neuenschwander
Drucken
Teilen
Die zehn Schülerinnen und Schüler des Journalismuskurses haben ein Jahr lang in der Aula des Mühlemattschulhauses fleissig diskutiert und Texte geschrieben.

Die zehn Schülerinnen und Schüler des Journalismuskurses haben ein Jahr lang in der Aula des Mühlemattschulhauses fleissig diskutiert und Texte geschrieben.

CND

Das Schuljahr ist zu Ende. Und damit auch der Journalismuskurs an der Primarschule Biberist. Mittwochmorgen: Die zehn Dritt- bis Sechstklässler sitzen ein letztes Mal zusammen in der Aula, besprechen Texte, führen Diskussionen, liefern sich Wortgefechte.

Nach den Sommerferien geht die Begabungsförderung dann in die nächste Runde; ein neues Thema steht an. Als Journalist und abtretender Lehrer der begabten Schülerinnen und Schüler, deren Leidenschaft und Scharfsinn mich in diesem Jahr immer wieder beeindruckt haben, wäre es für mich an der Zeit, ein Fazit zu schreiben.

Das habe ich in diesem Fall aber den Nachwuchsreportern überlassen, die ehrlich und durchaus (selbst-)kritisch das vergangene Jahr analysiert haben. Sie sei nicht perfekt und habe ein kleines Problem mit der Rechtschreibung, gesteht etwa eine Schülerin in ihrem Text.

Durch den Kurs halte sie nun aber bessere Referate und schreibe bessere Geschichten. Ihr Mitschüler erinnert sich indes: «Ich dachte, Journalist sei ein einfacher Beruf, man müsse einfach schreiben.» Wie er jetzt wisse, stecke bei der Zeitung wie auch beim Radio mehr dahinter als angenommen. Zudem habe er gelernt, dass es «verschiedene Zeitungs- und Schreibarten» gebe.

Künftige Journalistinnen?

«Meine Lieblingsformen waren der Kommentar, die Reportage und die Glosse», hält eine andere Schülerin fest. Die Glosse deshalb, weil man dabei etwas fies sein und seine Meinung sagen könne. Auch diese Jungjournalistin sagt, sie habe sich im Schreiben verbessert und sei froh, den Kurs besucht zu haben – auch wenn die Klasse manchmal «sehr nervig» war.

Ein weiteres Mädchen macht ähnliche Beobachtungen: Dass manche Jungs im Unterricht «Blödsinn angestellt» haben, sei ihr auf die Nerven gegangen. «Wiederum cool fand ich den Besuch bei der Solothurner Zeitung», schreibt sie und ergänzt: «Viele interessierte das Radio mehr, doch für mich bleibt die Zeitung spannender.» Sie möchte gerne einmal selbst Journalistin werden und erinnert sich, wie lange es dauerte, die Reportagen zu schreiben. «Die Ergebnisse waren aber lohnend.»

Biberister Primarschüler sind zu Besuch auf der Redaktion der Solothurner Zeitung
8 Bilder
Die Lektüre schien überaus spannend zu sein.
Einige der Schüler teilten sich ein Exemplar.
Gespannt lauschten die Kinder den Erklärungen vom stellvertretenden Chefredaktor Urs Mathys.
Während der Führung gaben die Primarschüler kaum einen Ton von sich.
An der Videowand kann man beobachten, wie die Zeitung von morgen entsteht.
An diesen beiden Arbeitsplätzen entstehen Beiträge für die Regionalsender TeleM1 und TeleBärn.
Drei der zehn Schüler meinten, sie wollen einmal Journalist werden.

Biberister Primarschüler sind zu Besuch auf der Redaktion der Solothurner Zeitung

Hansjörg Sahli

In den Jahresrückblicken der Schüler werden oft die Pressekonferenzen und Gerichtsverhandlungen positiv erwähnt, die wir nachgestellt haben, um möglichst realistische Schreibübungen zu schaffen. Das meiste andere «machte eigentlich auch Spass», schreibt ein Junge, «bis auf heute, denn jetzt sitze ich da und schreibe eine bedeppte Analyse». Nun, man kann es wohl nicht immer allen recht machen.

iPads, Littering, Grosswildjäger

Weil die Kinder aber selbstverständlich nicht mit dem fahlen Geschmack des Analyseschreibens in die Ferien entlassen werden sollen, steht als Abschluss noch eine kleine Pressekonferenz mit Diskussionsrunde an. Bei dieser Aktivität laufen die Journis jeweils zu Höchstform auf: Es werden kritische Fragen gestellt und auch mal lautstark die eigene Meinung verteidigt.

Das Schönste an der Sache ist aber, das lässt sich mit gewissem Stolz sagen, dass Lehrerinputs für solche Pressekonferenzen gar nicht mehr nötig sind. Die Schüler sprudeln nur so vor eigenen Themen, Ideen und Vorstössen, die sie gerne der fragestellenden Meute präsentieren möchten.

Etwa die flächendeckende Einführung von iPads an Schulen, die von Yanik und Thasmija aufs schärfste kritisiert wird, weil das schlecht für die Augen sei und die Lehrer kaum kontrollieren könnten, welche Apps die Kinder herunterladen. Jeanne greift schlichtend ein und versucht, einen Kompromiss auszuhandeln.

Spannend geht es auch bei Jennas Vorschlag zu und her, auf Weihnachtsbeleuchtungen zu verzichten. Oder beim Antrag um Littering-Bussen in der Höhe von 1000 Franken. Die Idee, Kameras aufzustellen, um gegen Abfallsünder vorzugehen, lässt die entrüstete Journalistin Gioia dann aber zur Wahrung der Persönlichkeitsrechte aufrufen.

Indes haben Eric, Tobias und Mika – für einmal in der Rolle von Zirkusvertretern und einem Grosswildjäger – ihre ganz eigenen Ideen, was man mit den Raubtieren von René Strickler anfangen könnte.

Die Stossrichtung dieser Ideen gefällt den Tierschützerinnen Naïma und Suvethaa ganz und gar nicht, die Diskussion sorgt aber noch für einige Lacher, bevor es endgültig in die Sommerferien geht.