Die Schweizerische Post möchte ihr Filialnetz weiter umbauen und klassische Poststellen vermehrt durch «moderne Zugangspunkte» ersetzen. Während in vielen Gemeinden die Zukunft des Postschalters noch offen steht, wurde dieser in Aedermannsdorf bereits im März 2009 geschlossen. An seine Stelle trat eine im Dorfladen Stampfli integrierte Postagentur. Dorfladenbesitzer Adrian Stampfli und seine im Laden mitarbeitende Schwester Yvonne Jenni wurden fortan auch «Pöstler», bei denen Briefe und Pakete aufgegeben, Briefmarken gekauft oder Einzahlungen erledigt werden können.

Umstrittene Schliessung

Rückblick: Als die Schliessung der Poststelle im Herbst 2008 bekannt wurde, erhitzte dies die Gemüter vieler Leute im Dorf. Wie in manchen kleinen Gemeinden war die Dorf-Post so etwas wie eine Institution. In Aedermannsdorf wurde sie in mehreren Generationen geführt von der Posthalterfamilie Bläsi. Doch genutzt wurde die Filiale immer weniger. Postvertreter überzeugten den Gemeinderat, der dem Vorhaben anfänglich skeptisch gegenüberstand, schliesslich von den Möglichkeiten einer Postagentur. Gleichzeitig erklärte sich Adrian Stampfli bereit, in seinem Laden eine solche Agentur zu führen. Nicht zuletzt deswegen, weil er doch davon ausgehen konnte, dass das sich Geschäftslokal besser auslasten lässt.

Nun hat Aedermannsdorf die Postagentur im Dorfladen seit über 3 Jahren. Und Adrian Stampfli ist zufrieden: «Die Leute haben sich an die Agentur gewöhnt und die Attraktivität des Dorfladens hat deutlich zugenommen.» Teilweise habe es aber auch kritischere Stimmen gegeben. «Gerade in der Anfangsphase waren einige unsicher, ob im Dorfladen die Diskretion für ihre Post gewährleistet ist.» Stampfli betont mehrmals, dass er und seine Schwester dem Postgeheimnis unterstellt seien.

Die Errichtung der Postagentur benötigte einige Investitionen. Ferner musste Adrian Stampfli dafür eine GmbH gründen, die rechtlich vom eigentlichen Dorfladen unabhängig ist. Dies forderte der «gelbe Riese» als Sicherheit. Zum Konzept einer Postagentur gehört auch, dass Kunden bestimmte Aufgaben selbst übernehmen. So können Sendungen an einer im typischen Postgelb gehaltenen Ladentheke gewogen und mittels eines Selbstbedienungsautomaten frankiert werden.

Von Berufstätigen geschätzt

Im Gespräch mit Kunden zeigt sich, dass das veränderte Postangebot auf Anklang stösst. Gerade Berufstätige schätzen die – im Vergleich zur früheren Poststelle – deutlich längeren Öffnungszeiten. Eine Kundin bedauert jedoch, dass bei der Agentur keine Bargeldeinzahlungen möglich sind. «Aus Sicherheitsgründen können Einzahlungen nur mit Post- oder Debitkarten gemacht werden», erklärt Adrian Stampfli. Das altbewährte Postbüchlein ist hier also schon Geschichte. Abgesehen von dieser Einschränkung sind in der Agentur alle gängigen Postdienstleistungen erhältlich.

Weiterführen bis zur Pension

In Aedermannsdorf trägt das «Post im Dorfladen»-Modell zur Erhaltung eines minimalen Dienstleistungsangebots bei. Ein paar findige Damen hätten gar vorgeschlagen, im Dorfladen «auch noch eine Kaffee-Ecke einzurichten». Doch spätestens da winkt Adrian Stampfli schmunzelnd ab, schliesslich habe es ja ganz in der Nähe den Gasthof Schlüssel. Den Dorfladen will er bis zu seiner Pensionierung in sechs Jahren weiterführen. Wie es mit diesem und der Postagentur dann weitergeht, steht noch nicht fest.