Hans Rudolf von Rohr steht seit 34 Jahren im Polizeidienst. Dabei hat er immer wieder Situationen erlebt, in denen Polizisten bedroht wurden. Heute seien zunehmend auch Angestellte in Sozial- oder Steuerämtern oder bei der IV-Stelle Opfer von Bedrohungen. Diese könnten nur verbal sein, aber auch gewalttätige Personen oder solche, die Waffen auf sich tragen, seien heute keine Seltenheit mehr. «Aus diesem Grund haben wir ein Konzept erarbeitet, mit dem wir solche Situationen managen möchten.»

Umfrageergebnis verblüfft

Um zu erfahren, ob das Bedrohungsmanagement einem Bedürfnis entspricht, wurden zuerst Interviews mit 18 ausgewählten Personen geführt. Daraufhin wurden weitere 250 Personen in kantonalen Amtsstellen und auf Gemeindeverwaltungen via Internet befragt. Das Ergebnis verblüfft. «Jeder der Befragten wurde in irgendeiner Art und Weise schon bedroht», so Rudolf von Rohr. Er brachte denn auch ein drastisches Beispiel, von einem Mann, der die Polizei mit einem Samuraischwert «empfing». Auch Peter Jordi (Gemeindepräsident Gerlafingen) hatte schon Personen im Verwaltungsgebäude, die schliesslich durch die Polizei hinausgebracht werden mussten.

Es gebe verschiedene Mittel, wie sich die Behörden schützen könnten. Da seien einmal ganz einfache bauliche Massnahmen, die es querulatorischen Personen nicht mehr ermöglichen, ohne Termin überhaupt in einer Amtsstelle aufzukreuzen. Hilfreich sei auch der Schutz durch die Polizei oder ganz einfach Diskussionen innerhalb eines Arbeitsteams, in dem solche Fälle besprochen werden könnten.

Informationen sammeln

Für Hans Rudolf von Rohr ist es wichtig, dass solche Fälle von Drohungen in einer zentralen Stelle zusammenlaufen. Am Beispiel des Bieler Rentners Kneubühl, der einen Polizisten anschoss und dann flüchtete, zeigte er auf, das es viele Hinweise gegeben habe auf das, was am Schluss passierte. Aber weil die verschiedenen Amtsstellen nicht miteinander kommunizierten, konnte das Muster nicht rechtzeitig erkannt werden.

Ein Spezialteam bei der Kantonspolizei soll künftig solche Informationen sammeln und verarbeiten. Die Gemeinden werden aufgefordert, Meldestellen zu schaffen, an die Bedrohungen weitergeleitet werden können. Rudolf von Rohr schlug vor, diese bei den regionalen Sozialämtern anzusiedeln. «Wir müssen aus diesem Grund das Gemeindegesetz und das Datenschutzgesetz ändern.» Jede Drohung, die schliesslich nicht zu einer Tat führe, sei als Erfolg zu werten.