Schulpolitik
Podiumsdiskussion über Lehrplan 21 in Witterswil

Für die Regierung ist er eine willkommene Harmonisierung, für das gegnerische Komitee eine unnötige Reform: der Lehrplan 21. Das letzte Wort wird im Mai das Solothurner Stimmvolk haben. In Witterswil diskutierten nun Betroffene über das Für und Wider der Vorlage.

Bea Asper
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Podiumsteilnehmer Susan Gronki, René Steiner, Udo Spornitz, Moderator Mark Winkler, Rolf Knechtli und Andreas Walter (v.l.n.r.) debattierten in Witterswil über den Lehrplan 21.

Podiumsteilnehmer Susan Gronki, René Steiner, Udo Spornitz, Moderator Mark Winkler, Rolf Knechtli und Andreas Walter (v.l.n.r.) debattierten in Witterswil über den Lehrplan 21.

Der Solothurner Bildungsdirektor Remo Ankli machte sich am Dienstagabend in Witterswil für den Lehrplan 21 stark. «Damit wird die Schule auf die Zukunft vorbereitet und man baut kantonale Unterschiede ab.» Dem Schwarzbubenland komme dies sehr entgegen. Dennoch gebe man den Föderalismus nicht auf. «Jeder Kanton kann seine Besonderheiten behalten – zum Beispiel bei den Fächerbezeichnungen.» Dass es Streit gebe um den Lehrplan 21, erstaune ihn als Historiker nicht. «Die Einführung der obligatorischen Schulzeit war unter heftigem Protest beschlossen worden und es gab seither keine Änderung von Stoff- oder Lehrplänen, um die nicht gestritten wurde.» Um den Lehrplan 1992 habe man zwölf Jahre lang gerungen, sagte Ankli. Natürlich sei man seither nicht stehen geblieben, sondern habe mit dem Wandel der Zeit Anpassungen vorgenommen. «Im Lehrplan 21 sind nur zehn Prozent des Inhalts neu».

Doch diese zehn Prozent würden ausreichen, um ein Desaster anzurichten, lautet der Vorwurf von René Steiner, Präsident des Komitees «Ja zu einer guten Schule ohne Lehrplan 21». Denn das selbstständige Erarbeiten sei das falsche Konzept. Es überfordere viele Kinder und habe in Deutschland zu einer Wissensverschlechterung geführt.

«Positives überwiegt»

Steiner war am Dienstag in Witterswil von der FDP des solothurnischen Leimentals eingeladen worden, am Podium mitzudiskutieren. Ihm standen gegenüber Udo Spornitz, Präsident Zweckverband Schulen Leimental, Susan Gronki, Gesamtleiterin Schulen Leimental, Rolf Knechtli, Geschäftsführer Aprentas und Vorstand Basler Handelskammer, sowie Andreas Walter, Amtsvorsteher Volksschulamt Solothurn. Für sie alle überwiegen die vielen positiven Aspekte im Lehrplan 21, wie die Podiumsdiskussion zeigte – moderiert von Mark Winkler, FDP-Kantonsrat.

Knechtli verwies darauf, dass man mit dem selbstständigen Erarbeiten in vielen Bereichen gute Erfahrungen gesammelt habe und dass die Schule die Schüler darauf vorbereiten soll, was in der Arbeitswelt gefragt sei. Vereinheitlichte Konzepte würden vor allem die Übertritte erleichtern. Umstellungen seien immer schwer und verlangen gerade den Lehrkräften einiges ab, räumten Andreas Walter und Udo Spornitz ein. «Umso wichtiger ist es, dass man die Kräfte zur Unterstützung der Lehrpersonen einsetzt, dass man die Schule stärkt und konstruktiv versucht, mögliche Schwächen auszubessern.»

Lehrmittel ohne Struktur

Nachbesserungen seien nichts Aussergewöhnliches, meinten die Befürworter. Sie räumten ein, dass gerade das neue Lehrmittel für den Französisch-Unterricht «Mille Feuille» Anpassungen brauche. Dieses verfüge über zu wenig Struktur und der Wortschatz sei zu wenig vertieft, bestätigte Susan Gronki die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt an ihren Schulen. In der Frage, ob die Lehrerausbildung bereits ausreiche für den fächerübergreifenden Unterricht, gab es Zweifel. Dennoch sprachen sich ausser Steiner alle dafür aus, den Lehrplan 21 im Kanton Solothurn auf das Schuljahr 2018 einzuführen – sofern das Solothurner Stimmvolk im nächsten Mai nicht dagegen stimmt.

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