Unterleberberg
Pionier der offenen Jugendarbeit: «Jaul» gibts schon seit einer Dekade

Das Sommerlager von Jaul (Jugendarbeit Unterleberberg) ist jeweils einer der Jahreshöhepunkte. Heuer ist das Lager zusätzlich ein ganz spezielles, kann Jaul doch sein zehnjähriges Bestehen feiern.

Rahel Meier
Merken
Drucken
Teilen
Viele der Jugendlichen bleiben und übernehmen in der Jugendarbeit sogar selbst Verantwortung.

Viele der Jugendlichen bleiben und übernehmen in der Jugendarbeit sogar selbst Verantwortung.

zvg

So reisten denn auch rund 80 Personen am Samstag zusammen nach Gwatt bei Thun.

Das Durchführen von Lagern war der eigentliche Ursprung von Jaul. Früher gab es in Flumenthal Sommerlager, die durch die katholische Pfarrei organisiert wurden, wie sich Toni Galliker (Präsident Jugendkommission) erinnert. Daraus entstand eine Elterngruppe, die im Jahr 1994 den Trägerverein Jugendtreff gründete und während zehn Jahren auf nebenamtlicher Basis mehr Aktivitäten für die Kinder und Jugendlichen organisierte.

Im Rahmen der Diskussionen «Lebendiger Unterleberberg» beschlossen die Unterleberberger Gemeinden, ab Schuljahr 2004/05 gemeinsam eine Jugendarbeitsstelle zu schaffen. Da der Jugendtreff in Flumenthal am Mittwochnachmittag bereits existierte, war die logische Folge, dass Flumenthal als Standortgemeinde mit der strategischen und operativen Führung beauftragt wurde. Wie Toni Galliker war auch Rebekka Matter-Linder von Anfang an dabei. Sie arbeitete neben ihrer Ausbildung zur soziokulturellen Animatorin als Jugendarbeiterin in Flumenthal und ist – mit kurzen Unterbrüchen – bis heute als Jugendarbeiterin geblieben.

Sich ständig weiterentwickeln

Als die professionelle Jugendarbeit gestartet wurde, waren viele Grundlagenpapiere vorhanden. «Schon bald begannen wir Visionen und Strategien zu entwickeln», erinnert sich Toni Galliker. Daraus resultierte unter anderem die Trennung der operativen und der strategischen Ebene. «So konnte ich mich voll auf meine Arbeit mit den Jugendlichen konzentrieren», meint Rebekka Matter.

Einige Fakten zur Organisation

Jaul (Jugendarbeit Unterleberberg) wird von den Gemeinden Flumenthal (als Leitgemeinde), Riedholz, Hubersdorf, Kammersrohr, Balm bei Günsberg und Günsberg getragen. Auch die katholischen Pfarreien Flumenthal-Huberdorf-Attiswil und Günsberg-Niederwil-Balm unterstützen die Jugendarbeit. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit der gemeinsamen Schule Unterleberberg (GSU). Jaul hat verschiedene Standbeine. Das eine ist der Kidstreff für die Primarschulkinder am Mittwochnachmittag in Flumenthal. Das andere der Jugendtreff am Donnerstagabend in Niederwil, wo sich die Jugendlichen ab der Oberstufe treffen. Im Sommer findet jeweils das einwöchige Lager statt und im Herbst der sogenannte Herbstplausch, der vom Familienverein Günsberg mitgetragen wird. Das sind verschiedene Anlässe, die einzeln besucht werden können. Heuer gibt es zudem ganz spezielle Jubiläumsanlässe. Etwa das grosse Jubiläumsfest im November, das in der Kulturfabrik Kofmehl stattfinden wird.

Die Jugendarbeit wird im Unterleberberg mit einem 60-Prozent-Pensum betrieben. 20 Prozent werden durch Rebekka Matter abgedeckt, 40 Prozent hat Lea Jakob inne. Dazu kommen viele freiwillige Helfer und die Jugendbeauftragten in den Gemeinden. (rm)

Vor zehn Jahren gab es im Kanton Solothurn, neben der verbandlichen, kaum offene professionelle Jugendarbeit. «Wir mussten uns in anderen Kantonen umsehen und uns viel selbst erarbeiten», so Rebekka Matter. Heute sei dies ganz anders. «Die Jugendarbeit ist an vielen Orten institutionalisiert und wir tauschen uns auch regelmässig untereinander aus.» Ebenso sei die Jugendförderung des Kantons Solothurn ein wichtiger Partner. «Man kann sich in der Jugendarbeit nie zurücklehnen. Sie verändert sich stetig zusammen mit den Kindern und Jugendlichen.» So ist es im Unterleberberg eine Selbstverständlichkeit, dass die Strategien für die Jugendarbeit jedes Jahr neu definiert werden. «Wir kontrollieren zudem, ob wir die Ziele auch erreicht haben», so Toni Galliker.

Arbeit wird geschätzt

Die Jugendlichen und auch deren Eltern schätzen die Angebote von Jaul. «Viele unserer heutigen Leiter haben den Kids- und den Jugendtreff früher selbst auch besucht. 16 der Leiter, die mit ins Lager kommen, kommen aus dem Unterleberberg», freut sich Rebekka Matter. Das zeige auch eine gewisse Nachhaltigkeit. «Gerade in der Jugendarbeit lassen sich Erfolge schlecht messen. Aber dass so viele der Jugendlichen bleiben und selbst Verantwortung übernehmen zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»

«Viel läuft in der Jugendarbeit über persönliche Gespräche und persönliche Beziehungen, die daraus entstehen», weiss Jugendarbeiterin Lea Jakob. Gerade die Sommerlager seien sehr wichtig für die Beziehungspflege. Immer wichtiger werden zudem die neuen Medien wie Facebook, Internet und Whatsapp.

Jaul ist immer wieder bei speziellen Dorf- oder Vereinsanlässen vor Ort. «Wir sehen uns auch nicht als Konkurrenz zu den Vereinen, sondern als Ergänzung», meint Rebekka Matter. Beliebt ist beispielsweise das Jaul-Mobil, das vor rund zwei Jahren eingerichtet werden konnte. Dies ist ein Anhänger voller Spielmaterial, der auch gemietet werden kann.