Justizvollzugsanstalt Schachen
Peter Gomm: «Viele Leute haben eine falsche Vorstellung vom Vollzug»

Gegen den Begriff «Luxusknast» im Zusammenhang mit der neuen Justizvollzugsanstalt Schachen wehrt sich Regierungsrat Peter Gomm. Viele Leute hätten einfach eine falsche Vorstellung vom Vollzug.

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Peter Gomm bei der Eröffnung der JVA Schachen

Peter Gomm bei der Eröffnung der JVA Schachen

Hanspeter Bärtschi

Peter Gomm, am Dienstag haben sie den Neubau vorgestellt, kurze Zeit später kursierte im Internet bereits Unmut über den «Luxusknast». Was antworten sie darauf?

Peter Gomm: Dieser Vorwurf ist ganz und gar unbegründet. Dieses Gefängnis ist funktional und schnörkellos gebaut. Viele Leute haben eine falsche Vorstellung vom Vollzug. Sie glauben, die Täter seien einfach «drin» und würden hinter Schloss und Riegel «aufbewahrt». In der JVA sind und werden Massnahmen an Straftätern mit schweren psychischen Problemen vollzogen. Wir wissen genau, dass die Schweizer Therapieansätze etwas vom effektivsten sind. Die Resozialisierungsquote ist bei uns ungleich höher als im Ausland. Es lohnt sich, dass man in Massnahmen investiert und versucht, die Leute wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Das macht letztlich die Gesellschaft sicherer.

Die 180 000 Franken für «Kunst im Knast» wurden heftig kritisiert. Dafür, dass die Zellen im Schöngrün mit 6 Quadratmetern die Menschenrechtskonvention verletzen, gab es nie Kritik. Will die Gesellschaft lieber strafen als resozialisieren?

Das Grundanliegen der Gesellschaft, dass jemand eine angemessene Strafe für das erhält, was er gemacht hat, ist sicher richtig. Deshalb gibt es ein Strafgesetzbuch. Die Leute werden hier eng «an die Kandare» genommen. Trotzdem muss man versuchen, mit ihnen Perspektiven zu entwickeln, weil sie irgendwann ja wieder rauskommen. Es muss im Interesse aller liegen, dass Freigelassene dann in einer Verfassung sind, die die Sicherheit der Gesellschaft gewährleistet.

Sie stehen auf dem Boden des Schachens. Als Sozialdirektor sind Sie derzeit mit der Entschädigung administrativ Versorgter beschäftigt. Ein weniger schönes Kapitel – auch im Schachen. Denken Sie hier daran?

Selbstverständlich kommen einem diese Schicksale hier in den Sinn. Es war eine Zeit, in der jeder Kanton Einrichtungen betrieben hat, wo rückblickend Unschönes und Unrecht passierte. Heute geht es für diese Betroffenen um Gerechtigkeit und Rehabilitation. Bund und Kantone stehen hier in der Pflicht. Mit der Einrichtung von Anlaufstellen und der Beteiligung am Soforthilfefonds konnten wir bislang wichtige Schritte tun.

Nun haben Sie aber auch psychisch gestörte Täter hier, die eine «kleine Verwahrung» erhielten. Ihnen nimmt man im Interesse der öffentlichen Sicherheit auf unbestimmte Zeit die Freiheit. Daran gibt es auch Kritik.

Der Unterschied besteht darin, dass hier und heute Menschen aufgrund eines richterlichen Urteils anstelle einer Strafe eine Massnahme verbüssen. Sie sind Täter, nicht Opfer. Gerade bei Leuten mit psychischen Schwierigkeiten, die eine Massnahme nach Art. 59 vollziehen müssen, hat der Vollzug einer erfolgreichen Therapie einen grossen Einfluss auf die Sicherheit der Gesellschaft. Wir sind letztlich der Sicherheit verpflichtet. Die Menschen reagieren sehr sensibel auf Unstimmigkeiten in diesem Bereich.

Interview: Lucien Fluri