Selzach
Peter Brudermann geht mit Leidenschaft in den nächsten Wahlgang

Der Berufsschullehrer und Maschineningenieur Peter Brudermann will Selzachs Gemeindepräsident werden – und die Dorfbevölkerung mehr in die Politik einbinden.

Urs Byland
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Gemeindepräsidentenkandidat Peter Brudermann gibt in allen Bereichen seines Lebens Vollgas.

Gemeindepräsidentenkandidat Peter Brudermann gibt in allen Bereichen seines Lebens Vollgas.

Hansjörg Sahli

Peter Brudermann ist leidenschaftlich. Sei es bei der Arbeit als Berufsschullehrer, sei es beim Hobby Schiessen oder – so kennen ihn die Selzacherinnen und Selzacher – sei es als Gemeinderat in der Politik. «Ich bin manchmal auch ein Heisssporn», und das ärgere ihn bisweilen selber. Haben ihm deshalb die Selzacher das Vertrauen für weitere vier Jahre im Gemeinderat nicht gegeben?

Trotz verlorenem Sitz kündet Peter Brudermann im Frühling am Tag der Gemeinderatswahlen sofort an, dass er fürs Gemeindepräsidium kandidieren will. Im 1. Wahlgang landet er abgeschlagen auf dem letzten Platz der drei Kandidierenden. So ist Peter Brudermann. Kriegt er einen Schlag auf den Kopf, steht er umso stärker wieder auf.

«Ich bin kein Diplomat»

Brudermann gibt zweifelsohne Gas und er hat eine Meinung. Die er zudem kundtut, auch wenn diese ihm schadet. «Ich bin kein Diplomat.» Keine Eigenschaft, die einem Gemeindepräsidenten schmeichelt. «Ich habe sehr erfolgreich das Präsidium des Schützenvereins ausgeführt», wehrt er sich. «Dieser wollte sich auflösen.

Heute arbeiten drei der damaligen Vorständler wieder im Vorstand des anderen Schützenvereins mit.» Die Sitzungen habe er bestimmt geführt, aber immer die anderen miteinbezogen. Unreife Geschäfte habe er vertagt, damit nochmals darüber nachgedacht werden konnte. Bei reifen Geschäften habe er Druck gegeben. «Wenn mal etwas falsch war, kann man eine Erkenntnis daraus nehmen und korrigieren, aber wenn man überhaupt keinen Weg geht, dann kommt man nicht vorwärts.» Der gebürtige Selzacher will die Dorfbevölkerung vermehrt in die Gemeindepolitik einbinden und direkt Betroffene als Referenten in den Gemeinderat einladen. Heute sei das nicht mehr der Fall.

«Mache nicht die Faust im Sack»

Gas gibt Brudermann auch im Gespräch am Treffpunkt beim Sängeli an der Aare. Es hätte auch die Hasenmatt sein können, wenn es nach ihm gegangen wäre. Mit dem Velo kommt er angebraust und nach dem Gespräch wird er über die Aare schwimmen. Ein, zwei Fragen und er legt los. Da spricht einer, der gerne redet und etwas zu sagen hat. Etwa zum Kandidatenkarussell in Selzach. «Ich hätte von den anderen Parteien andere Kandidaturen erwartet. Aber ich mache nicht die Faust im Sack, sondern stelle mich halt selber der Wahl. Das war schon bei der Regierungsratswahl so», berichtet er von seinem früheren Wirken.

Er wolle punktuell Einfluss nehmen. «Ich habe das Gefühl, damit etwas bewirken zu können.» Sturheit lässt er sich nicht vorwerfen und auch in den Vordergrund will er sich nicht stellen. «Ich habe klare Vorstellungen und ich habe wahnsinnig Mühe, wenn nicht mit Argumenten gekämpft, sondern aus einer Machtposition heraus argumentiert wird.» Er sei erstaunt, wie unsystematisch und unlogisch in der Politik oft entschieden werde. «Ich kann resignieren und aufgeben, dann gebe ich aber auch das auf, woran ich von Herzen glaube und wovon ich überzeugt bin. Die andere Möglichkeit ist es, solange für etwas zu kämpfen, als ich auch etwas bewirken kann.» Als Beispiele nennt er seine Eingaben im Gemeinderat. «Heute haben wir eine Vereinsunterstützung, heute wird auch im Dorf von alternativen Energien gesprochen.»

«Bin überzeugter linker Schütze»

Brudermann gibt auch im Beruf alles und unterrichtet 28 Lektionen am Bieler Berufsbildungszentrum diverse Maschinenbaufächer. Ein Vollpensum wären 26 Lektionen. Die Familie soll auch nicht zu kurz kommen. Drei Kinder, eines aus erster Beziehung, halten ihn in Schuss, denn die jüngere der beiden Töchter wie auch seine Frau teilen sein Hobby, das Schiessen. Dort setzt er freiwillig rund 200 Stunden für die Nachwuchsförderung ein, wobei seine Töchter und seine Frau intensiv mitmachen. «Ich bin ein voll überzeugter linker Schütze.»

Den Mädchen wünscht er aber weitere Erfahrungen als nur das Schiessen. «Das Schiessen ist eine Seite des Lebens. Wenn man jung ist, sollte man mehrere Seiten des Lebens kennen lernen.» Auch im Schiessen drückt seine Leidenschaft für die Sache durch. Weil der bisherige Schiessverein nicht leistungsorientiert genug war, machte Brudermann «was in der Politik nicht gehen würde», wie er selber sagt. Er gründete einen neuen Schiessverein. «Wir haben uns abgespalten. Da bin ich konsequent. Wenn ich das Gefühl habe, es geht nicht, mache ich das selber.»

Eigentlich ist Brudermann ein SPler. In Selzach wollte man ihn aber vor vier Jahren nicht als Kandidat fürs Gemeindepräsidium unterstützen. Er trat aus der Ortspartei aus und gründete eine eigene Liste. Kantonal ist er immer noch Mitglied der SP. Vor einem Jahr fragte er die SP wegen einer Listenverbindung für die Gemeinderatswahlen an und er erhielt eine Absage. «Ich werde als schwierige Person angeschaut, ausser von denen, die mit mir arbeiten.»