Region
Pascal Troller kämpft für Industrie-Denkmäler

Im Lokdepot Balsthal die letzte 3-achsige Dampflokomotive der ehemaligen Centralbahn restaurieren und wieder fahrtüchtig machen. Das Ziel von Pascal Troller ist ehrgeizig, aber realistisch. Der Egerkinger will dafür sein Beziehungsnetz nutzen.

Andreas Toggweiler
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Pascal Troller vor dem Depot der Oensingen-Balsthal-Bahn. Hanspeter Bärtschi

Pascal Troller vor dem Depot der Oensingen-Balsthal-Bahn. Hanspeter Bärtschi

Pascal Troller ist in der Szene der Dampflok-Freunde kein Unbekannter. Der 57-Jährige ist in Zürich aufgewachsen und hat seine Wurzeln in Starrkirch-Wil. Letztes Jahr ist er in seinen Heimatkanton Solothurn zurückgekehrt und wohnt jetzt in Egerkingen. Troller hat sich einen Namen gemacht mit seinem Engagement für die Rettung von historischen Kulturgütern und der Restauration von Dampflokomotiven, für die Brünig-Dampfbahn und für den Erhalt des Lokdepots Koblenz als Museum. Auch die Winterthurer «Nagelfabrik» bewahrte er samt den historischen Maschinen zusammen mit dem Industriehistoriker Hans-Peter Bärtschi vor dem Abriss. Und schliesslich gehört er zu den treibenden Kräften hinter der Informationsplattform für schützenswerte Industriekulturgüter der Schweiz (ISIS).

«Ich war schon als Bub von Dampflokomotiven fasziniert», erzählt Troller. Als anfangs der 1960er-Jahre die Dampfrösser allmählich von den Schweizer Schienen verschwanden, nahm er sich vor: «Ich will einmal eine Dampflok besitzen.» Bis es so weit war, sollte allerdings längere Zeit vergehen. Troller machte eine Lehre als Buchdrucker und hat auch in dieser Branche den technologischen Wandel vom Bleisatz zum Computer erlebt. In Zürich war auch er als 20-Jähriger Zeuge des Untergangs der Industrie, und sah, wie mächtige Industriedenkmäler verschwanden und Dampfmaschinen verschrottet wurden, was ihm einen Stich ins Herz gab. Der Gedanke, Industriedenkmäler zu retten, setzte sich in ihm fest.

1996 bekam er seine erste Dampflok «geschenkt», allerdings mit der Auflage, sie zu erhalten. Troller erlebte, was das heisst: Mittelbeschaffung, Trägerschaft organisieren, einen Platz für die Remisierung suchen. Das Projekt «Dampflok Schwyz» gelang und die Maschine, die letzte erhalten gebliebene Dampflok der Südostbahn aus dem Jahr 1887, verkehrt seither für die Dampfbahn Zürcher Oberland.

Das positive Erlebnis und die geknüpften Kontakte veranlassten Troller schliesslich, aus der Berufung einen Beruf zu machen. Inzwischen ist er als Networker für den Erhalt von industriellen Kulturgütern unterwegs.

Die Restaurierung der Nordostbahn (NOB)-Lok Nr. 456 aus dem Jahr 1894 ist zurzeit im Lokdepot Balsthal im Gange. Geplant sind noch zwei weitere Loks, die SBB 8551 und die Dampflok der Schweizerischen Centralbahn SCB 41.

Troller möchte dafür die Zusammenarbeit mit dem Depot Balsthal bzw. der Dampflokgruppe intensivieren. «Man könnte die Restaurationsfortschritte regelmässig an Publikumsanlässen zeigen», schlägt er vor. Ist die SCB 41 fertig, könnte sie dort für Publikumsfahrten genutzt werden.

In Balsthal ist bereits eine Mallet-Lokomotive der SBB-Historic, die SCB 196 der damaligen Centralbahn remisiert. Die SCB 41, die nach langen «Irrwegen» zu Troller gelangte, möchte er dereinst dem Verkehrshaus schenken, verbunden mit der Auflage, dass unter anderem regelmässig auf dem Streckennetz der ehemaligen Centralbahn auf Tournee gehen wird.

Doch soweit ist es noch nicht. Zuerst muss für das Projekt eine Trägerschaft gegründet und die Beschaffung der finanziellen Mittel für die Instandstellung der SCB 41 organisiert werden. Troller rechnet mit Projektkosten von 800 000 Fr. «Das ist eine grobe Schätzung. Je nachdem, wie der Zustand der Maschine ist, können es weniger, aber auch mehr sein.»

Ist eine Trägerschaft gegründet, sei er aufgrund des hohen historischen Wertes dieser Dampflokomotive gerne bereit, seine Beziehungen zu Donatoren, Wirtschaftsvertretern und Stiftungen spielen zu lassen, lässt Troller durchblicken. Denn seine Tätigkeit sei bei den massgebenden Gremien anerkannt.

Insgesamt möchte Troller in den nächsten Jahren noch fünf Projekte realisieren, die eine Finanzierung von rund 3,2 Mio. Fr. erfordern: Der Erhalt der Brünig-Dampfbahn als Verkehrsdenkmal von nationaler Bedeutung, die Dampflok SCB 41, die Dampflok SBB 8551, die Nagelfabrik Winterthur bis 2025 und das Projekt Isis (4. Etappe Zentralschweiz). «Die Realisierung dieser Projekte und somit der Erhalt der Objekte wird unmittelbar von mir abhängig sein», betont er.

Er gehe davon aus, dass mit Lotteriefondsbeiträgen von jeweils einem Drittel der Projektkosten gerechnet werden könne. Für das zweite Drittel setzt Troller auf die bisherigen privaten Stiftungen, die Wirtschaft und allfällige weitere Donatoren. «Ich werde voraussichtlich rund 1,9 Mio. Fr. sicherstellen können», erklärt Troller. Für das letzte Drittel wird er – Stand heute – einen neuen Weg suchen müssen.

Troller ist sich bewusst, dass inzwischen schon einige Dampfbahnen und Industriemuseen existieren. Der Markt ist jedoch nicht unbegrenzt. «Die Finanzierung und der Erhalt historischer Kulturgüter wird im aktuellen finanzpolitischen und gesellschaftlichen Umfeld zunehmend schwieriger», stellt er fest. Es genüge nicht mehr, einfach ein paar Stiftungen oder Firmen anzuschreiben.

Umso wichtiger sei eine Zusammenarbeit mit anerkannten Persönlichkeiten auf dem Gebiet der Erhaltung historischer Kulturgüter, wie Historikern, Denkmalpflegern oder Politikern, weiss der Networker aus eigener Erfahrung. «Ich habe mittlerweile einige wertvolle Kontakte und weiss relativ genau, worauf diese Personen Wert legen.»

Positiv sei beispielsweise seine Zusammenarbeit mit alt Regierungsrat Georg Hess verlaufen. Dem ehemaligen Schwyzer Baudirektor und SOB-Verwaltungsratspräsident hat Troller nicht zuletzt die Restaurierung und der Erhalt der Dampflok «Schwyz» zu verdanken.

Leider gebe es aber in der Schweiz auf diesem Gebiet auch immer wieder unkoordinierte Alleingänge, welche wertvolle finanzielle Mittel absorbieren und letztlich trotzdem zum Scheitern verurteilt sind.

Um das Projekt für die Centralbahn-Lokomotive Nr. 41 aufzugleisen, verbleiben Troller noch etwa drei Jahre. So lange kann die rostige Veteranin in Emmenbrücke untergestellt werden.

Infos unter www.pascaltroller.ch