Luterbach

Orgelbauer Pierre Barré: «Jede Orgel ist ein Unikat»

Orgelbauer Pierre Barre beim reinigen der Orgelpfeifen.

Orgelbauer Pierre Barre beim reinigen der Orgelpfeifen.

Das 71 Jahre alte Musikinstrument in der katholischen Kirche wird revidiert. Zuständig dafür ist Pierre Barré, der dafür rund 600 Arbeitsstunden benötigt.

Wie eine Werkstatt sieht gegenwärtig die Orgelempore in der Kirche Luterbach aus. Ausgebaut aber ordentlich in Reih und Glied stehen und liegen die Orgelpfeifen, die vom Staub nach der letzten Revision im Jahr 1978 gereinigt und auch äusserlich blank geputzt sind.

Dazwischen stechen Werkzeugkisten ins Auge, deren Inhalt bei den verschiedenen Revisionsschritten gebraucht wird. «Wenn alle Pfeifenkörper, die man nach Lippen- und Zungenpfeifen unterscheidet, wieder eingebaut sind, werden aufmerksame Musikfreunde vielleicht - verglichen mit diesem Frühjahr - einen brillanteren Klangcharakter heraushören», sagt Orgelbauer Pierre Barré.

Kurztrip nach Japan

Obwohl jede Orgel ein Unikat sei, das in Aufbau und Aussehen (Prospekt) in den zur Verfügung stehenden Raum massgeschneidert eingepasst ist, sei ihm jedes Bauprinzip vertraut. Unlängst noch revidierte er die grosse, durch den Brand in Mitleidenschaft gezogene Domhauptorgel in St. Urs. Sogar im japanischen Kawasaki bedurfte man kürzlich seiner Hilfe bei der Reparatur einer Orgel, die durch Erdbeben-Folgen beschädigt war. Als Orgelbauer müsse man eben mit der gesamten Funktionsweise der Kircheninstrumente, mit ihren heute elektrisch betriebenen Gebläsen und dem ebenfalls elektrisch übertragenen Tastendruck auf die Pfeifen selbstständig zurecht kommen.

Der Elektroniker in ihm hat in der Luterbacher Kirche denn auch alle Anschlüsse und Kabelverbindungen, die den doppelmanualigen Spieltisch nebst Fusspedalreihe über die sogenannte Traktur mit dem Orgelwerk verbinden, überprüft und teilweise erneuert. Kurz demonstriert Barré, wie die 20 Registerzüge Lautstärke, Klangfarben und Toneffekte verändern können. Dies ist abhängig vom Material der Pfeifenkörper - ob Metalllegierung oder Holz - und von Schwingung oder Vibration der Pfeifen, deren Grösse am Luterbacher Instrument von 15 Millimeter bis 2,5 Meter reicht.

Für den Laien erweist es sich als wahre Wissenschaft, wie Form, Grösse, Lippen- und Zungenöffnungen sowie Registerkombination in der Luterbacher Orgel 70 unterschiedliche Stimmen erzeugen. Bekannt ist, dass sehr grosse Orgeln über mehrere Tausend Pfeifenkörper verfügen.

Grosses Orgelfest am Dreikönigstag

Wenn Pierre Barré alle Bestandteile wieder zusammengebaut hat, findet auf der Frequenz von 440 Hertz das «Nachintonieren» statt, mit dem alle Pfeifen stimmlich eingepasst werden. Da Zungenpfeifen empfindlich auf Temperaturschwankungen reagieren, sollte eine Orgel zwei Mal jährlich gestimmt werden, empfiehlt der Fachmann, der das Luterbacher Kirchenmusikinstrument bereits 15 Jahre kennt und wartet. Nach der Revision will die Gemeinde am Dreikönigstag ein grosses Orgelfest feiern.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1