Was ist das überhaupt: Décolletage? «Die wesentliche Operation ist das Drehen. Darunter versteht man die spanabhebende Bearbeitung eines Werkstücks mithilfe eines härteren Werkzeugs, wobei sich das Werkstück oder das Werkzeug dreht.» So lautet die Erklärung eines Ingenieurs. Was das für Werkstücke sind und wo sie überall eingebaut werden, zeigt die heute eröffnete Ausstellung «Décolletages in unserem Dorf» im Dorfmuseum Turm in Leuzigen.

Überall im Jura und am ganzen Jurasüdfuss gibt es unzählige grosse, kleinere und kleinste Betriebe, die sich dem Drehen von Kleinteilen widmen. In Leuzigen konnte sich diese Branche aufgrund der Nähe zur Grenchner Uhrenindustrie kräftig entwickeln und wurde im Dorf präsent als Arbeitgeberin. Weil das heute nicht mehr ganz so ausgeprägt ist, hat sich der Verein Heimatpflege Leuzigen (VHL) entschlossen, die Ausstellung «Décolletages in unserem Dorf» zu organisieren.

Der Verein kümmert sich seit 2002 um die Dorfgeschichte, indem er Dokumente, Gegenstände und Informationen aufbewahrt, aufbereitet und sie der Bevölkerung zugänglich macht. Als Ausstellungslokal dienen Räume im ehemaligen Schulhaus mit dem weitherum sichtbaren Turm.

Tritt man in die aktuelle Ausstellung ein, so wähnt man sich in einem echten, kleinen Décolletage-Betrieb. Man schaut zuerst in ein Büro, in dem eine Hermes-Schreibmaschine und eine Précisa-Rechenmaschine stehen, und passiert dann eine Stempeluhr, die wie viele weitere Geräte mit dem Hinweis versehen ist, dass sie mit Leuziger Drehteilen laufen. Das Besondere daran: Man darf die Geräte im Büro und noch weitere eigenhändig bedienen. «Das ist für uns ein grosses Anliegen. Man soll nicht nur sehen, sondern ein Stück weit auch buchstäblich begreifen können, worum es geht», erklärt Peter Guntern, Ausstellungsmacher und VHL-Vizepräsident.

Im Hauptraum stehen Drehbänke, darüber hängt eine Transmissionseinrichtung, mit der mehrere Maschinen angetrieben werden können. Man kann Rohmaterial befühlen, betrachten, was daraus alles durch Abheben von Spänen hergestellt werden kann. Ergänzend stehen dabei alle erdenklichen Produkte – bei weitem nicht nur Uhren –, in denen die Kleinteile dann eingebaut werden.

Ermöglicht wurde die Ausstellung, weil alle bestehenden und ehemaligen Betriebe sich bereit erklärten, sich nicht nur vorzustellen und tatkräftig mitzuhelfen, sondern auch Anschauungsmaterial zur Verfügung zu stellen. «Das wäre vor Jahren noch undenkbar gewesen», sagt Peter Guntern, «denn über allem stand die Wahrung des Betriebsgeheimnisses.»

Zu erfahren ist in der Ausstellung ferner einiges über die Entstehung und Entwicklung der Décolletage und über die Menschen dieser Branche. Décolleteure seien in gewissen Zeiten, wenn sie in ein Gasthaus eintraten, nicht mit dem Namen angesprochen worden, sondern als die «Herren Décolleteure».

Man konnte sie riechen, weil sich der Geruch von Kühlmittel in ihren Kleidern festgesetzt hatte. Sie wurden als technisch begabte Künstler geachtet, denn sie stellten die Schneidewerkzeuge selber her und hielten alles streng geheim. Dank der Ausstellung in Leuzigen ist das nun nicht mehr so.

Ausstellung: Sonntags 14 bis 16 Uhr offen (bis 26. Juni 2016); auf Anmeldung auch ausserhalb dieser Zeit, Telefon 032 679 35 67 (Kaiser) oder 032 679 32 77 (Guntern).