Die Spezialkommission «Räumliche Entwicklungsstrategie» lud am vergangenen Montag zur öffentlichen Werkstatt ins Mehrzweckgebäude Pieterlen ein. Rund 50 Einwohner erhielten Einblick in die bereits entwickelten Strategien, konnten sich dazu äussern und eigene Ideen einbringen.

«Man kann so richtig spinnen», meinte Christoph Scholl, stellvertretender Bauverwalter, als es darum ging, über die geplanten und gewünschten Vorhaben in Hinsicht räumliche Entwicklung des Dorfes zu diskutieren. In sechs Gruppen dachten die Anwesenden darüber nach, was dazu getan werden könnte, dass die Gemeinde, vor allem im Zentrum und an gewissen neuralgischen Punkten attraktiver wird. Was geschieht mit der alten und zum Teil ungepflegten Bausubstanz in der Dorfmitte? Wie sieht es mit genügend Parkplätzen beim Ärztezentrum aus? Was kann man tun, das sich wieder neues Gewerbe ansiedelt? Dies sind nur einige der Fragen, welche die Besucher beschäftigte.

20 Prozent mehr in 8 Jahren

Der Druck auf die Gemeinde ist gross. In den vergangenen Jahren entstanden zahlreiche Mehrfamilienhäuser und somit stieg die Einwohnerzahl stark an und wird weiter steigen, da noch einiges an Immobilien im Bau und in Planung ist. Bis 2035 rechnet man mit einer Bevölkerungszahl von 5500 (heute 4417). Es existieren nur noch wenig Freiräume und Grünflächen innerhalb des Siedlungsgebietes. Der Gemeinderat hat in der laufenden Teilrevision der Ortsplanung beschlossen, kein weiteres Land in die Bauzone aufzunehmen. Die noch vorhandenen bebaubaren Flächen befinden sich alle in privater Hand.

Seit rund einem Jahr beschäftigt sich die Spezialkommission mit Unterstützung von Fachplanern damit, wie in den Bereichen Siedlungs-, Landschafts- und Mobilitätsentwicklung in Zukunft das Dorf gestaltet werden könnte. Die Gemeinde möchte mit dieser Strategie, welche bis Ende 2019 vorliegen sollte, vor allem die qualitative Entwicklung des Dorfes steuern. Wichtige Punkte wie die Busverbindung nach Biel, Erhalt und Förderung von Einkaufsmöglichkeiten sowie die optische Verbesserung des Ortes stehen dahingehend auf der Agenda.

«Neue Mitte» als Leugenehäftli?

Eine ca. 4 ha grosse noch unverbaute Fläche östlich der Bahnhofstrasse stellten die Planer als «Neue Mitte» zur Diskussion. Die meisten Anwesenden möchten diese als Freiraum belassen und als Erholungs- und Begegnungsraum gestalten. Da dieses Gebiet an der Leugene liegt, wurde jene kurzerhand in die Planung mit einbezogen und die Idee für die Realisierung eines Leugenehäftlis entstand. Allgemein kam bei den Diskussionen der Wunsch nach mehr Grün im Dorf auf. Bäume entlang der Strasse, das Aufstellen von Pflanzkübel auf dem Trottoir und die Umnutzung der gemeindeeigenen Grünanlagen als Blumenwiese könnten mehr Farbe und auch eine höhere Artenvielfalt an Insekten und Vögel ins Dorf bringen.

Ein Pionier der Raumplanung

Mitgeplant hat am Montagabend auch Alfred Rentsch. Er kam 1956 als Sekundarlehrer nach Pieterlen, war hier 12 Jahre Gemeindepräsident und massgebend an der ersten Ortsplanung 1966 beteiligt. Für ihn als älteren Bürger ist eine durchgehende Busverbindung ins Zentrum von Biel eine wichtige Lebensader, zumal es immer weniger Einkaufsmöglichkeiten im Dorf gibt.