Vreni Antener hat den ganzen Tag kaum etwas gegessen, zu gross war die Aufregung. „Immerhin kann ich wieder entspannt schlafen", sagt sie. Nun sitzt die Bäuerin neben ihrem Mann Simon in einer vornehmen Residenz mitten in der Berner Innenstadt. Seit wenigen Minuten haben die Anteners Gewissheit: Der Schweizer Orden der Odd Fellows wird sich mit 80 000 Franken an ihrer neuen Aarefähre beteiligen.

Eine dicke Spende. Für die Odd Fellows ist das eine „gemeinnützige Geste" und freilich auch eine Gelegenheit, um auf sich aufmerksam zu machen. Für die Bauernfamilie ist die Spende noch ein wenig mehr: Sie sichert ihrem Betrieb auf dem Aareinseli bei Nennigkofen die Zukunft.

Kurz nach Weihnachten war es vorbei mit der Ruhe auf dem Inseli. Die Polizei forderte die Familie Antener auf, ihre Fähre bis Ende Januar aus dem Verkehr zu ziehen. Nach massiven Protesten darf das schwimmende Unikum vorläufig noch für Materialtransporte vom Festland zum Inseli eingesetzt werden. Anfang August soll es definitiv ausgemustert werden, dann wird nämlich die neue Fähre aus einer holländischen Werft eintreffen.

„Bijou muss erhalten bleiben"

Die Odd Fellows haben sich einiges einfallen lassen, um ihren Spendenscheck an Vreni und Simon Antener zu übergeben. Der Festsaal im Berner Logen-Sitz ist festlich geschmückt, von der Decke baumeln edle Leuchter.

Den Besuchern wird Beinschinken mit Kartoffelsalat serviert und natürlich darf auch ein wenig Selbstbeweihräucherung nicht fehlen: Die Odd Fellows lassen Fernsehbeiträge über ihre Organisation einspielen und machen sich in einem Podiumsgespräch gleich selbst zum Thema. „Tue Gutes und sprich darüber", lautet der Grundtenor an diesem Abend.

Wie haben es die Odd Fellows in knapp zwei Monaten geschafft, 80 000 Franken zu sammeln? „Wir haben alle 32 Logen in der Schweiz in einem Bettelbrief um Spenden gebeten", erklärt Richard Mühlemann. Die Logen in den Aare-Städten hätten dabei besonders fleissig gespendet. Auch wenn der Altmeister der Berner „Albrecht-Haller-Loge" davon nichts wissen will: Ihm ist es wohl zu verdanken, dass sich die Odd Fellows überhaupt für die neue Fähre eingesetzt haben. „Als ich vom Schicksal des Inselis gehört habe", berichtet Mühlemann, „stand für mich fest, dass dieses Bijou erhalten bleiben muss."

Grosse Solidarität

An Unterstützung mangelt es den Anteners nicht. Auf dem Spendenkonto der Gemeinde Lüsslingen-Nennigkofen sind weitere 28 000 Franken zusammengekommen, wie Gemeindeammann Herbert Schluep bestätigt.

Allein die Kosten für Bau und Transport der neuen Fähre belaufen sich auf 100 000 Franken, insgesamt müssen rund 150 000 Franken hingeblättert werden. „Anfang Jahr dachte ich, dass wir bald untergehen", erzählt Vreni Antener mit feuchten Augen. „Aber nun haben wir wieder Oberwasser."