Nach Feierabend tummeln sich im Zuchwiler Zentrum alle Arten von Verkehrsteilnehmern: Für den Schwerverkehr wird die Hauptrasse in Stosszeiten zum Autobahnzubringer, für Pendler zur Durchleitungsachse ins Wasseramt. Hinzu kommt der hausgemachte Verkehr; Schüler radeln nach Hause, Senioren oder junge Mütter schieben Rollator oder Kinderwagen zum Migros und Coop.

Strasse, Veloweg und Trottoir sind im Ortskern stark frequentiert. Rund 8500 Fahrzeuge sind im Durchschnitt täglich zwischen Stadtgrenze und Martinshof unterwegs. Die Zahl hat gemäss kantonaler Verkehrszählung zwischen 2005 und 2010 zugenommen. Eine flüssige Autofahrt mit Tempo 50 scheint unmöglich.

«Möglichst hohe Sicherheit»

Verbessert hat sich die Situation seit den flankierenden Massnahmen zur Autobahn A5 vor bald zehn Jahren. Neue Fussgängerstreifen mit Inseln und breitere Trottoirs drosseln das Tempo. Seitdem sei nur ein schwerer Unfall passiert, sagt Zuchwils Bauverwalter Peter Baumann.

Bald könnten jedoch nicht nur Strassenverengungen, sondern auch das Gesetz die Autofahrer zur gemächlichen Fahrt zwingen. «Eine Temporeduktion wäre sinnvoll, um während 24 Stunden eine möglichst hohe Sicherheit zu gewährleisten», sagt Baumann. Er bestätigt, dass für den Abschnitt zwischen dem Kinder- und Jugendzentrum Kijuzu und dem Martinshofkreisel Tempo 30 geprüft werde. Aufgrund der starken Nutzung von Kindern und Velofahrern bleibe auf diesem Abschnitt zwar ein Unfallrisiko bestehen.

Doch mit 20 Stundenkilometern weniger auf dem Tacho ergebe sich einfach eine bessere Situation. Zudem hätte man gegen die vereinzelten Raser am Abend «etwas in der Hand».

Nach absolviertem Tempotest nimmt der Bauverwalter gestressten Seelen den Wind aus den Segeln: Mit Tempo 30 büsse man im Ortskern 10 bis 12 Sekunden ein. «Diese können andernorts leicht aufgeholt werden.»

Kanton entscheidet

Ob Tempo 30 auf der Hauptstrasse überhaupt eine Chance hat, bleibt offen. Zwar dürfte sich die Opposition im Gemeinderat in Grenzen halten. Doch laut Rolf Ziegler vom Amt für Verkehr und Tiefbau müssten gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, bevor auf einer Kantonsstrasse Tempo 30 eingeführt werden kann. Auf übergeordneten Strassen mit Durchleitungsfunktion gelte im Normalfall Tempo 50. Anders sieht es in den Siedlungen aus, wo in Zuchwil bereits flächendeckend Tempo 30 gilt. «Ob auch auf der Hauptstrasse Handlungsbedarf besteht, muss ein Verkehrsgutachten zeigen», so Ziegler. Damit müsse belegt werden, dass die Sicherheit nur mit reduziertem Tempo gewährleistet werden könne.

Kein Thema in Zuchwil ist eine Begegnungszone wie in Grenchens Zentrum. Dort wurde die Kantonsstrasse in eine Gemeindestrasse umgewandelt, seitdem gilt im Bereich des Coop Tempo 20. Auch ein Tempo-30-Regime ohne Fussgängerstreifen, wie es die Gemeinde Köniz erfolgreich eingeführt hat, wurde laut Baumann geprüft, jedoch fallen gelassen. «Die schwächeren Verkehrsteilnehmer wünschen sich gesicherte Übergänge.»