Breitenbach

Nostalgischer Schwarzbube taucht für SRF in die «Belle Epoque» ein

Alte Schule: Christian Thalmann trifft man in Breitenbach meist auf dem Militärvelo. Ein Auto besitzt er nicht.

Alte Schule: Christian Thalmann trifft man in Breitenbach meist auf dem Militärvelo. Ein Auto besitzt er nicht.

Kantonsrat Christian Thalmann aus Breitenbach mimt im SRF-Projekt «Anno 1914» einen Buchhalter von damals. «Ich bin ein Nostalgiker, der nicht im Mainstream mitschwimmt», sagt der 40-Jährige.

Hut, Mantel, Militärfahrrad und die Mappe mit dem Schwarzbubenkleber sind die ständigen Begleiter von Christian Thalmann (40). So kennt man ihn seinem Wohnort Breitenbach, den FDP-Kantonsrat, den Leiter Finanzen und Buchhalter der Bandfabrik, den gründlich analysierenden Finanzchef im Gemeinderat.

Die Kirchgänger nehmen ihn als stimmgewaltigen Sänger des Kirchenchors wahr, während die Zuschauer an der Strassenfasnacht ihn nicht unbedingt hinter der Larve oder dieses Jahr gar hinter einer grausig geschminkten Totenfratze vermuten.

Buchhalter mit Ärmelschoner

Thalmann, der in Breitenbach verwurzelt ist, bodenständigen Schwarzbubendialekt spricht und im Apéroverein am Schmutzigen Donnerstag einmal im Jahr das Fest des Apéros feiert, sagt von sich: «Ich bin ein Nostalgiker, der nicht im Mainstream mitschwimmt.» Ein Auto besitzt er nicht, da sind ihm die Fahrten mit Militärvelo und obligatem Hut viel zu lieb, genauso wie seine alte Hermes-Schreibmaschine, auf die der nur vordergründig zahlenorientierte Finanzfachmann geistreiche, witzige Passagen für eine Ansprache hineinhackt.

Und blickt man im Entree zu seinem Büro in der Bandfabrik auf das wunderbare Biedermeiersofa mit dem klassischen Stehpult, kann man Thalmanns Passion für die Zeit vor 100 oder 200 Jahren durchaus nachvollziehen, wenn er kommentiert: «Damals trugen alle Hüte und die Buchhalter noch Ärmelschoner.»

Dass Christian Thalmann bald einmal auch an einem Stehpult stehen wird, ist purer Zufall. Eine «Schweiz aktuell»-Sendung, die Protagonisten für die SRF-Zeitreise «Anno 1914: Leben wie vor hundert Jahren» suchte, packte den Nostalgiker derart, dass er sich spontan um die Rolle des Buchhalters in der Weberei Grünthal im Zürcher Oberland bewarb.

«Als Leiter Finanzen der Bandfabrik Breitenbach in einer Region, wo früher die Posamenterei mit ihren wunderbaren ‹Syydebändel› heimisch war, und als gelernter Buchhalter elektrisierte mich das Fernsehprojekt», erklärt Thalmann.

«Witziger» Dialekt kam gut an

«Dass ich es aus der Schar der 60 letztlich zum Casting eingeladenen Männer, Frauen und Jugendlichen in die Traumrolle als Buchhalter geschafft habe, erfüllt mich mit riesiger Freude», bekennt er.

Man habe beim Casting seinen Dialekt als «witzig» empfunden; mit dieser Chance hoffe er, das immer wieder beklagte «Medienloch Schwarzbubenland» etwas auffüllen zu helfen. Die Vorfreude auf die Dreharbeiten ist ihm jedenfalls trotz der breiten Hutkrempe ins Gesicht geschrieben: «Dafür lasse ich mir Haare und Oberlippenbart wachsen und nehme noch so gerne zwei Wochen Ferien», sagt er lachend.

Ausgestrahlt wird «Anno 1914» ab 4. August auf SRF 1 jeweils um 19.10 Uhr, im Anschluss auf die verkürzte Sendung «Schweiz aktuell».

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