Horriwil

Niemand wollte Horriwiler Millionenvilla ersteigern

Das Landhaus an der Hauptstrasse in Horriwil ist zurzeit unbewohnt.

Das Landhaus an der Hauptstrasse in Horriwil ist zurzeit unbewohnt.

Weil sich der Besitzer eines luxuriös umgebauten Bauernhauses stark verschuldete, kam das Haus unter dem Hammer. Die Steigerung verlief jedoch ohne Erfolg. Niemand wollte die Millionenvilla kaufen.

Exakt 13 Minuten dauerte gestern für fünf anwesende Beobachter die Grundstücksteigerung im Sitzungszimmer 15 auf dem Betreibungsamt Region Solothurn. Danach verkündete Gerhard Winistörfer, Leiter des Betreibungsamtes, nach dreimaligem Ausruf: «Kein Angebot. Die Liegenschaft bleibt im Besitz der Muri Immobilien AG mit Sitz in Niederwangen.» Unter den Hammer kam das in ein luxuriöses Landhaus umgebaute Bauernhaus an der Hauptstrasse 47 mit Nebengebäuden und Autounterstand sowie ein benachbartes unbebautes Grundstück mit 10 Aren.

Notenstein gab Kredite

Die Besitzerin der Grundstücke, die Muri Immobilien AG mit Sitz im bernischen Niederwangen, hatte das Anwesen 2009 gekauft und anschliessend in das heutige Landhaus mit Swimmingpool umgebaut, wie die Sonntagszeitung «Der Sonntag» berichtete. Das Ganze wurde finanziert durch die Bank Wegelin, der heutigen Notenstein Privatbank AG, die seit kurzem zur Raiffeisengruppe gehört.

Laut Lastenverzeichnisse beläuft sich die Hypothekarschuld auf 2,138 Millionen Franken, gesichert mit drei Namensschuldbriefen von 2,2 Millionen Franken. Offensichtlich hat sich die Besitzerin übernommen. Im Verzeichnis sind unter anderem offene Rechnungen von Handwerksbetrieben (Küchenbauer, Schreinerei, Baugeschäft) von fast 700000 Franken aufgeführt.

Mindestangebot über Marktwert

Dass niemand die Villa ersteigern wollte, lag am in den Steigerungsbedingungen festgelegten Mindestangebot von stolzen 2,96 Millionen Franken. So viel Wert hat die Liegenschaft nämlich bei Weitem nicht. So liegt etwa die betreibungsamtliche Schatzung bei insgesamt 1,8 Millionen Franken, der Gebäudeversicherungswert bei 2,1 Millionen Franken. Das hohe Mindestangebot rührt daher, dass ein Gläubiger ohne gesetzliche oder vertragliche Grundpfandrechte die Verwertung der Liegenschaft verlangte.

Es war die Eidgenössische Steuerverwaltung als Pfändungsgläubigerin, die gegenüber der Muri Immobilien AG ausstehende Mehrwertsteuerzahlungen von fast 300000 Franken geltend macht. Nach dem Deckungsprinzip müssen alle vorgehenden Forderungen der Pfandrechtsgläubiger mit dem Erlös gedeckt werden, damit ein Zuschlag erteilt werden kann. Und diese betragen eben die erwähnten 2,96 Millionen Franken. Wenn die Bank das Verwertungsbegehren gestellt hätte, dann hätte die Steigerung bei Null begonnen, erläuterte Winistörfer.

So bleibt also die Liegenschaft weiterhin im Besitz der Muri Immobilien AG. Deren Eigentümer wohnte zeitweise in Horriwil. Er war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Inzwischen habe er sich in der Gemeinde aber abgemeldet, sagte Gemeindepräsident Beat Noll. Die Villa steht leer.

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