Ein kleines Inserat im Anzeiger kündigt die Änderung für Biberists Jungbürgerfeier an: «Aufgrund des mangelnden Interesses in den vergangenen Jahren wird auf die Durchführung eines offiziellen Anlasses verzichtet.» Wer das Gelöbnis auf die Kantons- und Bundesverfassung ablegen wollte, musste am vergangenen Montag um 17 Uhr im Büro des Gemeindepräsidenten Martin Blaser erscheinen.

Er wäre bereit gewesen. Der Anzug sass, die roten Bücher und Kugelschreiber lagen fein säuberlich aufgestapelt da. Gewartet hat er vergeblich. Zirka siebzig Jungbürgerinnen und Jungbürger aus Biberist wurden eingeladen – niemand erschien. Martin Blaser räumt ein, dass er «niemanden erwartet habe», da sich die Teilnehmerzahl bereits seit Jahren verringere. 2011 habe Biberist 120 Einladungen an die Achtzehnjährigen verschickt. Dreissig meldeten sich ab, fünf erschienen zur Feier, von 85 habe er nie etwas gehört.

Er präzisiert: «Ich kann verstehen, dass eine Jungbürgerfeier nicht mehr die gleiche Anziehungskraft geniesst wie früher, aber mich stört, dass viele sich nicht abmelden. Das ist eine Frage des Anstands und Respekts.» Hinter dem Fernbleiben der Jungbürger vermutet der Gemeindepräsident ein Überangebot an Partys. Es gebe viele Möglichkeiten sich zu amüsieren, da gehe die Jungbürgerfeier im Kalender unter, erklärt er sich die Situation.

Dass das eigene Angebot zu wenig interessant ist, schliesst Blaser aus. Die Gemeinde habe alles versucht, um die Jungbürgerfeier so attraktiv wie möglich zu gestalten.

Mehr Funktionäre

Vergangenes Jahr hat Biberist sich mit den Nachbarsgemeinden Derendingen und Zuchwil zusammengeschlossen und gemeinsam ein Fest geplant. «Wir organisierten mithilfe der Jugendarbeiter eine grosse Feier im Kofmehl Solothurn, begannen mit einem Apéro, einer Festrede und Abendessen, gefolgt von einem Sketch des Theaters Mausefalle. Nach der Bierschwemme fand ein Konzert statt – ein attraktives Programm könnte man meinen. Erschienen ist trotzdem nur ein Bruchteil der eingeladenen Jungbürger.»

Andreas Rüegger, Gemeindepräsident von Hubersdorf, hat ähnliche Erfahrungen mit Jungbürgerfeiern gemacht: «Letztes Jahr waren wir beinahe mehr Funktionäre als Jungbürger.» Ob die Feier dieses Jahr stattfindet, steht noch nicht fest. Ende August wird entschieden.

Beide Gemeindepräsidenten sind sich einig: Bleibt das Interesse an einer Jungbürgerfeier klein, setzt man das Geld in Zukunft für andere Zwecke ein.

Eigenverantwortung in Subingen

«In Subingen ist die Jungbürgerfeier eines der grössten Feste und stets gut besucht», betont Gemeindepräsident Hans Ruedi Ingold. Jahr für Jahr erscheine über die Hälfte der Eingeladenen. Gründe für den Erfolg sieht Ingold im aktiven Vereinsleben des Dorfes und in der Organisation der Feier, welche den Jungbürgern anvertraut wird. Die Jungen erhalten ein Budget und bereiten die Feier in Eigenregie vor.

Weiter ist das Datum der Subinger Jungbürgerfeier geschickt gewählt. Denn diese findet traditionell am Nachmittag des 1. Augusts statt. Ein fliessender Übergang von Jungbürgerfeier in die Festivitäten des Nationalfeiertages lässt den Tag zum Ereignis werden.

Wer übrigens in Biberist doch noch das Gelöbnis auf die Verfassung ablegen will, kann dies am 29. August um 17 Uhr im Büro des Gemeindepräsidenten tun.