Kabelhersteller

Nexans: Die Erfahrung bleibt in Breitenbach

Diese riesigen Kabelrollen der Nexans werden aus Breitenbach verschwinden.

Diese riesigen Kabelrollen der Nexans werden aus Breitenbach verschwinden.

Nexans ist der weltweit zweitgrösste Produzent von Kabeln und beschäftigt insgesamt 25'000 Mitarbeiter. Nur die allerwenigsten Mitarbeiter folgen dem Unternehmen vom Schwarzbubenland in die Westschweiz.

Das Angebot stimmte für die Belegschaft des schliessenden Werks in Breitenbach nicht. Der französische Kabelhersteller Nexans hatte vor, rund zwei Drittel der Arbeitsplätze aus dem Schwarzbubenland an den Firmensitz im neuenburgischen Cortaillod verlegen.

Die Distanz von mehr als hundert Kilometern, die fremde Sprache und die unbekannte Umgebung sind die Gründe, weshalb lediglich fünf Angestellte im Unternehmen bleiben möchten. Am Hauptsitz müssen deshalb viele Personen neu eingestellt werden. Nexans ist der weltweit zweitgrösste Produzent von Kabeln und beschäftigt insgesamt 25 000 Mitarbeiter.

Er habe sich hier ein Leben mit einem Haus und einer Familie aufgebaut. Für Thomas Hofer kam es nicht infrage, in die Westschweiz zu wechseln. Wie ihm geht es den meisten seiner Arbeitskollegen, die seit Herbst 2013 wissen, dass sie ihre Stelle in Breitenbach verlieren.

Gemeinsam mit einem Grossteil der Belegschaft reiste der langjährige Angestellte vor einiger Zeit zum Hauptsitz, wo künftig die ganze Produktion konzentriert wird. «Der Besuch in Cortaillod konnte mich nicht davon überzeugen, mich bei den Firmenverantwortlichen für eine weitere Anstellung zu melden», sagt er. Dasselbe gilt für die grosse Mehrheit der insgesamt 166 im Thiersteiner Werk tätigen Arbeiter, deren berufliche Zukunft in vielen Fällen noch in den Sternen steht.

Kritik vom Gemeindepräsidenten

Die sehr tiefe Zahl der Wechselwilligen kommt für den CEO von Nexans Schweiz nicht überraschend. «Ich habe von Anfang an damit gerechnet, dass sich nur zehn Mitarbeiter dazu entschliessen, der Firma die Treue zu halten», erklärt Francis Krähenbühl. Er könne gut verstehen, dass nur wenige in den Kanton Neuenburg folgen. «Diese Menschen sind im Thierstein und im Laufental verwurzelt» stellt er fest.

Deshalb falle es ihnen selbstverständlich schwer, an einem weit entfernten Ort eine Stelle anzutreten. Im selben Atemzug bezeichnet er die Angestellten aus Breitenbach als äusserst fähig und motiviert. Einige davon hätten in den vergangenen Wochen am Hauptsitz den dort Beschäftigen die Handhabung der bereits gezügelten Maschinen gezeigt. Um das durch die Schliessung verlorene Personal zu ersetzen, sei man momentan daran, neue Mitarbeiter zu suchen.

Den enormen Verlust von erfahrenen Beschäftigten betrachtet der Breitenbacher Gemeindepräsident Dieter Künzli als grosses Problem. Er kritisiert die Schliessung seit Bekanntwerden heftig. «Ich wünsche der Nexans viel Glück bei der künftigen Produktion», stichelt er gegen das Unternehmen, bei dem es sich um den zweitgrössten Arbeitgeber in der Gemeinde handelte. Die Firma müsse einen teuren Umzug bezahlen, könne aber die Mitarbeiter nicht mitnehmen. Die Aufgabe des Werks bezeichnet er als «eine fantasielose Beraterlösung, die nur in der Theorie funktioniert». Es gehe dem Kabelproduzenten einzig und allein darum, seine Ausgaben zu reduzieren. Dabei würden die vom Betrieb zugezogenen Berater aber vergessen, dass der Aufbau von neuem Know-how auch etwas koste.

Die Nexans Schweiz kann durch die Schliessung des Werks im Schwarzbubenland jährlich einen mittleren einstelligen Millionenbetrag einsparen. Dieser setze sich zusammen aus der wegfallenden Miete für die Räumlichkeiten sowie den 58 abgebauten Arbeitsplätzen, sagt Geschäftsführer Krähenbühl. Man habe sich entschlossen, die beiden Fabriken in Breitenbach und im waadtländischen Cossonay aufzuheben, weil die Firma allgemein nicht profitabel genug sei. Dass dieselben Funktionen an allen drei Standorten vorhanden sind, könne man sich schlicht nicht mehr leisten. Er denkt dabei unter anderem an die Informatikabteilung und den Einkauf.

Schrittweise Verlegung

Für Letzteren war in Breitenbach bis vor wenigen Wochen Thomas Hofer zuständig. Nach 21 Jahren im Unternehmen erhielt der 42-Jährige die Kündigung und ist derzeit auf der Suche nach einer neuen Stelle. Den Entschluss der Firma, sich aus dem Raum Basel zurückzuziehen, kann er, wie auch die meisten seiner Arbeitskollegen, nicht nachvollziehen. «Unser Werk ist rentabel», betont er. Es handle sich lediglich um einen unternehmenspolitischen Entscheid, welcher das Ziel habe, den Standort Cortaillod zu stärken, ist er sicher.

Dem widerspricht der CEO. Er weist darauf hin, dass sowohl der Standort Breitenbach, als auch die gesamte Nexans Schweiz seit dem Jahr 2013 Verluste schreiben. «Mir ist aber klar, dass Arbeiter meistens das Gefühl haben, in einem gut laufenden Werk tätig zu sein». Da dem aber nicht so sei, zügle man seit Anfang des Jahres das Inventar schrittweise in die Westschweiz. Mit der Verlegung der Maschinen verlieren die Beschäftigten ihre Arbeitsgeräte und werden entlassen.

Bis Ende Jahr, wenn die Produktion eingestellt wird, erhalten jeden Monat Angestellte die Kündigung. Die letzten Mitarbeiter verlassen die Gebäude, für die ein Nachmieter gesucht wird, im Frühjahr 2016. Dann sind die Unterhaltsarbeiten abgeschlossen und die Nexans hat sich endgültig aus Breitenbach verabschiedet.

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