Horriwil
Neuer Gemeindeverwalter kündet noch in der Probezeit

Im März hat Hanspeter Ruef seine Stelle als Gemeindeverwalter in Horriwil angetreten. Doch dem neu eingestellten Gemeindeverwalter ist das Pensum zu klein. Deshalb geht er bereits wieder.

Rahel Meier
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Im Moment geben sich die Angestellten in der Gemeindeverwaltung sozusagen die Türe in die Hand.rm

Im Moment geben sich die Angestellten in der Gemeindeverwaltung sozusagen die Türe in die Hand.rm

Ruef arbeitete über 20 Jahre lang im Kanton Bern als Gemeindeschreiber und hat das bernische Gemeindeschreiber-Diplom. Als Familienvater ist er auf ein 100-Prozent-Arbeitspensum angewiesen. Die Gemeinde Horriwil konnte ihm aber nur 70 Prozent bieten. «Das wussten wir alle von Anfang an. Wir haben versucht, Herrn Ruef dabei zu helfen irgendwo ein 30-Prozent-Pensum zu finden. Aber das hat nicht geklappt.

Auch das RAV hat Probleme gemacht. Deshalb hat er nun bereits in der Probezeit gekündigt», erklärt Gemeindepräsident Beat Noll auf Anfrage. Der Arbeitsvertrag läuft fürs Erste noch bis Ende Juni. Die Stelle ist im «Azeiger» von gestern bereits wieder ausgeschrieben. Pikanterweise wurde das Inserat vom letzten Februar publiziert – es ist nämlich immer noch die Anmeldefrist vom 29. Februar drin. «Es wäre aber der 11. Juni», sagt Noll.

Auch das Bauwesen

Den Bereich Finanzen hat die Gemeinde Horriwil bereits seit Längerem nach Subingen ausgelagert. Alle Rechnungen werden dort erfasst, auch die Steuerrechnungen vom Nachbardorf aus verschickt. Trotzdem ist die Stelle als Gemeindeverwalterin oder Gemeindeverwalter in Horriwil vielseitig. Die Bereiche Einwohner- und Stimmregister, die AHV-Zweigstelle, das Erteilen von Auskünften am Schalter gehören ebenso dazu, wie das Führen der Protokolle von Gemeinderat und Gemeindeversammlung.

Enthalten ist auch die Protokollführung der Bau- und Werkkommission. Laut Stellenbeschrieb sind «gute Kenntnisse in Excel und Windows» nötig. Nicht dies, aber die Gemeindesoftware, die Horriwil verwendet, machte dem neuen Gemeindeschreiber zu anfang Probleme. «Im Kanton Bern ist man sich ein anderes System gewohnt», erklärt Noll. Der bestätigt, dass es einige Zeit dauerte, bis Ruef die technische Seite im Griff hatte. «Heute weiss ich, dass die Einführungszeit zu kurz war. Man muss dazu aber auch sagen, dass es einfacher ist, in einem Team zu arbeiten.

Hat man eine Frage, kann man die stellen und sie wird schnell beantwortet. Hier in Horriwil ist der Gemeindeverwalter aber alleine.» Hilfe holt er er sich in Subingen, das mit derselben Sofware arbeitet. «Heute würde ich das anders machen», so Noll. Ein Gemeindeverwalter, der die Software nicht bereits kenne, sollte direkt in der Firma, die das System entwickelt hat, einen Kurs besuchen.

Nächstes Jahr sind Wahlen

Ein weiteres Problem ist, dass im nächsten Jahr Gemeinderatswahlen anstehen. Im Februar müssen die Kandidatenlisten abgegeben werden, im April wird gewählt. «Dann muss unsere Verwaltung sattelfest sein und funktionieren», so Noll. Er will übrigens – wie er schon bei seinem Antritt ankündigte – sein Amt spätestens Ende 2013 abgeben. Noll ist sich bewusst, dass es schwierig wird, eine geeignete Person für die Verwaltung zu finden. Schon auf das letzte Inserat hin meldete sich nur knapp mehr als eine Handvoll Bewerber.

Was passiert, wenn sich kein geeigneter Anwärter findet, das hat man im Gemeinderat noch nicht diskutiert. Es könnten weitere Arbeiten ausgelagert werden. «Die Zusammenarbeit mit Subingen klappt gut.» Bereits würden auch Stimmen laut, die sich fragen, ob eine Zusammenarbeit mit einer Nachbargemeinde sinnvoll wäre, oder gar eine Fusion. Dies ist für Beat Noll aber keine Option. «Das wäre auch schade für die Arbeit, die der neue Gemeinderat jetzt geleistet hat.»