Edith und Wolfgang Müller haben sich ganz und gar den Langohren verschrieben. Auf ihrem Hof in Grasswil vermitteln sie den korrekten Umgang und Kenntnisse über das Wesen des Esels. Seit Anfang dieses Jahres haben sie die Stiftung «Esel in Not» ins Leben gerufen, welche sich um kranke, misshandelte, schlecht gehaltene und alte Esel kümmert.

Die Erfahrung zeigt: Oftmals sind die Besitzer dieser Tiere schlicht überfordert mit der artgerechten Haltung, denn ein Esel kann nicht einfach mit Kühen oder Pferden auf die Wiese gelassen werden. Aus einem herzigen jungen Eseli für die Kinder wird ein erwachsenes Tier mit Ansprüchen. Nicht selten tragen sich familiäre Dramen zu, und ein sofortiges Abholen eines «überflüssig gewordenen» Esels ist unabdingbar.

Edith Müller kennt die Problematik der Langohren nur zu genau. «Unser Ziel ist es, die Esel gesundzupflegen und danach weiterzuvermitteln. Zudem möchten wir in der Schweiz ein Netzwerk aufbauen mit Menschen, die als erste Anlaufstelle Esel aufnehmen können», erklärt sie, durch deren Hände im letzten Jahr 15 Esel vermittelt wurden. Immer wieder wird sie mit Eseln konfrontiert, deren Hufpflege vernachlässigt wurde oder die von Parasiten befallen sind. Ganz schlimm seien die Schlacht-Transporte, die nicht selten von Ungarn bis Italien führen. Hier bestehe noch viel Handlungsbedarf, sagt sie. «Wir kaufen jedoch keine Esel, wir nehmen sie lediglich auf, und die Besitzer müssen eine Verzichtserklärung unterschreiben», betont Edith Müller, die vehement Aufklärungsarbeit leistet und auf die Bedürfnisse der Tiere hinweist.

Gleichzeitig schwärmt sie von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Grautiere: «Man kann sie reiten, vor einen Wagen spannen, Bodenarbeit machen oder Zirkuslektionen einstudieren.» Von wegen stur. Esel seien überaus lernbegierig, ergänzt Edith Müller.

Zur Gründung der Stiftung kam es aus folgenden Gründen: Mitte der Achtzigerjahre nahm Erna Schmid einen kranken Esel bei sich in Hüttikon ZH auf. Ihre gute Tat sprach sich herum. Immer mehr Esel wurden ihr im Laufe der Jahre zur Pflege übergeben, und so entstand der «Eselhof Merlin» unter den Fittichen des Vereins «Esel in Not». Der Verein bot Hilfe bei Tierschutzfällen, half bei kurzfristig nötigen Umplatzierungen von Eseln, klärte über die tiergerechte Haltung und Fütterung auf und schulte den gewissenhaften Umgang mit den Langohren. Oftmals waren bis zu 40 Grautiere in Erna Schmids Obhut, und der Platz wurde knapp.

Nach langer und mühseliger Suche fand sich 2010 eine Lösung, und Erna Schmid zog mit ihren Langohren auf einen Betrieb im deutschen Engen-Welschingen, rund zehn Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt. Die Stiftung «Humanatura» hatte den Betrieb übernommen und stellte ihn «Esel zur Not» zur Verfügung. Damit 70 bis 80 Esel dort gehalten werden können, sind unterstützende Gelder notwendig.

So wurde aus dem Verein «Esel in Not» nun per 1. Januar 2016 eine gesamtschweizerische Stiftung, welche der Stiftungsaufsicht des Bundes unterstellt ist. «Auf dem Eselhof leben Grautiere, die eine traurige Vergangenheit haben, falsch gehalten oder gar misshandelt wurden. Durch die fachkundige und liebevolle Betreuung fassen sie langsam wieder Vertrauen zum Menschen», erklärt Edith Müller. Damit der Eselhof betrieben werden kann, ist die Stiftung auf Unterstützung angewiesen. Als Gönner, Pate oder Spender kann man sich an den Kosten für Heu-Fütterung oder Hufschmied beteiligen.