Gemeinderatswahlen
Neue Kräfte wollen in die «rote Hochburg» Gerlafingen einziehen

Die Parteienlandschaft in Gerlafingen wächst. Neu treten fünf Parteien zu den Gemeinderatswahlen an. Die zwei kleinen Kräfte CVP und GLP dürfen sich durchaus Chancen ausrechnen.

Christof Ramser
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Keystone

Im Stahlarbeiterdorf setzt die sozialdemokratische Partei noch immer Massstäbe. Sie stellt mit Roberto Zanetti und Philipp Hadorn gleich zwei der solothurnischen Bundesparlamentarier und ist mit 5 von 11 Sitzen nach wie vor die stärkste Kraft im Gemeinderat. Doch die Konkurrenz bei den Gemeinderatswahlen wächst; mit CVP und GLP wollen am 14. April zwei neue Parteien in die «rote Hochburg» einziehen.

SP stellt grösste Liste

Die SP stellt zwar mit Abstand die grösste Liste, konnte aber trotzdem nur 9 Plätze füllen. Vor allem jüngere Frauen liessen sich aufgrund der Mehrfachbelastung kaum auf eine Kandidatur ein, sagt Co-Präsidentin Esther Gerlach. «Engagement ja, aber nur punktuell und nicht für die Dauer von vier Jahren», fasst sie die Reaktionen zusammen. «Wir streben an, die Sitze zu halten», sagt Gerlach. «Ein Gewinn wäre zu hoch gegriffen.» Aussergewöhnlich ist die Listenverbindung mit der GLP. Wenn nicht zwingend aus politischen Gründen, so passe die Zusammenarbeit personell. Als Konkurrenz sieht Gerlach die neuen Parteien nicht. «Es ist gar nicht schlecht, wenn mehr Kräfte antreten.» Dass sich bei der Sitzverteilung viel ändert, glaubt sie nicht.

Das prägende Thema für die SP bleiben in der kommenden Legislatur die Finanzen und der verzögerte Bau des neuen Schulhauses. «Die Provisorien können nicht ewig weitergenutzt werden», sagt Gerlach. Ausserdem unterstütze man weiterhin ideell die Bauherrschaft der Wohnüberbauung Verenapark. Über das schlechte Abschneiden in Gemeinderatings (wir berichteten) kann man bei den Sozialdemokraten mittlerweile lachen. «Solche Ergebnisse entstehen nur, wenn man nicht hier wohnt und die Verhältnisse nicht kennt.»

«Sitze halten» bei FDP und SVP

«Sitze halten» lautet das Ziel auch bei der FDP. «Das sollte durchaus möglich sein», sagt Ortsparteipräsident Christian Bieri. «Wir haben engagierte Leute auf unserer Liste, darunter die Präsidenten der Finanzkommission oder der Schulkommission. Gemeinderatswahlen sind Kopfwahlen.» Doch auch bei den Freisinnigen, sie hält aktuell drei Sitze, scheint die Kandidatensuche zu harzen. Sechs stellen sich für eine Wahl zur Verfügung. Verzichten muss die FDP dabei auf Vizegemeindepräsident Urs Bieri, der nach drei Legislaturen nicht mehr antreten will. Dass man den Vize erneut stellen wird, bezweifelt Christian Bieri.

Wie vor vier Jahren spannen FDP und SVP mit einer Listenverbindung zusammen. Das Ziel ist offensichtlich: Die (knappe) bürgerliche Mehrheit soll verteidigt werden. Oberstes Ziel für FDP-Präsident Bieri ist es denn auch, in den finanziell prekären Zeiten «Sorge zu tragen zum Geld». Zusätzliche Steuereinnahmen seien mit der Gerlafinger Struktur kaum zu erwarten, auch nicht von der Industrie. Auf die Reihe bringen wollen die Freisinnigen den Neubau des Schulhauses. Dafür scheuen diese auch nicht zurück, allenfalls «beim Staat Geld zu sammeln», wie Bieri sagt, und auf die der Gemeinde zustehenden Beträge verweist.

Als zweite bürgerliche Kraft hat die SVP die FDP zumindest bei den Kantonsratswahlen überflügelt. Vize-Ortsparteipräsident Bruno Hofer geht allerdings davon aus, dass darunter viele Protestwähler sind, auf deren Stimmen man bei der Gemeinderatswahl nicht zwingend zählen könne. Auch die SVP will, notfalls dank der Listenverbindung mit der FDP, ihre Sitze halten. «In der Dorfpolitik ticken unsere beiden Parteien ähnlich, es gibt keine grossen Unterschiede.» Verzichten muss die SVP auf Zugpferd und Neo-Kantonsrat Beat Blaser, der für die Kommunalwahlen nicht mehr antritt. Die grossen Baustellen ortet Hofer bei den Finanzen und dem schwachen Steuersubstrat. «Wir haben 500 Steuerzahler, die mit weniger als 500 Franken veranlagt werden.» Da kaum potente Steuerzahler ins Dorf gelockt werden könnten, müsse man zumindest dafür sorgen, dass die «guten Zahler» nicht wegziehen.

Jordi wohl ohne Konkurrenz

Erstmals seit 12 Jahren tritt die CVP wieder zur Wahl an. Die Partei konnte drei relativ junge Kandidaten gewinnen. Kandidat Markus Müller will «den Mittelstand stärken und Familienpolitik betreiben». Bisher sei in Gerlafingen «zu linkslastig» politisiert worden. Mit mindestens einem Ratsmitglied, nach Möglichkeit deren zwei, will die CVP dies ändern. Trotzdem, so Müller: «Hier wird Sachpolitik betrieben.»

Als Einzelkämpfer, wenn auch flankiert durch die Listenverbindung der SP, tritt schliesslich Michael Sebel für die grünliberale Partei an. «Die Sozialdemokraten haben in den vergangenen Jahren in Gerlafingen die beste Politik gemacht», sagt Sebel. Im Falle einer Wahl würde er sich im Gemeinderat «für mehr Nachhaltigkeit» einsetzen. Er rechnet sich aufgrund seiner Vernetzung in Feuerwehr oder FC durchaus Wahlchancen ein.

Bleibt noch die Frage nach dem Gemeindepräsidium. Gemäss ersten Aussagen sieht es nach einem Sololauf für Peter Jordi (SP) aus. Der Amtsinhaber steuert auf die vierte Legislatur zu.

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