440000 Tonnen Papier oder 40 Prozent der gesamten Schweizer Produktion stellte die Papierfabrik 2007 her. Das bedeutete Rekord in der Firmengeschichte. Vier Jahre später, genau am 19. August 2011, stellte die südafrikanische Besitzerin, Sappi, die letzte Papiermaschine ab, im 149. Jahr des Bestehens der «Papieri».

Im vergangenen Sommer kaufte das auf die Entwicklung von Gewerbe- und Industriearealen spezialisierte Basler Familienunternehmen Hiag Immobilien AG das Riesenareal samt Papiermaschinen zu einem nicht genannten Preis. Das sind die Fakten.

Von Mono- in Multinutzung

Mehr um Visionen und Lösungsansätze ging es am Fabrik-Podium zur Zukunft der alten «Papieri», welches im Rahmen der «Papieri Tage» am Wochenende in Biberist ein zahlreiches Publikum anlockte (wir berichteten).

Michele Muccioli, verantwortlicher Hiag-Arealentwickler für Biberist, dämpfte gleich zu Beginn allzu hohe Erwartungen. «Die Entwicklung eines Areals in dieser Grössenordnung ist ein Prozess von 10 bis 15 Jahren.» «Es ist nicht unsere Strategie, das Areal zu kaufen, zu zerstückeln und dann wieder zu verkaufen.» Man sei nicht unter Zugzwang, denn die Hiag sei gleichzeitig Entwickler, Eigentümer sowie Investor und deshalb langfristig ausgerichtet.

Ein fertiges Konzept könne er noch nicht auf den Tisch legen; er präsentierte aber einige Eckpunkte, um mit einer Neu- und Umnutzung der bestehenden Strukturen wieder einen neuen Lebensraum entstehen zu lassen. So stehe die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze gegenüber einer Wohnnutzung im Vordergrund. Zudem soll das Areal von der bisherigen Mono- einer Multinutzung zugeführt werden.

Lärm und Verkehr als Grenzen

Dass Neuansiedlungen gelingen, darob zeigte sich Martin Blaser, Gemeindepräsident von Biberist, «sehr zuversichtlich». «Ich glaube daran, dass auf diesem Areal in der Industriezone wieder ‹etwas› entstehen wird.» Biberist wolle beim Prozess zur Umnutzung ein guter Partner sein.

Es sei eine Industriezone und deshalb vieles möglich, ergänzte Kantonsplaner Bernard Staub. Grenzen bei der Art der Nutzung sieht er primär im Verkehrs- und Lärmregime. Zum Beispiel sei verbindlich geregelt, dass bei Zu- und Wegfahrten von über 400 Fahrten pro Tag spezielle Auflagen erfüllt sein müssten. Gerade wenn sich ein Logistikunternehmen für das Hochregallager interessieren würde, wäre die Verkehrserschliessung ein «limitierender Faktor». «Ich sage aber nicht, das wäre unmöglich, sondern dass es in einem solchen Fall Gespräche braucht», antwortete er einem Zuhörer im Publikum.

Für Andreas Bühlmann, Chef des kantonalen Amtes für Finanzen und Vize-Gemeindepräsident von Biberist, ist prioritär, dass «auf dem Areal möglichst rasch Arbeitsplätze geschaffen werden, auch in Form einer Zwischennutzung». Zudem sei eine gewisse Diversifikation anzupeilen. Das heisse, verschiedene Branchen und Firmen sollen angesiedelt werden. Bühlmann sicherte ferner seitens der Kantonsverwaltung zu, dass man mit unbürokratischen und raschen Entscheiden beitragen wolle, «damit das Areal und die Umgebung lebendig bleiben».

Papiermaschinen zum Verkauf

Mit dem Areal hat Hiag auch die drei Papiermaschinen erworben. Dass auch nur eine davon in Biberist je wieder produzieren wird, stufte Joern Schmidt, Leiter Produktion und Technik des Hiag-Areals in Biberist, als «sehr, sehr klein» ein. Dagegen sei es realistisch, dass ein Käufer die Anlagen abbaut und an einem anderen Ort wieder aufbaut, um Papier herzustellen.

Die Diskussionsrunde zeigte einerseits auf, dass alle involvierten Partner gemeinsam bemüht sind, neues Leben auf dem Areal zu ermöglichen. Andererseits braucht dieser Prozess trotz allem Optimismus vor allem eines: viel Zeit.