Bis 1963 prägte das alte Käsereigebäude den Dorfplatz in Lohn. Es war 1675 erbaut worden und diente als solothurnisches «Zollstockgebäude». Denn bis zur neuen Bundesverfassung 1848 war das Zollwesen autonome Angelegenheit der Kantone und diese unterhielten oft an der Kantonsgrenze oder in Dorfzentren ein Zollgebäude.

In dem Haus wurde früher auch eine Wirtschaft betrieben. 1688 erhielt ein Dr. Baumgartner – der spätere Stifter der Kapelle Lohn – erstmals ein Tavernen-Recht für die Liegenschaft. Lange Zeit war das Gebäude mit einem solothurnischen Passinspektor besetzt. Erwähnenswert ist dabei die Zeit, als der einheimische Urs Stuber Pass- und Zollinspektor war. Im Sommer 1777 traf dieser unverhofft vor dem Zollstockgebäude auf den deutschen Kaiser Joseph II. (1741–1790), der von Bern her über die alte Bernstrasse, die durch Lohn und den Buchwald nach Solothurn führte, unterwegs war.

1909 kauften die Lohner Bauern das Gebäude von den Erben des Johann Strausak, um dort eine Genossenschafts-Käserei zu betreiben. Der letzte Käser war Hans Liechti, einer der wenigen im Dorf, die Anfang der 60er-Jahre ein eigenes TV-Gerät hatten. Seine Stube war am späteren Abend oft von einer grossen Schar Dorfkinder belagert, die bekannte Serien wie «Lassie», «Fury» und «Bonanza» sehen durften.

Eine gelungene Dorfüberbauung?

In den wirtschaftlich aufstrebenden 1960er-Jahren kam bald die Idee auf, die alte Käserei und das benachbarte «Heri-Haus», in dem eine Konsum-Filiale untergebracht war, abzureissen und durch einen neuen Käserei-Laden und eine Coop-Filiale zu ersetzen.

Diese neue Überbauung wurde von den Behörden und der Bevölkerung sehr begrüsst und kam unter Mitwirkung der Coop Wasseramt, der Milchgenossenschaft Lohn und der Einwohnergemeinde zustande. Da die Käserei mitten auf dem Dorfplatz stand, löste man hier vor allem auch ein verkehrstechnisches Problem. Denn der gesamte Privatverkehr musste früher in die enge Kurve um die Käserei einbiegen, um in den oberen Dorfteil von Lohn zu gelangen. Das machte besonders grösseren Lastwagen mit Anhängern Probleme.

Was vor 50 Jahren bei der Einweihung als gelungene Dorfüberbauung und Einkaufszentrum gefeiert wurde, dürfte heute aus ortsplanerischer Sicht anders betrachtet werden. Hat doch Lohn mit der alten Käserei und dem Heri Haus im Dorfkern zwei einmalige, markante und geschichtsträchtige Gebäude verloren.

Der Dorfplatz hat sich verändert

Gewandelt haben sich in diesen 50 Jahren auch das Dorf- und Einkaufszentrum von Lohn-Ammannsegg. Der Coop-Laden wurde geschlossen, die Liegenschaft verkauft und es entstanden ein kleiner Volg und eine Kinderkleider-Börse. Das «Chäs-Stübli» von Hans und Theres Schenk wurde 2005 aufgegeben und die «Dorfchäsi» ist ebenfalls verkauft: Dort befindet sich heute ein Reinigungsgeschäft. Das Ladenangebot hat sich ins Neuhüsli-Quartier verschoben und die Restaurants liegen ausserhalb des Dorfzentrums.

Die Einwohnergemeinde hat ein Projekt gestartet, um den Dorfplatz wieder aufzuwerten. Preise wurden ausgeschrieben für Ideen zu einer geeigneten und verkehrstechnisch sinnvollen Aufwertung als Zentrumsplatz.

Doch das öffentliche Strassenareal auf dem Dorfplatz ist durch private Eigentums- und Besitzverhältnisse so eingegrenzt, dass der Dorfplatz wohl auch in naher Zukunft bleiben wird, wie er sich heute präsentiert: als grössere Strassenkreuzung mit drei Fahnen auf privatem Grund, auf dem am 1. Mai eine Maitanne oder in der Adventszeit ein Weihnachtsbaum steht.