Gerlafingen
Nach 44 Jahren bei der Post: Am meisten vermissen wird er den Kundenkontakt

Nach 44 Jahren bei der Post, davon 25 Jahren als Poststellenleiter in Gerlafingen, geht Bruno Schenk am kommenden Freitag vorzeitig in den Ruhestand.

Lucilia Mendes von Däniken
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Bruno Schenk am Schalter in Gerlafingen.

Bruno Schenk am Schalter in Gerlafingen.

Lucilia Mendes von Däniken

Er hat seinen Job mit viel Engagement und Herzblut gemacht. Das merkt man im Gespräch mit Bruno Schenk. Und dies, obwohl seine Postkarriere von vielen Veränderungen geprägt war. Ein Beispiel? «In den ersten Berufsjahren hantierte ich noch mit Einzahlungsscheinen mit Lochkarten, heute bearbeiten wir die elektronisch einlesbaren Einzahlungsscheine mit Referenznummern», erzählt Schenk.

Die Arbeit sei dadurch effizienter geworden, aber trotz aller Technik müsse man immer noch den Kopf bei der Sache haben. Auch die Kommunikationsmittel haben sich stark verändert: «Vom Telex über den Fax bis hin zur elektronischen Post habe ich alles erlebt.»

Auch sein Aufgabengebiet – und somit seine Berufsbezeichnung – haben oft gewechselt. Vom Postverwalter ging es zum Amtsleiter bis hin zum aktuellen Poststellenleiter. «Aber eigentlich bin ich – definiert durch die neuen Anforderungen – jetzt vor allem Verkaufsleiter.» Denn ein nicht unwesentlicher Anteil des Umsatzes muss heutzutage durch Verkäufe von Drittprodukten generiert werden.

Am meisten vermissen wird er den Kundenkontakt. Schenk ist selber Gerlafinger und kennt das Dorf sowie dessen Bewohner sehr gut. Das Dorf habe sich schon verändert, erzählt er nachdenklich. Grosse Firmen in der näheren Umgebung seien verschwunden und somit auch viele der in Gerlafingen ansässigen Angestellten.

So deponieren die Kunden am Postschalter oft auch ihre Sorgen und Nöte. Auf den hohen Ausländeranteil in der Gemeinde angesprochen, sieht Schenk für den Postbetrieb Vorteile: «Viele Ausländer machen ihre Einzahlungen noch am Schalter.» Zudem bringen diese häufiger Briefe oder Pakete zur Post als die meisten Schweizer.

Vieles ist passiert in dieser Zeit

44 Jahre im Postbetrieb, diese Zeit ist nicht nur von vielen Veränderungen geprägt, sondern rückblickend fallen Schenk auch viele Erlebnisse ein. Lustige, wie zum Beispiel der Kunde, der nicht verstanden hat, dass er mit seinem Auto nur bis zur – und nicht auf die Rampe fahren soll. Tragikomische, wie die Erinnerung an die Frau, die nach dem Rauswurf aus der Wohnung nackt in der Schalterhalle aufgetaucht ist. Zweimal erlebte er auch Raubüberfälle: einmal in Biberist persönlich und der zweite Überfall in Gerlafingen aus der Ferne. Er weilte an einem Kurs, als er sich bei seinen Angestellten erkundigte, ob alles planmässig laufe. Diese informierten ihn, dass sie soeben ausgeraubt worden seien.

Am kommenden Freitag steht Bruno Schenk letztmals hinter dem Schalter in Gerlafingen. Schenk lässt sich mit 62 frühzeitig pensionieren. Er hat noch viele Pläne und möchte «so lange die Gesundheit mitmacht», seinem Haupthobby dem Sport frönen. Auf Velotouren, Bergwanderungen mit dem SAC, mit Tennis spielen oder beim Langlauf. Zudem reist er gerne, aber grössere Reisen plant er nicht: «Im vergangenen Jahr war ich in Peru, nun ist mein Bedarf an Langstreckenflügen gedeckt. Aber in der Schweiz gibt es ja auch noch sehr viel zu entdecken.»