Die Freie Liste Luterbach wird nicht zu den Gemeinderatswahlen im nächsten Frühling antreten. Dies beschlossen Gemeinderäte und Kommissionsmitglieder an einer Sitzung. Zur Sitzung eingeladen hatte der Gründer der Partei, Hugo Schumacher, der frühere Gemeindepräsident von Luterbach, der nach seinem Bekenntnis zur SVP nicht mehr in der Freien Liste aktiv war. «Es kamen zirka zehn Personen zur Versammlung», sagt Hugo Schumacher. Er wollte laut eigenen Aussagen einen sauberen Abschluss seiner Tätigkeit herbeiführen und eine geordnete Weiterführung erreichen. Letzteres ist an der Sitzung nicht gelungen. «Es fehlt eine Leaderfigur, die die notwendigen konzeptionellen Arbeiten vorantreibt, oder die Homepage aktualisiert, oder den Wahlprospekt organisiert», begründet Schumacher das Aus der Partei. «Deshalb wurde an der Versammlung schweren Herzens das Ende der Freien Liste Luterbach beschlossen.»

Auf und Ab der Freien Liste

Die vor 16 Jahren gegründete Partei ist laut Schumacher eine Vereinigung – «ein Pool» – von parteilosen Dorfpolitikern und Kommissionsmitgliedern. Schnell fasste die Partei mit ihrer Politik Fuss im Gemeinderat und in den Kommissionen. Schumacher spricht von hochstehender Streitkultur, mit der das Vertrauen der Bevölkerung gewonnen wurde. Seine Gegner bezichtigten ihn der Scharfmacherei und der Lügenpolitik. An den Wahlen 1997 startete die Freie Liste fulminant mit drei Sitzen im 16-köpfigen Gemeinderat. 2001 waren es noch zwei Sitze im verkleinerten 11-köpfigen Gemeinderat. Vier Jahre später erlebte die Partei einen Riesenerfolg, auch dank ihrer Opposition in Sachen Ansiedlungen von zwei Sägereien. In diesem Jahr gewann die Partei zwei zusätzliche Sitze und war in Luterbach die stärkste politische Macht. Hugo Schumacher wurde gar zum Gemeindepräsidenten gewählt. Vier Jahre später erfolgte der Absturz auf noch zwei Sitze. Schumacher unterlag als amtierender Gemeindepräsident in der Wahl ums Präsidium.

Die Verhinderung der Sägereien sei zu grossen Teilen der Freien Liste zu verdanken, sagt Schumacher. Aber den grössten Erfolg der sich auflösenden Partei sieht Schumacher darin, dass dank ihr viele Personen als Behördenmitglieder die Dorfgemeinschaft mit ihrer Arbeit und ihrem Wissen unterstützten. «Viele dieser Leute hätten sich keiner Partei angeschlossen.»

Parteigeld geht an die Gemeinde

«Ich will es nicht missen, es war eine gute Zeit», sagt Hugo Schumacher. «Man muss halt Leute aufrütteln, wenn man etwas Veränderung will.» Als Parteiloser sei er aber sehr auf sich alleine gestellt gewesen. «Rückblickend wäre es vielleicht gescheiter gewesen, ich hätte mich einer Partei wie der SVP angeschlossen und eine Sektion in Luterbach gegründet.»

Die Gemeinderats- sowie die Kommissionsmitglieder würden ihre Ämter bis zum Ende der Amtsperiode ausfüllen. Aktuell stellt die Freie Liste mit Francesca Morini Neuenschwander und Urs Rutschmann zwei Gemeinderäte. Insgesamt sind es 17 Sitze, die die Freie Liste in Kommissionen und Gemeinderat hält. «Es gibt einzelne Personen, die auch weiter mithelfen wollen. Da liegt es auch an der Gemeinde, dafür zu sorgen, dass dies möglich sein wird», sagt Schumacher. Dies bestätigt Gemeindepräsident Michael Ochsenbein: «Es ist gängige Praxis, dass Kommissionsmitglieder, falls sie weitermachen wollen, dies auch tun können.»

Noch einmal lädt die Freie Liste im nächsten April zur Flur- und Uferputzete. Dann will Schumacher das nach dieser Aktion verbleibende Guthaben der Partei der Einwohnergemeinde überweisen. «Es hat Gerüchte gegeben, das Geld fliesse in meine Tasche. Dem ist nicht so.»