Subingen
Muss René Strickler mit seinen 25 Raubkatzen bald umziehen?

Im September wird sich die Zukunft des Raubtierparkes in Subingen vorentscheiden. Die Mieterstreckung ist abgelaufen. Tiertrainer René Strickler trifft sich mit der Landeigentümerin zur Schlichtungsverhandlung. Die Fronten sind bezogen.

Franz Schaible
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René Stricklers Raubtierpark
11 Bilder
Aufmerksam verfolgt Löwe Zumba das Geschehen
Der weisse Löwe ist ein Geschenk vom Zoo in Belgrad
Gut gebrüllt!
Pumas gehören auch zu den Attraktionen im Park
Die junge Löwin schnappt sich das Fleischstück
Die Löwen rollen im Gras herum
René Strickler 2005 mit drei Tigerbabys Weisse Tiger sind selten.
René Strickler in Aktion, das Bild stammt von 2002
René Strickler mit seinen Tieren.
Die Tiergehege sind mit Details ausgeschmückt

René Stricklers Raubtierpark

Hanspeter Bärtschi

Friedlich ist die Stimmung im Raubtierpark von René Strickler in Subingen. Die Wildkatzen wärmen sich in der Sonne. René Strickler geht ins Gehege der beiden Bengaltiger «Arisha» und «Noah» und ködert sie mit einem Stück Fleisch. Die beiden achtjährigen Königstiger schnappen danach und lassen sich vom Tiertrainer am Kopf kraulen. Die Szenerie für das Fotoshooting ist perfekt. «Das sieht alles so einfach aus. Aber dahinter steckt eine immense Arbeit», sagt der 63-Jährige. Wenn er über seine Arbeit spricht, ist seine Liebe zu den Tieren spürbar.

Hinter der friedlichen Ambiance steckt aber Zündstoff. Denn der Raubtierpark kämpft ums Überleben. Die Besitzerin des rund 16 000 Quadratmeter grossen Areals mitten in der Subinger Gewerbe- und Industriezone, die Solothurner Immobiliengesellschaft Espace Real Estate AG, hat schon seit Jahren andere Pläne (siehe Kasten).

Eigentümer: «Weitere Mieterstreckung kommt für uns nicht infrage»

«Für uns ist eine weitere Erstreckung des Mietverhältnisses mit Herrn Strickler kein Thema», erklärt Theodor Kocher, Geschäftsführer der Espace Real Estate AG. Eine Freizeitnutzung sei in der Subinger Gewerbe- und Industriezone keine Option. «Deshalb passt ein Raubtierpark als Publikumsbetrieb nicht auf das Areal.» Nach wie vor plane die Espace Real Estate als Landeigentümerin die Ansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben. Er habe zwar alle Achtung vor der Leistung von René Strickler, die er mit seinem Raubtierpark leiste. «Aber Subingen ist einfach der falsche Standort.» An die Pläne von René Strickler, den Park mithilfe von Investoren auszubauen, glaubt Kocher nicht so recht. Es werde schwierig sein, tatsächlich Investoren zu finden, die bereit seien, Geldmittel in einen Raubtierpark zu stecken. An der Verhandlung vor der Schlichtungsstelle in Mietsachen am 4. September werde übrigens nicht über eine weitere Mieterstreckung befunden. Dazu fehle dieser Behörde die Kompetenz. Ziel sei eine gütliche Einigung. Falls dies nicht möglich sei, könne Herr Strickler beim Mietgericht auf eine Mieterstreckung klagen. Das würde wiederum einige Zeit in Anspruch nehmen. Falls dann die Mieterstreckung abgelehnt würde, dann müsste der Tierparkbesitzer de jure umgehend das Gelände räumen. Aber Kocher geht davon aus, dass die Behörden Strickler eine angemessene Frist zur Räumung gewähren würden. Fakt ist aber, dass der Mietvertrag 2010 gekündigt wurde und die Mieterstreckung am 30. Juni 2013 abgelaufen sei. «Eine weitere Verlängerung kommt für uns nicht infrage», wiederholt Kocher. (FS)

Der Pachtvertrag mit Strickler wurde bereits vor über drei Jahren gekündigt. Ihm wurde aber angesichts der Schwierigkeiten, einen neuen Standort zu finden, eine Mieterstreckung von drei Jahren gewährt. «Über 100 Tierseelen wie Ziegen, Schweine, Enten und Hühner leben im Park», so Strickler. Deswegen ist der Park aber nicht landesweit bekannt, sondern vielmehr wegen der 25 Raubkatzen wie Tiger, Leoparden, Löwen oder Puma. Die Mieterstreckung ist nun Ende Juni abgelaufen. Und Strickler sucht immer noch eine neue Bleibe. Fristgerecht habe er deshalb im Frühling eine zweite Mieterstreckung beantragt. Die Anhörung vor der zuständigen Schlichtungsbehörde für Miet- und Pachtverhältnisse ist auf den 4. September festgesetzt.

Wie der Entscheid dannzumal auch ausfallen wird: «Der Raubtierpark wird in jedem Fall nicht Knall auf Fall geschlossen werden. Die Anlage bleibt vorerst offen», will René Strickler festgehalten haben. Es gebe ja noch weitere rechtliche Mittel. Er hofft aber, dass mit der Landeigentümerin eine gütliche Einigung erzielt werden könne. «Wir respektieren uns gegenseitig und es gibt kein böses Blut. Wir haben einfach gegensätzliche Interessen», zeigt sich Strickler zuversichtlich.

Strickler hat Investorengruppe

Sein Hauptziel sei, dass er Gelegenheit erhalte, dem Verwaltungsrat der Espace Real Estate AG seine Pläne und Ideen für eine nachhaltige Zukunft des Raubtierparkes aufzeigen zu können. Und die liegt für den Tiertrainer am jetzigen Standort in Subingen. «Ich habe eine Investorengruppe an der Hand, die bereit ist, einen Um- und Ausbau des Parks zu finanzieren.» Ist das realistisch oder nur ein Wunschtraum? Denn bereits vor einigen Jahren reichte Strickler in Dompierre FR ein Baugesuch für einen Erlebnispark unter dem Namen «Jungle World» ein. Wegen der Finanzkrise, so Strickler, seien die Investoren damals abgesprungen. Die jetzige Gruppe wäre bereit, eine nachhaltige Entwicklung des Raubtierparkes zu garantieren, versichert Strickler. Namen der Investoren könne er aber zum jetzigen Zeitpunkt keine nennen.

Er legt Pläne auf den Tisch. Sie lehnen sich an das Konzept in Dompierre an, aber in deutlich kleinerem Ausmass. Demnach sollen die Freiläufe und Gehege mit Um- und Anbauten erweitert und attraktiviert werden. Dass dies teilweise nötig ist, hielt der Schweizer Tierschutz im «Zoobericht 2012» fest. «Der STS erwartet, dass mit einem Standortwechsel auch eine klare Verbesserung der Tiergehege verbunden wird (Flächen, verhaltensgerechte Strukturen).»

Gleichzeitig attestiert der Verband Strickler, dass «das Herzblut für seine Tiere und die Fachkenntnisse in der Haltung eindeutig vorhanden sind». Die beanstandeten Punkte seien inzwischen behoben, sagt Strickler. Mit einem grossen Kinderspielplatz will er zudem dafür sorgen, dass der Raubtierpark im Wasseramt als «nationales Ausflugsziel» erhalten bleibe. Die Nachfrage sei da, die Besucherzahlen stiegen jährlich an. Aber Zahlen nennt er nur annähernd. «Wir zählen jährlich mehrere Zehntausend Besucherinnen und Besucher.» Er spricht von Wertschöpfung und einer Win-win-Situation für die Landbesitzerin, den Tierpark und die Standortgemeinde Subingen. Damit sein Traum Wirklichkeit wird, will er zusammen mit den erwähnten Investoren der Eigentümerin das Land abkaufen oder zumindest einen langfristigen Pachtvertrag abschliessen.

Landeigentümer hat andere Pläne mit Areal

Vor neun Jahren eröffnete Strickler auf dem Areal den Raubtierpark. Seit damals habe er das brachliegende Land zu «einer grünen Oase mit über 100 Bäumen» ausgebaut und beträchtliche Mittel - «rund 700 000 Franken» - investiert. Der ursprünglich gelernte Bankkaufmann wuchs in Rapperswil auf, wo der Circus Knie jeweils sein Winterquartier aufschlägt. Früh wurde er gepackt von der Faszination der Raubtiere - und wurde Tiertrainer. Bis 1994 war er mit seiner Raubtiergruppe in verschiedensten Zirkusunternehmen in Europa engagiert, zuletzt im Circus Knie. Danach war er bis 2003 selbstständig mit Zelt und Tieren in der ganzen Schweiz unterwegs. Mit denselben Tieren habe er in Subingen den «Beschäftigungszoo» aufgebaut. «Die Tiere sind im Gegensatz zu einem gewöhnlichen Zoo nicht nur ausgestellt. Ich arbeite täglich mit den Tieren.» Für den gesamten Betrieb beschäftigt er nach eigenen Angaben zehn Festangestellte und mehrere Aushilfen.

Dass die Landeigentümerin andere Pläne mit dem Areal hat, ist sei vielen Jahren bekannt. Eine Lösung zur Zukunft des Raubtierparkes liegt trotzdem nicht auf dem Tisch. Hat er zu lange zugewartet? «Nein», sagt Strickler. «Ich habe unzählige Anfragen in verschiedensten Gemeinden quer durch die Schweiz platziert. Das Interesse war durchaus vorhanden, aber letztlich kam es wegen Platzmangel nie zu einem konkreten Projekt», blickt er zurück.

Das Schlimmste Szenario wäre die Einschläferung der Tiere. Denn die Tiere könnten nicht «zwischengelagert» oder auch nicht an Zoos abgegeben werden. «Alle sind mit Raubkatzen mehr als belegt.» Die an eine Gemeinschaft gewöhnten Tiere könne man auch nicht auseinanderreissen und mit anderen Tieren mischen. Das obige Szenario ist für ihn unvorstellbar. «Die Tiere können sich nicht wehren. Deshalb kämpfe ich weiter für sie, und die Hoffnung gebe ich nicht auf.»